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Düsseldorf: Wie viel lernt man im Intensiv-Chinesischkurs an der Volkshochschule?

Intensiv-Chinesischkurs in Düsseldorf : „Mit dem Fuxing durch die Sprachlandschaft“

Wie viel Chinesisch kann man in vier Tagen lernen? Gar nicht so wenig. Wir waren beim Intensivkurs „Chinesisch für Anfänger“ der Volkshochschule dabei.

Ganz sicher ist sich Rahel Kuhn nicht, was sie mit dem Taschentuch in ihrer Hand nun genau anstellen soll. Etwas fragend blickt die 15-jährige Schülerin auf die anderen Kursteilnehmer neben sich. Die verstehen die Anweisungen von Su-Chiu Hou mal besser und mal schlechter. Doch die Chinesisch-Lehrerin bemerkt die Verunsicherung im Kurs sofort und erklärt die Aufgabe erneut.

Es ist Montagmorgen, 9.30 Uhr, und die erste der insgesamt 32 Unterrichtsstunden des Intensivkurses läuft. Bevor die sprachinteressierten Teilnehmer chinesisch lesen und eigenständige Wörter und Sätze formulieren können, muss die korrekte Aussprache erlernt werden. „Im Chinesischen ist es wichtig, bei jeder Silbe und jedem Wort sofort die Tonlage mitzulernen: ohne den richtigen Ton kein richtiges Chinesisch. Niemand würde verstehen, was man sagen möchte“, erklärt Hou eine wichtige Grundregel beim Erlernen der Sprache.

Aber wozu nun genau das Taschentuch? Im phonetischen Alphabet, dem ‚Hanju Pinyin‘, gibt es einige Laute, die in den westeuropäischen Sprachen nicht oft verwendet werden. Ein wichtiger Baustein im chinesischen ist das ‚ci‘: Ein Zischlaut, der an das ‚tz’ des Wortes ‚Katze‘ erinnert. „Man muss diese Silbe stimmvoll sprechen, indem man dabei die Luft nach außen drückt. Um das zu üben nimmt jeder das Taschentuch vor seinen Mund und bringt es nur durch das Aussprechen der Silbe in Bewegung“, erklärt die Lehrerin. Bei den ersten Versuchen tut sich Rahel noch schwer, doch nach mehrmaligem Üben hat sie den Bogen raus. „Super, klasse“, lobt Hou.

 Und so arbeitet sich der Kurs mit der Hilfe von Su-Chiu Hou Stück für Stück in die schwierige Sprache ein, die so ungewohnt für das westliche Ohr ist. Niemand aus dem Kurs hatte im Vorfeld Kenntnisse über die chinesische Sprache, der Anfänger-Intensivkurs fängt bei null an. Schnell machen die Teilnehmer Fortschritte und erzielen Erfolgserlebnisse.

Das motiviert für die anstrengenden Unterrichtstage, die morgens um 9 Uhr beginnen und nachmittags um 16.15 Uhr enden. „Der Kurs macht super viel Spaß und bringt mehr, als ich am Anfang vermutet hatte. Wir lernen echt intensiv und können einiges mitnehmen“, meint Rahel. Die 15-Jährige besucht aktuell die zehnte Klasse, im Sommer nimmt sie an einem dreiwöchigen Schüleraustausch nach China teil. Bevor sie dort, in der Nähe von Shanghai, auf ihre Gastfamilie trifft, wollte sie zumindest ein erstes Gefühl für die Sprache bekommen.

Einige nützliche Redewendungen und Ausdrücke können die 13 Teilnehmer auch in dieser kurzen Zeit erlernen: gängige Sätze wie „Guten Morgen“ oder „Dankeschön“, das Zählen, sowie das Singen chinesischer Lieder. Darunter auch im deutschen bekannte Songs wie ‚Funkel, funkel kleiner Stern‘ oder ‚Bruder Jakob‘.

Weniger intensiv beschäftigt sich der Kurs mit den chinesischen Schriftzeichen. „Das Lesen und verstehen der Schriftzeichen braucht viel, viel Zeit, die wir hier natürlich nicht haben. Deshalb legen wir den Fokus auf die Sprache“, erklärt Hou. Am letzten Kurstag dürfen sich die Teilnehmer mit Streichhölzern aber doch an dem Nachbauen einiger Schriftzeichen versuchen. „Es ist eine faszinierenden Sprache, für die man viel Fantasie mitbringen muss“, meint Rüdiger Grein.

Der 49-jährige Unternehmensberater war schon auf einigen Veranstaltungen der Deutsch-Chinesischen Freundschaft und ist seitdem von Land, Sprache und Kultur begeistert. „Die vier Tage waren wie eine Reise mit dem Fuxing durch die Sprachlandschaft“, vergleicht er die Intensität des Kurses mit dem Hochgeschwindigkeitszug der Chinesen.