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Düsseldorf: Was das Niedrigwasser des Rheins in Düsseldorf für Folgen hat​

Pegel von unter 50 Zentimetern : Was das Niedrigwasser des Rheins in Düsseldorf für Folgen hat

Bei unter 50 Zentimetern steht der Pegel des Rheins bei Düsseldorf derzeit. Das hat Folgen, unter anderem für die Schifffahrt. Eine Fähre hat den Betrieb bereits eingestellt.

Die anhaltende Trockenheit lässt den Rheinpegel weiter sinken: Am Dienstag wurden dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein zufolge 49 Zentimeter gemessen. „Die aktuellen Wasserstände sind auf einem für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrigen Niveau“, sagt der Fachbereichsleiter Schiffsnutzungen, Christian Hellbach. Diese seien Folge der fehlenden Niederschläge der vergangenen Woche und Monate. Eine Entspannung sei derzeit nicht in Sicht: Erst in etwa zwei Wochen zeichne sich ein Anstieg der Wasserstände ab. „Dieser fällt jedoch nicht signifikant aus.“

Dabei könnten nach Angaben der Stadt in den kommenden zwei Wochen 40 Zentimeter unterschritten werden. Von einem historischen Niedrigstand ist der Rhein bei Düsseldorf damit noch weit entfernt: Im Oktober 2018 wurden 23 Zentimeter gemessen. Der Abfluss liege derzeit bei rund 750 Kubikmeter pro Sekunde.

Für die Lebewesen im Rhein stellt die derzeitige Situation allerdings keine Gefahr dar, sagt ein Stadtsprecher. „Die Fische ziehen sich mit dem absinkenden Wasserstand in die wasserführenden Bereich des Rheins zurück.“ Das setze sie zwar unter Stress, lebensgefährlich werde es für die Tiere aber erst ab einer dauerhaften Wassertemperatur von über 26 Grad. Derzeit liegt diese im Tagesverlauf zwischen 23 und 24 Grad.

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Die Stadt könne daran wenig ändern, sagt der Sprecher. Der Pegel könne "nur durch anhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet des Rheins gesteigert werden". Die Temperatur im Rhein hänge zudem von den Lufttemperaturen und der Sonneneinstrahlung ab. Der Grundwasserstand indes werde vom Niedrigwasser des Rheins nicht wesentlich negativ beeinflusst.

Der Sommer 2022 gehört laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen zu den trockensten der vergangenen Jahre: Ähnliche Dürreperioden gab es zuletzt im Sommer 2018, damals wurden auch die bisher niedrigsten Pegelstände des Rheins gemessen. Regnen wird es höchstwahrscheinlich bis einschließlich Sonntag in Düsseldorf nicht mehr, sagt eine DWD-Sprecherin. Dazu wird es bis zu 33 Grad heiß. Erst Anfang der kommenden Woche soll es wieder Niederschläge geben.

Derzeit ordnet das WSA Rhein noch keine Einschränkungen für die Schifffahrt an – Probleme gibt es aber durchaus, sagt Jan Sönke Eckel, Geschäftsführer der Rheincargo, die die Häfen in Düsseldorf, Neuss und Köln betreibt. Zwar komme durch die Fahrrinne noch etwa 1,30 Meter an Tiefgang hinzu und die Schiffe könnten fahren – aber nicht mit voller Ladung. „In der Region sind die Schiffe derzeit etwa zur Hälfte beladen.“ Das führe zu einem starken Anstieg bei den Frachtkosten – mehr Schiffe zu organisieren sei unter anderem wegen der hohen Zahl von Kohleimporten zurzeit ebenfalls schwierig.

In den Häfen garantiere man dieselbe Abladetiefe, die derzeit auf dem Rhein gewährleistet wird. „Mehr Schiffe bedeutet für uns natürlich auch mehr Aufwand“, sagt Eckel. Aber: Der Schiffsverkehr laufe, die Versorgung sei gewährleistet. „Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar.“ Eine Prognose abzugeben sei zwar schwierig, Eckel rechnet aber damit, sich die Lage erst im September könnte entspannen könnte – aber auch nur, wenn im Südwesten Deutschlands Regen falle und in den Rhein fließe.

Für die Fähre zwischen Urdenbach und Zons ist die Katastrophe bereits eingetreten, sagt Betreiber Wolfgang Jansen. Seit Freitag geht hier nichts mehr: zu viel Kies am Düsseldorfer Ufer, „keine Chance“. 80 bis 100 Pendler seien von der Schließung betroffen. Wie lange diese dauern wird, kann Jansen nicht sagen: 2018 stand die Fähre monatelang still, in den vergangenen 15 Jahren waren es immer mal ein paar Tage. „Tendenz stark zunehmend, der Klimawandel lässt grüßen.“ Für seine Mitarbeiter möchte er jetzt Kurzarbeitergeld bekommen.

Besser sieht es bei der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt aus: In Düsseldorf finden laut Sprecherin Nicole Becker alle Rundfahrten statt – weil die MS Rheinpoesie und die MS Rheingalaxie, die dafür eingesetzt werden, mit ausreichend Tiefgang ausgestattet sind. Andere Schiffe wie die MS Goethe fahren derzeit aber nicht – und von Köln aus sind die Rundfahrten Richtung Mittelrhein eingeschränkt: Statt bis nach Linz geht es nur bis Königswinter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Niedrigwasser am Rhein in Düsseldorf im August 2022