Düsseldorf. Von Oldtimern und virtuellen Rennwagen

Vereine in Düsseldorf : Vom rüstigen Oldtimer bis zum virtuellen Rennwagen

Der Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 bringt seit 114 Jahren Rennsportbegeisterte aus der Landeshauptstadt zusammen.

Angespannt sitzt Giorgos Theodoridis hinter dem Sportlenkrad und hat seinen Blick fest auf die Strecke gerichtet. Der leistungsstarke Motor dröhnt in seinen Ohren und der junge Mann kämpft immer wieder damit den Wagen unter Kontrolle zu halten. Doch jetzt vom Gas zu gehen ist keine Option, denn seine Verfolger kommen im Rückspiegel immer näher und näher. Seine Teamkollegen vom Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 (kurz: DAMC 05) beobachten gespannt jede halsbrecherische Kurvenfahrt, während im Hintergrund auf einem großen Bildschirm das Renngeschehen aus unterschiedlichen Kameraperspektiven gezeigt wird.

Fast alles an diesem Ort erinnert an eine klassische Motorsportveranstaltung, aber eben nur fast. Es liegt kein Benzingeruch in der Luft, nirgendwo wartet ein Mechaniker-Team auf den nächsten Boxenstopp und auch ein echtes Auto ist nicht zu sehen. Stattdessen sitzt Theodoridis in einem großen Rennsimulator, der aus einem schwarzen Schalensitz, Pedalen, einem Lenkrad und drei großen Monitoren besteht. Das Herz der Maschine ist ein Computer, dank dem man über digital nachgebaute und originalgetreue Rennstrecken rasen kann, ohne wirklich vor Ort zu sein.

Der ADAC Rookies Cup an dem Theodoridis teilnimmt, markiert einen ganz besonderen Moment in der 114 jährigen Geschichte des DAMC 05. Erstmals gehen einige der Vereinsmitglieder bei rein virtuellen Rennen, die man SimRacing nennt, an den Start. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren und haben uns deswegen entschlossen ein Team für die diesjährige Rennsaison des Rookies Cups zusammenzustellen“, erzählt Jan Soumagne vom DAMC 05. „Die Möglichkeit so realitätsnah und gut organisiert, virtuelle Rennen zu fahren, gibt es erst seit zwei oder drei Jahren.“

Abseits seiner ersten digitalen Gehversuche ist der Verein seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Bereichen des aktuellen und traditionellen Motorsports aktiv. Seine 60 Mitglieder fahren selbst Rennen in verschiedenen Klassen, helfen als Freiwillige bei der Streckensicherung und organisieren bundesweit bekannte Veranstaltungen wie die Nürburgring Classic. Bei dem monatlich stattfindenden Vereinstreffen ist jeder willkommen, der sich für den Motorsport begeistert. Unter den Anwesenden befinden sich so nicht nur Auto- und Motorradfahrer, sondern auch der Besitzer eines Rennbootes.

Die Beschäftigung mit den digitalen Fahrzeugen und Rennen, sahen einige Mitglieder des DAMC 05 zu Anfang eher kritisch. „Natürlich gab es ein paar Vorbehalte gegen das SimRacing. Da inzwischen auch Rennsportprofis die Technik nutzen, um abseits der Strecken zu trainieren, findet das Ganze aber mehr und mehr Akzeptanz“, berichtet Michael Polachowski, der zweite Vorsitzende des DAMC 05. Er steht hinter dem Rennsimulator und beobachtet, wie sich Katharina Lippka mit einigen Übungsrunden auf das nächste Rennen vorbereitet. Sie hat zwar etwas mit dem Fahrverhalten des Autos zu kämpfen, freut sich aber bereits auf den Wettbewerb.

Normalerweise jagt sie mehrmals im Jahr hinter dem Steuer eines renntauglichen BMWs über verschiedene Pisten. Inzwischen hat die 31-Jährige auch den digitalen Motorsport für sich entdeckt. Trotz fehlender Fliehkräfte und simulierter Geschwindigkeiten kommt das Erlebnis für sie dem realen Rennsport sehr nah: „Das Feedback des Simulators ist ziemlich realistisch und reicht zu 80 Prozent an das Gefühl heran in einem echten Rennwagen zu sitzen“, erzählt Lippka begeistert, während sie noch einmal auf dem Bildschirm den Reifendruck ihres Fahrzeugs kontrolliert.

Auch wenn die finale Gesamtplatzierung von ihr und den anderen drei DAMC 05 Teamkollegen noch nicht feststeht, wollen sie im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder beim ADAC Rookies Cup antreten. „Wir werden sehr wahrscheinlich auf dem siebten Platz in der Gesamtwertung landen, was für den Anfang schon echt super ist“, erzählt Soumagne, während er sich selbst Rennhandschuhe überzieht. Dann wechselt er so schnell es geht beim Boxenstopp den Platz mit seinem Teamkollegen und tritt selbst in die Pedale. Auch bei digitalen Rennen zählt schließlich jede Millisekunde.