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Düsseldorf: Wo sich Sport und Sozialarbeit treffen sollen

Neues Projekt geplant : Trainer sollen Kindern in schwierigen Situationen helfen

Bei dem Sportverein TuSA sollen Trainer zukünftig pädagogisch ausgebildet werden, um Probleme von Kindern frühzeitig zu erkennen.

Montagabend, Mittwochabend und Dienstagabend steht das Training an. Am Wochenende dann ein Spiel. Und in der nächsten wieder der gleiche Rhythmus. Doch plötzlich erscheint ein Kind nicht mehr, hat merkwürdige blaue Flecken oder wirkt teilnahmslos. „Wenn es dann einen aufmerksamen Trainer gibt, können so viele Probleme erkannt werden“, sagt Gunter Bliss-Müller von DJK TuSA 06 Düsseldorf in Flehe, der bei der Umsetzung von einer Sozialarbeiterin unterstützt wird. In dem ambitionierten Projekt „Vereinssozialarbeit“ wollen die beiden professionelle Sozialarbeit in den Sportalltag der 800 im Verein spielenden Kinder integrieren.

„Die Idee: Trainer haben häufig Kontakt mit den Kindern,  so dass sie viele Probleme der Kinder bemerken können, bevor es zu spät ist“, erklärt die Sozialarbeiterin, deren Kinder und Ehemann im Verein Fußball spielen. Die etwa 100 Trainer von TuSA haben zwei- bis dreimal die Woche Kontakt zu den Kindern. Dadurch entstehe ein Vertrauensverhältnis zwischen Kindern und Trainer. „Das Vertrauen der Kinder in die Trainer kann sehr wertvoll sein“, sagt Bliss-Müller, besonders wenn sich Kinder in schwierigen Lebenssituationen befinden. „Sportvereine sind Spiegelbilder der Gesellschaft. Natürlich kommen da auch Probleme auf“, sagt Bliss-Müller. „Das Potenzial der Trainer, diese Probleme frühzeitig zu erkennen, wird aktuell aber nicht genutzt“, bedauert die Sozialpädagogin. So etwas wie Vereinssozialarbeit gebe es bisher nicht. „Ähnlich wie in der Schule, wo Sozialarbeit fest etabliert ist, wollen wir ein Netz von Ansprechpartnern aufbauen“, sagt Bliss-Müller, der Vize-Vorsitzende des Vereins. Dabei denken die beiden Initiatoren an pädagogische Schulungen für Trainer, Beratungsangebote für Eltern und Infovorträge für alle in der Jugendarbeit tätigen Ehrenamtlichen.

Bereits im vergangenen Februar wurde den Vereinsmitgliedern das Projekt zum ersten Mal vorgestellt. „Der Zuspruch war groß, aber ehrenamtlich ist das für viele Mitglieder nebenbei nicht zu schaffen“, sagt die Sozialarbeiterin. „Als vernünftiges Projekt kann der Verein alleine das nicht stemmen.“ Man benötige fachliche Expertise, die es für Sportvereine so bisher nicht gebe. Bliss-Müller bedauert: „Es braucht finanzielle Unterstützung und andere Vereine und Einrichtungen, die mit einsteigen.“

Bei anderen großen Fußballvereinen äußert man ähnliche Bedürfnisse. Beim SC Düsseldorf-West aus Oberkassel hält man das Projekt für „absolut unterstützenswert“, wie deren Vorsitzender Wolfgang Prager erklärt. „Trainer können viel erkennen und auch beeinflussen. Je mehr Basiswissen und Handwerkszeug vorhanden sind, desto besser für die Kinder“, so Prager. Aktuell werde im Verein ein neues Ausbildungskonzept für Jugendtrainer entwickelt. Man wolle in die Ausbildung der Jugendtrainer investieren und pädagogische Aspekte in die Ausbildung einbauen. „Im Januar wollen wir unser neues Konzept für Jugendtrainer dann vorstellen“, sagt Prager.

Im nächsten Jahr soll dann endlich auch das Projekt bei TuSA starten. Zum Auftakt des Projektes steht Bliss-Müller bereits mit zwei Kinderärzten in Kontakt, die sich bereit erklärt haben, Vorträge für die Trainer zu halten. „Wenn nur ein einziger Fall entdeckt wird, haben wir schon gewonnen“, sagt der Vize-Vorsitzende hoffnungsvoll. Langfristig solle das Projekt nicht nur auf die Fußballsparte begrenzt sein, sondern für den gesamten Verein angeboten werden. Die Sozialarbeiterin ergänzt: „Das Ziel ist es, irgendwann vielleicht mal einen festangestellten Sozialarbeiter für Sportvereine zu haben.“ Bis dahin wollen die beiden aktiv für die Vereinssozialarbeit werben, um weitere Mitstreiter zu gewinnen.