Düsseldorf: Wladimir Klitschko erhält den Ehrenpreis Innovator des Jahres 2019

Wirtschaftsclub in Düsseldorf : Wladimir Klitschko als „Innovator des Jahres“ ausgezeichnet

Im Wirtschaftsclub ehrte die Vereinigung „Die deutsche Wirtschaft“ den Innovator des Jahres. Der Ehrenpreis ging an Ex-Boxer und Unternehmer Wladimir Klitschko. Der ließ sich seine Freude erst nicht anmerken.

Der Champion kommt im Taxi, heißt es. Deswegen dauert es einen Moment, bis der Groschen fällt, als eine schwarze S-Klasse in der Blumenstraße vorfährt. Ein Hüne steigt heraus. Wladimir Klitschko, ganz in Schwarz, Sneaker, Hose, T-Shirt, Sakko. Langsam setzt er sich Richtung Wirtschaftsclub in Bewegung.

Klitschko war mal mehrfacher Weltmeister im Schwergewicht. Nun ist der 43-Jährige Unternehmer. Wahrscheinlich könnten die wenigsten Menschen sagen, was er genau macht. Aber alle wissen, dass er viele Jahre die Box-Ranglisten anführte. Vor dem Eingang des Wirtschaftsclubs signiert Klitschko ein Foto und einen Boxhandschuh. Weitgehend schweigsam. Seit er beim Aussteigen die Fotografen gesehen hat, ist seine Miene versteinert.

Im Saal sind alle 200 Stühle belegt, rundherum stehen die Gäste. Viele Handys filmen den Star des Abends. Klitschko erträgt es mit unbewegter Miene. 20 Innovatoren würden heute geehrt, erklärt Michael Oelmann, Geschäftsführer des ausrichtenden Netzwerks „Die Deutsche Wirtschaft“. Drei erhielten zudem einen Publikumspreis. Und es gebe natürlich auch einen Ehrenpreis. Wer den bekomme, werde nicht verraten. Gelächter im Saal. Nun muss auch Wladimir Klitschko lächeln. Die meiste Zeit hört er aufmerksam zu, schaut nicht aufs Handy, klatscht an den richtigen Stellen. Er erscheint voll konzentriert – und vollkommen unberührt. Ein Zen-Buddhist bei der Meditation.

Nur mit seinem Nachbarn unterhält er sich immer wieder angeregt. Frank Dopheide, CEO der Handelsblatt-Gruppe, berät Klitschko in Marketingfragen und ist auch Dozent im Studiengang Change- und Innovationsmanagement, den Klitschko an der Universität St. Gallen anbietet. Heute Abend hält Dopheide die Laudatio auf den Ehrenpreisträger. Gebannt lauscht Klitschko – dabei kennt er die meisten Geschichten ja schon. „Du bist ein perfekter Märchenerzähler, Frank“, wird er später sagen. „Ich bin in die Geschichte eingetaucht, bis ich merkte: Es ist eine Geschichte über mich.“ Dopheide spricht über die Marke Klitschko. Power. Brain. Disziplin. Aber nur im Doppelpack. „Das Thema, eigentlich: Eigenständigkeit“, referiert Dopheide. Wladimir, der nicht mehr dem älteren Bruder hinterherlaufen will. Wenn Dopheide erzählt, klingt alles ganz logisch: vom Boxer, der den aus dem Ring ins Unternehmertum wechselt, um dort zu vermarkten, was er hat – Erfahrungen. Challenge Management. Dr. Steelhammer als Dozent.

Als Klitschko sich dann erhebt, fliegen ihm sofort die Herzen zu. „Ich habe mich riesig gefreut, wie ein Kind. Innovator des Jahres!“, sagt er mit dem Akzent, der auch zu seiner Marke gehört. Er erzählt, dass er bei seinem letzten Besuch auf einer Düsseldorfer Bühne – dem Boxring in der Esprit Arena, in dem er 2015 gegen Tyson Fury antrat – verloren hat. „Wenn ich gewusst hätte, dass ich das nächste Mal auf einer Bühne stehe und diesen Preis bekomme, wäre es damals nicht so schlimm gewesen“, behauptet er. Applaus. Klitschko spricht frei, lustig, charmant. Er lacht. Das Publikum auch. Klitschko und unberührt? Man kann es sich nicht mehr vorstellen.

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