Düsseldorf: Warum Kevin keine benutzten Tickets mehr verschenken soll

Rheinbahn-Robin-Hood : Warum Kevin keine benutzten Tickets mehr verschenken soll

Die Fahrkarte liegt schon unten im Automaten, obwohl man noch nichts bezahlt hat? Das ist kein Zufall, sondern eine nett gemeinte Geste. Die ist aber strafbar, sagt die Rheinbahn.

Kevin Kribben macht es seit sechs Jahren. Der Düsseldorfer, der regelmäßig mit der Rheinbahn unterwegs ist, legt seine Einzelfahrkarte, wenn diese noch gültig ist, zurück in das Ausgabefach des Ticketautomaten in der Bahn. So können andere das Ticket noch benutzen. Facebook-Nutzer finden das nett, die Rheinbahn überhaupt nicht.

"Als ich von Köln wieder zurück nach Düsseldorf gezogen bin, habe ich damit angefangen", sagt der 31-Jährige unserer Redaktion. "Eine ältere Dame suchte in ihrem Portemonnaie nach Kleingeld. Das dauerte so lange, da habe ich ihr mein Ticket gegeben." Gerade einmal 25 Minuten war er mit seiner Fahrkarte gefahren. Gültig war das Ticket aber für 90 Minuten. Inklusive sind Pause und Umsteigen - solange der Fahrgast nicht die Richtung wechselt. "Wenn ich das Ticket nicht mehr brauche, warum soll es dann kein anderer nutzen können?", fragt sich der Buchhalter.

Viel Lob für Kribbens Verhalten

Mit seiner Idee ist Kribben nicht alleine. Das merkte er, als er sich am Montag ein Ticket am Automaten ziehen wollte. Da fand er selbst eine Einzelfahrkarte, die noch gültig war. Er war so begeistert, dass er seinen Fund in der Gruppe "NETT-WERK Düsseldorf" bei Facebook postete - mit dem Hinweis darauf, dass er das auch macht. "Die Reaktion der Leute hat mich total überrascht", sagt er. "Mein Handy war nur noch am Vibrieren."

Unzählige Kommentare erhielt er zu seinem Post. Die meisten Facebook-Nutzer lobten sein Verhalten und meinten, sie wollten es in Zukunft auch so wie Kribben machen. Wenige gaben zu Bedenken, dass derjenige, der das geschenkte Ticket an sich nimmt und damit weiterfährt, schwarzfährt. Ein User schreibt: "Ist das überhaupt zulässig bei einem Ticket für eine Einzelfahrt? Ich denke eher nicht. Mit sowas schadet man letztendlich der Allgemeinheit, denn es wäre Schwarzfahren."

Aber macht man sich wirklich strafbar, wenn man mit einer schon benutzten Einzelfahrkarte fährt? Und ist es verboten, sein Ticket zu verschenken?

Einzelfahrkarten sind nicht übertragbar

"Einzelfahrkarten sind nicht übertragbar", stellt Rheinbahnsprecher Georg Schumacher klar. Wer eine noch gültige Karte an sich nimmt und damit weiterfährt, fahre schwarz. Für die Kontrolleure ist das aber nur erkennbar, wenn sie die Situation beobachten oder der mit dem Ticket Beschenkte in eine andere Richtung fährt. "Die Chiffre auf der Fahrkarte können nur die Kontrolleure identifizieren", sagt Schumacher. "Daran erkennen sie, ob die Richtung stimmt. Es kommt also nicht nur auf die Zeit an, die auf dem Ticket vermerkt ist." Wer erwischt wird, muss 60 Euro zahlen.

Kribben legt deshalb sein Ticket immer nur in den Automaten der Bahn, mit der er gefahren ist. "Damit derjenige dann auch in die richtige Richtung fährt." Nach Auffassung der Rheinbahn macht sich Kribben damit strafbar, wenn er nach dem Ablegen des Tickets im Automaten ohne gültige Fahrkarte die Bahn verlässt. "Wenn er sich dann oder später am Bahnsteig ohne Ticket erwischen lässt, muss er 60 Euro bezahlen", sagt Schumacher.

Rheinbahn brauche das Geld

"Das Ganze ist ja vielleicht nett gemeint, aber wer das Ticket nimmt, prellt die Zeche", sagt Schumacher. Oft komme eine verschenkte Fahrkarte zwar nicht vor, aber für Schumacher ist jeder Fall einer zu viel.

"Da die Rheinbahn zu 100 Prozent Tochter der Stadt ist, gehört sie allen Bürgern. Das heißt, die Allgemeinheit leidet unter einem solchen Vorgehen", sagt der Rheinbahnsprecher. "Wir wollen das Geld nicht haben, um die Leute zu ärgern, sondern um ein gutes Angebot zu machen." So würde eine neue Straßenbahn rund drei Millionen Euro kosten. "Alleine durch die Ticketeinnahmen können wir zum Beispiel neue Busse und Bahnen oder Klimaanlagen und WLAN in den Fahrzeugen gar nicht bezahlen. Wir brauchen zusätzlich noch Unterstützung von den Kommunen."

Ein schlechtes Gewissen hat Spender Kribben allerdings nicht. "Ich komme so oft wegen der Bahn zu spät zur Arbeit", sagt er. "Da verdrücke ich keine Träne wegen der verlorenen Einnahmen der Rheinbahn. Die Tickets werden ja sowieso immer teurer. Mit meinen noch gültigen Fahrkarten kann ich meinen Mitmenschen helfen. Die knapp drei Euro können viele sicher gut gebrauchen."

(eler)
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