Düsseldorf: Wird das Junge Schauspielhaus zum Haus der Kulturen?

Kultur in Düsseldorf : Wird das Junge Schauspielhaus zum Haus der Kulturen?

Das Theater will an den Hauptbahnhof ziehen – die Bedingung ist aber eine neue kulturelle Nutzung des Gebäudes an der Münsterstraße. Es kursiert ein erster Vorschlag.

Das Junge Schauspielhaus will sein Domizil an der Grenze von Mörsenbroich und Rath verlassen – das geht aber nur, wenn ein Nachfolger für das Theater an der Münsterstraße gefunden wird. Seit einem halben Jahr laufen Gespräche. Das ist der aktuelle Stand:

Was könnte aus dem Theater an der Münsterstraße werden?
Auf jeden Fall soll die ehemalige Fabrikhalle, die das Junge Schauspiel seit 1993 beheimatet, weiter als Kulturstätte genutzt werden. Dies hat die Stadtverwaltung der zuständigen Bezirksvertretung 6 zugesagt. Erst wenn über die „angemessene kulturelle Nachnutzung“ entschieden sei, werde der Umzug in die Wege geleitet, hieß es.

Nach Informationen unserer Redaktion erarbeitet die Leiterin des Amts für Migration, Miriam Koch, ein Konzept für ein „Haus der Kulturen“. Ein solches Begegnungs- und Selbsthilfezentrum für die Migranten- und Flüchtlingsorganisationen ist Teil der Kooperationsvereinbarung von SPD, Grünen und FDP. Allerdings soll Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) das Konzept noch nicht kennen und darauf bestehen, dass die neue Nutzung auch eine Außenwirkung hat.

Auch die Politik hat noch nicht zugestimmt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob das Haus geeignet ist. Andere zuerst genannte Ideen scheinen nichts zu werden: Das Pariser Atelier des Lumières etwa hat offenbar kein Interesse an der Immobilie.

Warum will das Junge Schauspiel weg?
Das Schauspielhaus ist in Bewegung: Die Bauarbeiten am Gustaf-Gründgens-Platz sind bald zu Ende, damit hat das Theater seine Hauptspielstätte wieder. Dadurch wird die ehemalige Probebühne Central, die übergangsweise der Hauptsitz war, frei. Der Leiter des Jungen Schauspiels, Stefan Fischer-Fels, verweist darauf, dass dieser Standort bei den Zuschauern gut angekommen sei. „Die Leute lieben das Central“, sagt Fischer-Fels. Daran will er mit der Kinder- und Jugendbühne anknüpfen.

Darüber hinaus entwickelt sich das Bahnhofsviertel durch die neue Zentralbibliothek, in die auch das Forum Freies Theater (FFT) und das Theatermuseum einziehen, zum Kulturquartier. Fischer-Fels spricht von einem idealen Umfeld, um das Angebot zu erweitern.

Neben den Schulaufführungen will er mehr Abendveranstaltungen für „freiwillig“ kommende Jugendliche und junge Erwachsene sowie mehr Familienaufführungen ins Programm nehmen. Das funktioniere am jetzigen, zu weit abgelegenen Standort nicht. Eine Umfrage bei den Schulen habe zudem gezeigt, dass fast alle das Central bevorzugen würden. Fischer-Fels betont, dass er an dem Haus an der Münsterstraße nach mehr als zehn Jahren Tätigkeit hänge und gern mithelfe, einen Nachnutzer zu finden.

Warum sorgen sich die Stadtteilpolitiker?
Das Theater war in den 1990er Jahren bewusst nicht ins Zentrum gelegt worden – das war damals Politik, um die Peripherie zu stärken. „Ich finde diese Idee nach wie vor gut“, sagt etwa Marcus Münter (CDU), Kulturpolitiker in der Stadtratsfraktion und zu Hause in Rath.

Das Junge Schauspielhaus sei zwar kein Theater, dass sich direkt an die Nachbarn richtet, aber ein „Leuchtturm“, und das in einer Gegend, die es nicht immer einfach habe. „Ich habe Sorge, dass ein Nachnutzer nicht dieselbe Strahlkraft entwickelt.“

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