Untenehmen in Düsseldorf Wenn der Wahnsinn Methode hat

Düsseldorf · Im Lorettoviertel hat sich eine junge Werbeagentur niedergelassen, deren Name Programm sein soll: „Des Wahnsinns fette Beute“. Gerade Familienunternehmen soll mit unkonventionellen Methoden auf die Sprünge geholfen werden.

Tina Schwandt, Marco Ziegler und Thomas Hartkopf (v.l.) bilden das Führungstrio der Düsseldorfer Agentur „Des Wahnsinns fette Beute“.

Tina Schwandt, Marco Ziegler und Thomas Hartkopf (v.l.) bilden das Führungstrio der Düsseldorfer Agentur „Des Wahnsinns fette Beute“.

Foto: Marc Ingel

Es gibt ja hier in Düsseldorf viele Werbeagenturen, die recht erfolgreich arbeiten, deren Namen sich aber nur bedingt einprägen – etwa, wenn sie aus einer Aneinanderreihung von Buchstaben bestehen. Bei einem noch relativ jungen Mitstreiter in der Branche ist das anders: „Des Wahnsinns fette Beute“ hat da der Konkurrenz schon mal auf jeden Fall etwas voraus. Gegründet vor 25 Jahren von Sibylla Kalverkämper und Jörg Hesse im sauerländischen Attendorn hat die Agentur seit 2020 hier einen eigenständigen Ableger. Tina Schwandt und Marco Ziegler sind die geschäftsführenden Gesellschafter der Düsseldorfer GmbH, Thomas Hartkopf vervollständigt das Führungstrio als Prokurist und Geschäftsleiter Kreation. Im Vorjahr ist die Agentur aus Little Tokyo ins Lorettoviertel gezogen.

Der Anfang war jedenfalls alles andere als einfach, „wir haben den Standort am Tag des Lockdowns gegründet“, erinnert sich Schwandt. Zumindest den guten Namen und den einen oder anderen Kontakt aus der inhabergeführten Agentur-Gruppe hatte man schon mal auf der Habenseite. „Wir haben jetzt nicht komplett bei null angefangen“, sagt Ziegler. Und außerdem kann der Wahnsinn ja auch beflügeln. Der erste Kunde war die Metro, es folgten große Firmen wie S.Oliver oder die Santander Bank, „da war das Eis schnell gebrochen“, erklärt Hartkopf.

Darüber hinaus hat der Wahnsinn in dem 400 Quadratmeter großen Loft an der Wilhelm-Tell-Straße nicht nur Methode, die Agentur hat sich auch darauf spezialisiert, Familienunternehmen im Markt neu zu positionieren. Oft sind es auch die „Hidden Champions“, die sich als ideale Kunden erweisen – also Unternehmen, die sich in ihrer Branche als führend herausgestellt haben, nur keiner merkt’s so richtig. „Wir bieten strategische Kreativität und digitale Technologie für Marktführer und die, die es werden wollen“, umreißt Schwandt den Anspruch und schiebt hinterher: „Wir sind leidenschaftlich unkonventionell – und unser Name ist Programm.“ Das gilt zum Beispiel auch für die Raumaufteilung der Agentur im Lorettoviertel, statt im Chefzimmer finden Gespräche auf höchster Ebene an der Bar statt.

Natürlich hat sich auch die Agentur in Unterbilk den neuen Arbeitsbedingungen angepasst, vieles geschieht im Homeoffice, dennoch hat jeder seinen festen Arbeitsplatz, „und wir treffen uns hier auch an festen Tagen. Der kreative Austausch, das Brainstorming, ist in der Werbung unverzichtbar“, erklärt Hartkopf. Das gilt für die Ideenfindung von Print-Kampagnen genauso wie für Webseiten-Erstellung oder die Feinjustierung von TV- oder Radio-Spots.

„Am wichtigsten ist dabei aber immer, dass man im persönlichen Gespräch herausfindet, wie der Kunde tickt, dass man auf ihn eingeht und mitnimmt und ihm nichts vorsetzen will, die Chemie muss stimmen“, sagt Ziegler. Nur so kann der Pitch – also die Zusammenkunft mit Vertretern des Unternehmens und der Präsentation einer ersten Idee – gelingen. Denn in Düsseldorf herrscht unter Werbeagenturen eine große Konkurrenz, muss man sich bei Ausschreibungen schon strecken, um sich zu behaupten. Und da kann es nicht schaden, sich mit unkonventionellen Ideen abzusetzen. „Dann winkt als Belohnung auch mal ein TV-Dreh in Kapstadt“, weiß Ziegler zu berichten.

Düsseldorf: Werbeagentur "Des Wahnsinns fette Beute"
Foto: grafik

Das nächste große Thema für „Des Wahnsinns fette Beute“ wird zweifelsohne die Künstliche Intelligenz sein, „sie wird Dinge verändern, automatisieren und dadurch auch Arbeitsabläufe vereinfachen, etwa bei der Recherche“, ist Ziegler überzeugt. „Und wer nicht weiß, wie er damit umgehen soll, der wird mittelfristig auf der Strecke bleiben.“ Doch am Ende des Tages zählt für die Agentur ausnahmslos nur eines: „Du brauchst immer einen, der eine Idee hat“, sagt Tina Schwandt. Oder anders ausgedrückt: Der Grad des Wahnsinns definiert den Freiraum des Denkens.

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