Ausgehmeile in der Düsseldorfer Altstadt Warum ist auf der Ratinger Straße weniger los?

Düsseldorf · Vor allem in der Woche zieht Düsseldorfs Ausgehmeile, die Ratinger Straße, nicht mehr so viele Besucher an wie früher. Die Wirte wollen aber nicht von einer Krise sprechen. Aktuell sind gleich mehrere Lokale auf der Straße geschlossen – was dort geplant ist.

Dilek Buga und Rui Rodriguez sind die neuen Betriebsleiter vom Meilenstein und wollen dort eine portugiesische Küche anbieten.

Dilek Buga und Rui Rodriguez sind die neuen Betriebsleiter vom Meilenstein und wollen dort eine portugiesische Küche anbieten.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Auf der Ausgehmeile Ratinger Straße in der Düsseldorfer Altstadt ist es ruhiger geworden, insgesamt erhält die Straße weniger Zulauf. Von einer Krisenstimmung wollen die Gastronomen jedoch nichts wissen. Sie bezeichnen das Viertel weiterhin als das „Wohnzimmer“ der Stadt und sind zufrieden mit ihrem Publikum. Unbestritten ist allerdings, dass sich vor Ort ein Wandel abzeichnet. Mit der Trattoria Pulcinella, dem Schlösser Quartier Bohème und dem ehemaligen Club Mauer sind aktuell mehrere Lokale geschlossen – Neueröffnungen sind geplant.

Während früher vor allem mittwochabends auf „de Retematäng“, wie die Straße im Volksmund genannt wird, große Studentenpartys gefeiert wurden und auch draußen viel Betrieb war, ist das Bild heute ein anderes. Bei einem Besuch abends auf der Ratinger Straße sind vergleichsweise wenige Menschen zu sehen, das bestätigen auch weitere Beobachtungen unserer Redaktion.

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Foto: Anne Orthen (orth)

Auch Gastronomie-Experte Markus Eirund sagt: „Die Ratinger Straße hat ihre Magnetwirkung verloren.“ Das bemerke er in seinem Beruf als Immobilienmakler. Früher habe es keine 24 Stunden gedauert, bis eine inserierte Anzeige erfolgreich gelöscht werden konnte. „Für die Fläche interessiert sich heute fast keiner mehr“, sagt er. Die Lage sei „out“.

Für Eirund hängt das mit dem Umzug des Land- und Amtsgerichts zusammen. Im heutigen Andreas-Quartier in der Altstadt befand sich bis Ende 2009 das Gerichtsgebäude. „Die Leute gingen zum Mittagessen und nach Dienstschluss auf die Ratinger Straße“, sagt Eirund. Mittlerweile gebe es für viele Altstadt-Besucher aber keinen Laufweg mehr über die Ausgehmeile. Um neue Besucher anzuziehen, brauche es aus seiner Sicht gute Konzepte – wie beispielsweise in der beliebten Eckkneipe Retematäng.

Für Daniel Vollmer, Chef des Retematäng, ist „aus sehr subjektiver Sicht“ die Ratinger Straße die schönste Straße der Stadt. „Die Bar Cubanitos funktioniert super, der Hof scheint zu funktionieren“, sagt er. Und es gebe gleich mehrere alteingesessene Läden mit vielen Fans: Dazu gehören zum Beispiel die Brauerei Füchschen oder das Ohme Jupp.

Über die Zeiten der Studentenpartys am Mittwochabend sagt Vollmer, dass sich das schon vor längerer Zeit zu ändern begonnen habe. Ein möglicher Grund sei aus seiner Sicht, dass die Stadtteile aufgerüstet hätten. „Auch dort gibt es gute Bars.“ So blieben manche Studierende inzwischen werktags eher in den Vierteln. Die aktuellen Schließungen an der Ratinger Straße beunruhigen Vollmer aber nicht. „Veränderungen gibt es immer“, sagt er.

So hängt seit Wochen im Schaufenster des Restaurants Pulcinella ein Zettel, auf dem es heißt: „Coming soon – wir renovieren gerade“. „Unsere Renovierung ist im Zeitplan und in Ordnung, im Moment ist es etwa zur Hälfte fertig“, teilt der Betreiber schriftlich mit. Das Pulcinella werde „immer besser werden“.

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Foto: Endermann, Andreas (end)/Endermann

Irritationen gab es in diesem Jahr auch um den ehemaligen Club Mauer. In die Kultstätte an der Ecke zur Ratinger Straße zog der Club Czerny ein – musste allerdings nach nur drei Monaten wieder schließen. Am 1. November sollte dort eigentlich der neue Techno-Club The Gate eröffnen. Dieser Zeitplan ging zwar nicht auf, nun soll es aber am 15. Dezember soweit sein, wie Mehdi Haidar erklärt.

Unter anderem musste in den Räumen der Boden komplett erneuert werden, eine extra angefertigte Soundanlage wird noch eingebaut. Zukünftig soll es im Club ein besonderes Lichtkonzept mit Holografie-Shows geben. Dabei werden Projektionen erzeugt, die sich frei im Raum befinden.

Ein trostloses Gebäude ist momentan das Schlösser Quartier. Für die Schlösser Quartier Boheme GmbH war im August ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Noch stehen die Räume leer, derzeit mehren sich die Gerüchte um einen neuen Betreiber. Nachfragen bei der Radeberger Gruppe, die Mieter ist, blieben bis Redaktionsschluss zunächst unbeantwortet.

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Foto: Julia Brabeck

Neue Betriebsleiter hat Inhaber Farshad Anvari für das Meilenstein gefunden. Dilek Buga und Rui Rodriguez bieten dort ab sofort iberische und portugiesische Küche an. Die aktuelle Stimmung auf der Ratinger Straße beschreibt Anvari als „entspannt, aber belebt.“

Zwar habe sich nach der Corona-Pandemie das Ausgehverhalten vieler Menschen verändert, sagt Rodriguez. Im Traditionslokal Zum Goldenen Einhorn sei es aber beispielsweise weiter voll, so Anvari, der die Kultkneipe betreibt. Er habe überlegt, mit der Stadt zu sprechen, ob die Straße in der nächsten Weihnachtszeit nicht auch geschmückt und beleuchtet werden könne.

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Ratinger Strasse
Foto: Andreas Bretz

241123 Ratinger Strasse Foto: Andreas Bretz

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Für den Zusammenhalt auf der Ratinger Straße setzt sich Stanislava Balueva ein. Die Betreiberin des Hofs ist vor Kurzem stellvertretende Sprecherin der Altstadtwirte geworden. „Wir haben tolle und kreative Lokalitäten an der Ratinger Straße“, sagt sie. „Es liegt an uns, diese zu präsentieren und noch sichtbarer zu machen.“ Sie habe beispielsweise schon über ein Sommerfest nachgedacht. Ab März soll es im Hof zudem wöchentlich Studentenpartys geben.

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