Düsseldorf: Werber gegen den Krebs

Stammzellspenden-Aktion: Kreative gegen den Krebs

Der Kreative Ralf Schwartz erkrankte an Lymphdrüsenkrebs. Seine Ärzte gaben ihm nicht einmal sechs Monate. Doch der Werbeexperte kämpfte und rief eine Stammzellspenden-Aktion ins Leben. Viele Agenturen beteiligen sich daran.

Ralf Schwartz ist Werbeexperte, Strategieberater, Blogger, und er gründete kürzlich gemeinsam mit seinem Branchenkollegen Thomas Koch „The Forth Club“ – das ist ein vielversprechender Lunchtalk. Laden wollen sie in regelmäßigen Abständen Visionäre und Vordenker mit klarer Meinung zur Gesellschaft und zum Leben. So erfolgreich das Berufsleben des 55-Jährigen bislang war, so erschütternd war für ihn aber ein persönlicher Paradigmenwechsel 2012. Denn in diesem Jahr erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs. Seine Ärzte gaben ihm noch nicht einmal sechs Monate. „Erst waren es bloße Fieberschübe, die mich in Schach hielten und auch verunsicherten“, erinnert sich Schwartz. Was folgte, waren Wochen voller Ungewissheit, Verunsicherung und Ängste.

HAVAS
Auch das Team der Agentur HAVAS machte mit. Foto: HAVAS

Es war in der Notaufnahme der Uniklinik, als ein Schalter in seinem Leben massiv umgelegt wurde: Der erfolgreiche Werber war auf einmal vor allem ein Kranker, „auch wenn ich das zunächst nicht glauben wollte“. Schwartz musste in Quarantäne, da die Ärzte im Dunkeln tappten. „Sie waren zwar zu 99 Prozent nah dran, aber eben nicht zu 100 Prozent.“ Das Tropeninstitut schalteten die Mediziner ein, machten diverse Test – auch zu seltenen Krankheiten. Fehlanzeige. Das war Anfang Dezember 2012. Sechs Wochen war er abgeschottet von der Außenwelt, verbrachte das Weihnachtsfest ohne seine Lieben. Diese schwere Lebensphase flößt ihm noch heute Respekt ein, aber sie machte auch seinen Blick klar: „Wenn Du so was erlebst, dann weißt Du Familie und echte Freunde zu schätzen.“ Irgendwann war klar: Es war Krebs. „Eine seltsame Situation und Erkenntnis war das, ich war erst einmal alles andere als überzeugt davon, dass ich krank bin, das alles war vollkommen surreal.“

Denise von Hall, Nadine Sophie Pothen
Denise von Hall, Nadine Sophie Pothen und Lena Grube (v.l.) von BBDO mit den Wattestäbchen. Foto: BBDO

Was folgte, waren mehrere Chemotherapien und eine Strahlentherapie. „Drei bis vier Tage die Woche durchlief ich das Prozedere, das wirklich kein Zuckerschlecken ist, und irgendwie hatte ich das starke Bedürfnis, diesen Horror und mein Erleben in etwas Positives zu verwandeln.“ Und er brauchte einen Stammzellenspender. „Meine Frau Angelika sagte, dann suchen wir eben selber einen.“ Sie hatte ihren Abschluss an der Kunstakademie gemacht, und auch Andreas Gursky, der weltberühmter Fotograf, ließ mitsuchen. Das war der Startschuss für „Krebsuzette“, in einer Zeit, in der Schwartz immer noch litt, aber sein Kampfeswille umso mehr erstarkte.

Die Werbeagentur DDB half bei der
Die Werbeagentur DDB half bei der Typisierung-Aktion. Foto: DDB

Das Wort „Krebsuzette“ ist Schwartz‘ Eigenkreation: „Je nachdem, wie man das Wort Krebsuzette ausspricht, erinnert es an die süßen französischen Pfannkuchen, nämlich Crepe Suzette. „Das fand ich deshalb so schön, weil es mir Trost gab, und ich wollte der Aktion einen durch und durch positiven Touch geben, aber eben auch die Menschen immer wieder das Wort Krebs hören und sprechen lassen.“ Denn Schwartz ist überzeugt, wir können den Kampf gegen den Krebs nur gewinnen, wenn wir nicht länger ängstlich sind.

