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Düsseldorf-Volmerswerth: Wie Kinder ihre Umgebung erkunden

Heimatkundlicher Wanderweg in Düsseldorf : Wie Kinder ihre Umgebung erkunden

Der Bürger- und Heimatverein Volmerswerth hat einen Heimatkundlichen Wanderweg erstellt – damit Kinder wissen, wo sie leben. Die Schlussetappe führt zum Denkmal von Benedikt Schmittmann, der von den Nazis ermordet wurde.

Volmerswerth ist ein Stadtteil, der oftmals ein bisschen untergeht in der pulsierenden Großstadt Düsseldorf. Das findet nicht nur Bernd Pohl vom Bürger- und Heimatverein Volmerswerth schade, denn das „Dorf“ hat durchaus viel zu bieten, ebenso wie der Nachbar Flehe. Beide Stadtteile sind ohnehin kaum voneinander zu trennen. Gerade geschichtlich gibt vor allem Volmerswerth viel her, und das liegt nicht zuletzt an Benedikt Schmittmann. Der Adenauer-Freund wurde 1939 von den Nazis ermordet, an der Fleher Straße in Volmerswerth hat der Professor für Sozialwissenschaft gewohnt. Und vor dieser Villa liegt nicht nur ein Stolperstein, keine 100 Meter weiter am Rhein hat der Heimatverein sogar einen ganzen Platz inklusive Denkmal initiiert. Und eine Dokumentation zu Schmittmann wurde erstellt.

Da das aber nun mal längst nicht alles ist, was Volmerswerth zu bieten hat, dachten sich Pohl und seine Mitstreiter vom Heimatverein, gerade Kindern, die wenig Kenntnis über ihr unmittelbares Umfeld haben, sollte man durch eine kindgerechte und spannende Aufbereitung doch einen Zugang zu wissenswerten Details verschaffen. So entstand der Heimatkundliche Kinderwanderweg. „Das geschichtliche Wissen wird doch immer mehr durch abrufbares, flüchtiges Informieren bei Google abgelöst“, sagt Lehrer Bernd Pohl. Ziel des Wanderweges sei es, dass Kinder sich bewusst darüber werden, dass sie sich in einer beschützten Umgebung frei und sicher bewegen können. Dass sie gleichzeitig Kenntnisse über die Zeugen der Vergangenheit erwerben und auch erfahren, dass dem eben nicht immer so war. Der Wanderweg soll den Kindern ihre nähere Umgebung nahebringen, in dem an zehn Stationen Besonderheiten der Stadtteile in Form von Rätseln, geografischen Orientierungen und Entdeckungen aufgezeigt werden. In einer Art Logbuch können die Kinder ihre Ergebnisse eintragen. Namen und geschichtliche Zusammenhänge können mithilfe von iPads recherchiert werden. Zahlreiche Schulklassen haben den Wanderweg inzwischen absolviert.

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Los geht es an der Katholischen Grundschule in Flehe, wo die Kinder schon die ersten Fragen in ihrem Arbeitsheft beantworten müssen. Wie alt ist eure Schule: zehn, 50 oder 100 Jahre? Wie viele Nationalitäten sind in der Schule vertreten: Fünf oder 20? Solche Fakten zu wissen, kann sicher nicht schaden. Die erste richtige Station ist der Kleingärtnerverein Heinrich Förster (Warum heißen die eigentlich Schrebergärten?), vorbei am Freizeitpark an der Ulenbergstraße, am Tusa-Sportplatz und den Fleher Feldern und Treibhäusern führt der Weg zu Kirche und Friedhof. Das 300 Jahre alte Wegekreuz darf auf der Route nicht fehlen. Ebenso wie die Fleher Brücke: Die wurde 1979 fertiggestellt, ist 1166 Meter lang und wird täglich von 80.000 Fahrzeugen befahren. Gewusst? Die Kinder der Grundschule in Flehe wissen es jetzt jedenfalls.

Die Schlussetappe gehört dann ganz Benedikt Schmittmann. „Im christlichen Widerstand – verhaftet 1.9.1939 – ermordet 14.9.1939 in Sachsenhausen“ steht auf dem Stolperstein, den Lehrer Pohl jedes Jahr sauber wienert. Die Kinder werden aufgefordert, mehr über Schmittmann herauszufinden. Was für ein herzlicher Mensch er war, erfahren sie unter anderem in einem Artikel der Rheinischen Post. Über den Deich („Volmerswerth war früher mal eine Insel – Insula Volmari“) und vorbei am Denkmal Schmittmanns endet die Tour am Geschichtsstein für Volmerswerth, auf dem die wichtigsten Daten des Dorfes eingraviert sind. „Der Heimatkundliche Wanderweg ist Lernen im öffentlichen Raum. Er versucht dies auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. Und ich glaube, das gelingt auch“, sagt Pohl.