Wirtschaft in Düsseldorf Warum Vodafone in Düsseldorf 20 Prozent der Büros frei zieht

Interview | Düsseldorf · Vodafones Immobilien-Manager Thierry Tournassat spricht im Interview übers Energiesparen auf dem Campus, die Folgen von Homeoffice und neue Räume der Arbeit.

Der Vodafone-Campus in Düsseldorf.

Der Vodafone-Campus in Düsseldorf.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Genau zehn Jahren nach Bezug des Vodafone-Campus sind viele Mitarbeitende erneut umgezogen – am gleichen Standort. Denn das Unternehmen zieht zurzeit ein Fünftel seiner Flächen frei, um sie nicht heizen zu müssen und gestaltet andere neu. Die Bürowelt am Standort erlebt erneut einen Wandel. Ein wichtiger Faktor ist seit Corona die noch größere Flexibilität, auch aus dem Homeoffice zu arbeiten. Nach Corona wirkt die Energiekrise auf die Bürofläche mit einer Größe von vier Flugzeugträgern in Heerdt. Wie sich das Unternehmen mit seinen 6200 Mitarbeitern in Düsseldorf aufstellt, erklärt der Verantwortliche für die Immobilien des Unternehmens in Deutschland, Thierry Tournassat, bei einem Rundgang vor Ort.

Herr Tournassat, würde der Campus heute eigentlich wieder so gebaut werden?

Tournassat Die Bedeutung des Büros ist immer noch sehr groß. Corona hat uns gezeigt, dass digital vieles möglich ist. Aber eben auch, dass der persönliche Austausch unersetzlich ist. Der Campus ist ein sehr attraktiver Standort, der viel Funktionalität bietet. Aber wir haben natürlich immer auch die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen im Blick. Zuletzt Corona. Nun die Energiekrise. Wir stellen uns beispielsweise die Frage: Wie viel Platz brauchen wir aktuell, um optimal miteinander zu arbeiten und zeitgleich Energie einzusparen?

Thierry Tournassat ist verantwortlich für die Immobilien von Vodafone in Deutschland. Hier steht er vor einem neuen Kreativraum, der Lounge-Charakter hat.

Thierry Tournassat ist verantwortlich für die Immobilien von Vodafone in Deutschland. Hier steht er vor einem neuen Kreativraum, der Lounge-Charakter hat.

Foto: Vodafone

Viele Büros bedeuten auch hohe Energiekosten, wie reagieren Sie darauf?

Tournassat Wir ziehen zurzeit rund 20 Prozent der Fläche frei, um sie im Winter nicht voll zu beheizen. Wir haben einen Plan erarbeitet, der eine effiziente Belegung der Räume ermöglicht. Schon seit Einzug am Campus gibt es keine fest zugeordneten Schreibtische, sondern Arbeitszonen. Diese sind nun noch größer geworden, um Flexibilität zu gewinnen und die Fläche effizienter zu nutzen. Rund 4000 Mitarbeitende sind dafür innerhalb der Gebäude umgezogen. Wir freuen uns, dass die Mitarbeitenden und die Arbeitnehmervertreter uns hier maßgeblich unterstützen.

Wie sparen Sie zudem Heizenergie und welchen Effekt hat das auf die Kosten?

Tournassat Wir haben die Temperatur in den Büros von 22,5 Grad auf 20 Grad heruntergeregelt. Allein mit diesen Maßnahmen sparen wir einen sechsstelligen Betrag im Jahr. Zudem kann Technologie einen wichtigen Beitrag leisten: Schon vor Ausbruch des Krieges haben wir durch eine neue Steuerung mittels künstlicher Intelligenz von Heizung, Lüftung und Klimaanlage den Energieverbrauch am Campus um knapp ein Viertel gesenkt. Zudem prüfen wir beispielsweise, ob es sinnvoll sein kann, Solar-Anlagen auf dem Oberdeck von unserem Parkhaus zu installieren.

Wie hat sich die Arbeit im Homeoffice entwickelt?

Tournassat Es wird stark genutzt. Vodafone hat den Mitarbeitenden schon vor der Pandemie viel Flexibilität geboten. Das gesamte Konzept am Campus war schon immer auch teilweise auf das Arbeiten von zu Hause ausgelegt. Während Corona ist der Anteil gewachsen. Nun kehren unsere Mitarbeitenden häufiger wieder ins Büro zurück, aber noch nicht in dem Ausmaß wie vor der Pandemie. Wir suchen unsere Balance im Umgang damit. Vor allem dienstags bis donnerstags ist es voller am Campus, montags und freitags hingegen leerer. Wir müssen also lernen, die Peaks abzufangen, die es in diesem Maße so früher nicht gab. Beim Angebot in der Kantine haben wir etwa von acht auf vier Gerichte reduziert.

Wie gehen Sie mit den freien Flächen um, wollen Sie untervermieten?

Tournassat Wir haben dazu keine konkreten Pläne, das ist aber natürlich eine Option. Unser Ziel ist es immer, dass wir in Bezug auf die Raumnutzung flexibel bleiben, aber zeitgleich auch wirtschaftlich handeln.

Der Konzern hat Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro bis 2026 angekündigt. Welche Folgen hat das für den Campus?

Tournassat Wir haben nie gewartet, unsere Gebäudeflächen effizient zu nutzen. Seit dem Umzug vor zehn Jahren belegen wir statt 125.000 nur noch 84.000 Quadratmeter Fläche. Diesen Weg sind wir kontinuierlich weitergegangen. Die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die am Campus arbeiten, ist von 4200 auf rund 6200 gewachsen. Das ist ein Wachstum von fast 50 Prozent. Desk-Sharing sorgt für mehr Effizienz. Am Campus selbst sind wir zudem immer papierloser geworden. Die Zahl der Drucker ist schon vor zehn Jahren auf die Hälfte reduziert worden.

Welche Bedeutung hat die Präsenz vor Ort noch für Vodafone?

Tournassat Eine sehr große. Spontane Begegnungen und der kurzfristige Austausch lassen sich nicht ersetzen. Wir fördern deshalb gemeinsam mit den Führungskräften den persönlichen Austausch bei uns am Campus.

Wie gestalten Sie unter diesem Aspekt den Campus neu?

Tournassat Der Aufenthalt soll noch attraktiver werden und dem aktuellen Bedarf der Zusammenarbeit im Büro entsprechen. Wir haben noch mehr Elemente für die bereichsübergreifende und kreative Zusammenarbeit installiert. Es gibt mehr Konferenztische mit hochmodernen Monitoren, aber auch Rückzugsmöglichkeiten, um etwa bei Telefonaten die anderen Kolleginnen und Kollegen am Campus nicht zu stören. Eine wesentliche Neuerung ist unser Future-Floor. Teams können hier insgesamt fünf Projektflächen mieten. Ein neuer Lounge-ähnlicher Raum samt Smartboard und beschreibbaren Glastrennwänden ist speziell für die Entwicklung kreativer Ideen errichtet worden. Zentral ist hier eine große, moderne Kaffeetheke direkt auf der Fläche, an der auch wieder mehr zufällige Begegnungen stattfinden sollen. Die direkte Kombination eines solchen Ortes mit einer Arbeitsumgebung gab es bislang nicht, sondern eben nur dedizierte Besprechungsräume und die separierte Cafeteria.

Warum hat das für Sie eine so große Bedeutung?

Tournassat Die echten Begegnungen und der persönliche Austausch haben einen hohen Wert, sie bereichern uns als Unternehmen und vor allem unsere Mitarbeitenden, die ihre Netzwerke täglich vergrößern und ihr Wissen dadurch ständig weiterentwickeln können.