Grey: Dickjan Poppema, CEO, Maja Peters,
Grey: Dickjan Poppema, CEO, Maja Peters, Fabian Kirner, Chief Creative Officer, Daniel Biallowons, Daniela Fritsch (v.l.) Foto: Grey
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KREATIVE GEGEN KREBS - eine Initiative seines Labels Krebsuzette und dem Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA), ist eine Stammzellspenden-Aktion in Deutschlands Agenturen, die Schwartz als Werber allesamt gut kennt. KREATIVE GEGEN KREBS steht unter der Schirmherrschaft des ZKRD und wird national koordiniert von der Knochenmarkspenderzentrale der Uniklinik Düsseldorf. Die von Schwartz initiierte Aktion findet jedes Jahr im letzten Monat vor dem Football-Agency-Cup statt, den der GWA ausrichtet. Die Gaudi ist von einem Fußballturnier zum größten Branchentreff mit über 3000 Teilnehmern gewachsen, bei dem sich alle Agenturgattungen und immer mehr Medien treffen. Auch Ralf Schwartz freut sich auf das Happening vom 6. bis 8. Juli im FSV Stadion in Frankfurt am Main.

Anne-Christine Rieger, Sven Wollner und Jacoba
Anne-Christine Rieger, Sven Wollner und Jacoba Bückers (v.l.) von Group M posteten positiv stimmende Fotos in den Netzwerken. Foto: GroupM

Noch mehr freut er sich allerdings über die rege Teilnahme namhafter Agenturen an seiner „KREATIVE GEGEN KREBS Aktion“, die gerade über die Bühne geht. Zur Einordnung: Es gibt hierzulande knapp 30 Spenderdateien, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist sicher eine der bekanntesten. In ganz Deutschland waren die Kollegen wieder fleißig damit beschäftigt, zum Wohle an Krebs erkrankter Menschen Stammzellspender via Wattestäbchen zu typisieren. Das schafft Gewissheit, und wenn ein Stammzellspender passt, dann kann das bekanntlich ein Patientenleben retten.

Auch in Düsseldorf war ordentlich was los. Für BBDO stiegen Account Manager, Studenten und Azubis in den Ring. Bei DDB versammelten sich die Mitarbeiter um Gründer Bill Bernbachs Photo an der Wand. Auch die GroupM, Havas und Grey mit ihren CEOs beteiligten sich an der Aktion und posteten positiv stimmende Fotos in den sozialen Netzwerken. Die Liste mit Schwartz‘ engagierten Branchenkollegen will nicht enden: ua. Dentsu Aegis Network, Crossmedia und Butter. So hinreißend lebensbejahend lachen die Teilnehmer in die Kameras, als sie ihre Aktionstage dokumentieren. Sie halten Wattestäbchen in die Kamera und Broschüren – auf seiner „Krebsuzette“-Seite im sozialen Netzwerk Facebook fasst Ralf Schwartz alles liebevoll kommentiert zusammen, und obwohl das Thema ernst ist, macht der Besuch dort auch gute Laune. „Ohne Engagement des Einzelnen würden viele Systeme in Deutschland und der Welt zusammenbrechen“, erklärt Schwartz, und meint damit noch nicht einmal sich selbst, sondern Klinikärzteschaft und -pflege, Ehrenamtler in der Altstadt-Armenküche und zum Beispiel den Tafeln.

Und er glaubt an Resilienz, die Psychologen als psychische Widerstandskraft beschreiben. So habe er es geschafft, die Krankheit hinter sich zu lassen. Und: „Wir müssen auf uns hören, nicht auf andere.“ Das ist etwas, was neben einem Gefühl für die richtige Ernährung und das Wissen um Umwelt- und Produktgifte schon Kinder in der Schule lernen sollten, findet Ralf Schwartz. „Aber eines nach dem anderen, dieses Thema steht auch noch auf meiner krebsuzette-Agenda“, sagt er und lächelt.