Diskriminierung an Schulen Wie Düsseldorfer Schulen den Rassismus im Alltag bekämpfen

Düsseldorf · Seit Jahren engagiert sich die Joseph-Beuys-Gesamtschule für Vielfalt und gegen Rassismus. Jetzt wollte die Schulministerin wissen, wie das konkret aussieht.

Engagieren sich: Neofytos Chatziapostolou und Sefa Apaydin

Engagieren sich: Neofytos Chatziapostolou und Sefa Apaydin

Foto: Jörg Janssen

Bisweilen ist es nur eine unbedachte Bemerkung der Mitschüler, manchmal geht es aber auch um eine gezielte Kränkung. „Was ist das für ne Tüte auf deinem Kopf? Ups, warum seh‘ ich dich gar nicht mehr“, beschreibt Neofytos Chatziapostolou Bemerkungen, die zu dem gehören, was die Experten Alltagsrassismus nennen. Sprüche, die es wohl an fast allen weiterführenden Schulen gibt. Auch an der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Oberbilk ist das nicht anders. Doch die Schule, die schon mehr als zwei Jahre das Label „Schule ohne Rassismus“ trägt, tut viel, damit solche Sprüche eine Ausnahme bleiben.

Paten wie der Fortuna-Spieler Emmanuel Iyoha oder die Düsseldorfer Anwältin Gülşen Çelebi, die vor ein paar Jahren gegen die Rechtspopulisten der Dügida auf die Straße ging, unterstützen die Schulgemeinde bei ihren Aktivitäten für Diversität und gegen Ausgrenzung. Workshops, Projekte und die Arbeit mit externen Respekt-Coaches gehören für die Schüler in Oberbilk zum Alltag. „Wir müssen miteinander und nicht übereinander reden, dann lernen wir, wie schön das Unterschiedliche sein kann“, sagt Sefa Apaydiu (19), der bis zum Sommer Schülersprecher war.

Dass die Antirassismus-Arbeit an der Düsseldorfer Schule mit besonderem Engagement umgesetzt wird, hat sich inzwischen bis ins Schulministerium herumgesprochen. Am Montag machte sich NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) ein Bild von dem, was sich mit den Labels „Schule ohne Rassismus“ und „Schule der Vielfalt“ vor Ort im Einzelnen verbinden lässt. „Womöglich könnte es hilfreich sein, das künftig unter einem Label zusammenzufassen – was halten Sie davon?“, fragte Feller. Doch die Meinungen dazu gingen an diesem Mittag auseinander.

Dass die Demokratie gerade eine schwierige Phase erlebt, umtreibt die Politikerin. Dabei denkt sie auch an die nächste Europawahl und daran, dass das Ergebnis die Demokratie weiter schwächen könnte. Umso wichtiger sei es, Schüler für die grundlegenden Werte dieser Gesellschaftsform zu sensibilisieren. Ein Gedanke, der auch Gülşen Çelebi wichtig ist. „Ich kenne Menschen mit Migrationshintergrund, die mir inzwischen sagen, sie würden künftig AfD wählen“, sagt die Anwältin. „Meine Hoffnung ist: Wer hier zur Schule geht, wird diesen Eltern oder Bekannten sagen: Wenn du das tust, unterstützt du rassistische Positionen.“

Flankiert wird die Antirassismus-Arbeit der Schulen inzwischen auch durch die Stadt. Denn der Bedarf nach externer Unterstützung ist hoch. Vor den Sommerferien hatte der kommunale Arbeitskreis „Rassismuskritische Schulen“ eine Handreichung präsentiert, die von allen Interessierten genutzt werden kann. Die Broschüre heißt „Wie Rassismus an den Schulen begegnen?“ und kann über das kommunale Integrationszentrum (KI) bezogen werden.

(jj)
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