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Düsseldorf: Warteliste bei Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale

Verbrauchersorgen in Düsseldorf : Warteliste bei der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale in Düsseldorf hat Bilanz gezogen – zu ihrem 60-jähriges Bestehen in der Stadt und für die Zeit der Pandemie.

Welche Nöte die Pandemie neben gesundheitlichen Folgen ausgelöst hat, hat die Verbraucherzentrale sehr direkt miterlebt. Vor allem bei der Schuldner- und der Rechtsberatung sind die Mitarbeiter wiederholt mit weinenden und völlig verzweifelten Menschen am Telefon konfrontiert gewesen, wie Beraterin Bettina Seidel am Mittwoch bei einer Pressekonferenz ausführte, bei der es auch um das 60-Jährige Bestehen der Organisation ging.

Doch die Aktualität der Ereignisse überstrahlte die Historie. Seidel führte aus, dass man zum ersten Mal eine Warteliste eingeführt habe, um die Terminvergabe zu optimieren. „Zurzeit übersteigt die Nachfrage unser Angebot.“ Allerdings würde immer eine Erstberatung durchgeführt, um die Existenz eines Klienten zunächst einmal abzusichern. Die Warteliste diene auch dazu, Termine nicht viele Wochen im Voraus vereinbaren zu müssen, weil sie dann oft bei den Verbrauchern untergehen würden. So würden sie dann erst kurz vor dem Datum informiert.

Verschärft habe sich die Situation für viele Menschen, weil ihnen plötzlich zum Beispiel der Nebenjob in der Gastronomie oder im Verkauf weggebrochen sei. Die Verbraucherzentrale helfe dann mit ihrem niederschwelligen und für Bedürftige immer kostenlosen Angebot dabei, die knappen Freibeträge auf gepfändeten Konten zur Existenzsicherung zu erhöhen oder an Coronahilfen zu gelangen. Beim Antrag auf Insolvenz stehe man zudem zur Seite. „Oftmals melden sich die Menschen leider zu spät bei uns,“ sagt der neue Chef des 14-köpigen Teams sowie zwölf Honorarkräfte in Düsseldorf, Sebastian Dreyer. Manche Folgen der Pandemie würden der Verbraucherzentrale wohl erst noch zeitversetzt vor die Füße fallen. 2020 allein gab es 604 telefonische Sofortberatungen und 594 Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungen. Bis zu einem Fünftel der Fälle war dabei von Corona bedingt.

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Ausgeprägter war das sogar noch bei der Rechtsberatung. „Das war im vergangenen Jahr eine andere Dimension“, sagt Beraterin Nina Joost. Vor allem aufgrund von gebuchten und zum Teil wieder abgesagten Pauschalreisen habe es viele Anfragen gegeben. Auch bei der Rückforderung von bereits geleisteten Zahlungen haben man oft Unterstützung leisten müssen. Ähnliches gilt für abgesagte Veranstaltungen, für die bereits Tickets gekauft worden waren, oder die Verträge mit Fitnessstudios. Auch Vertragsfallen beim Online-Shopping hätten viele Nachfragen mit sich gebracht. Die Digitalisierung insbesondere in Bezug auf Handel und Zahlungsweisen hält Chef Dreyer für eines der Zukunftsthemen für die Verbraucherzentrale. Verbraucher seien in Streitfragen immer häufiger mit Inkassodienstleistern konfrontiert, es werde für Laien immer komplizierter, die Rechtslage zu durchschauen und entsprechend zu handeln.

Die Gesamtbilanz für 2020 weist 11.000 Verbraucheranliegen und 4000 Rechtsberatungen auf. Im Rückblick auf die Entwicklung des Vereins in Düsseldorf seit dem Start 1961 mit nur einer Beraterin an der Elisabethstraße 32 stehen sogar 2,3 Millionen Anfragen von Ratsuchenden zu Buche. Zu Beginn lag der Schwerpunkt übrigens mit einem „Maschinenpool“ darauf, zum Beispiel Waschmaschinen technisch vorzuführen. Erst 1973 kamen eine zweite Beraterin und ein größeres Serviceangebot hinzu. Später folgten Befugnisse zu außergerichtlicher Rechtsvertretung, Insolvenzberatung sowie Muster- und Sammelklagen.