"Mercure" im Düsseldorfer Süden Vier-Sterne-Hotel soll komplett zum Flüchtlingsheim werden

Exklusiv | Düsseldorf · Die Stadt hat in dem Hotel Zimmer für die Unterbringung einiger Geflüchteter aus der Ukraine angemietet. Nun will das Land das „Mercure“ in Hassels pachten und als Notunterkunft nutzen – die Politik vor Ort wusste davon nichts.

 Das Mercure-Hotel „Düsseldorf Süd“ liegt in Hassels an der Straße Am Schönenkamp. Die Stadt hat hier bereits Zimmer für Geflüchtete angemietet, das Land will das Hotel nun als Notunterkunft nutzen.

Das Mercure-Hotel „Düsseldorf Süd“ liegt in Hassels an der Straße Am Schönenkamp. Die Stadt hat hier bereits Zimmer für Geflüchtete angemietet, das Land will das Hotel nun als Notunterkunft nutzen.

Foto: RP/Oliver Auster

Noch kann man im Mercure-Hotel Düsseldorf Süd ein Zimmer buchen: Das Vier-Sterne-Haus wirbt mit „modernem Design“ und „warmer Atmosphäre“. Ab April soll das Hotel in Hassels zu einer landeseigenen Notunterkunft für Flüchtlinge werden. Der Vertrag ist noch nicht in trockenen Tüchern, die Pläne sind nach Informationen unserer Redaktion aber weit fortgeschritten. Die Düsseldorfer Bezirksregierung sucht bereits nach Sicherheitspersonal für den Standort. Vor Ort weiß die Politik noch von nichts.

In den Ausschreibungsunterlagen heißt es, dass das Hotel Am Schönenkamp umzäunt werden und ein Pförtnerhäuschen bekommen soll. Innendrin wird man etwas umbauen müssen – unter anderem für Sozialräume. Hinter dem Haus könnte ein Spielplatz entstehen. Zurzeit hat das Hotel 121 Zimmer. Bei ähnlichen Projekten hatte das Land mit Etagenbetten geplant, so dass einige hundert Menschen in dem Noch-Hotel unterkommen könnten. Der Vertrag soll erst mal ein Jahr laufen.

Die Bezirksregierung wollte auf Anfrage keine Stellung zu den Plänen nehmen. Eine Sprecherin antwortete nur allgemein, dass man mit dem Land „in zahlreichen Kommunen“ nach „geeigneten Liegenschaften“ für Flüchtlinge suche – die schnell in Betrieb genommen werden könnten. „Geprüft werden unter diesem Aspekt Grundstücke ebenso wie Immobilien, unter anderen auch Bürogebäude oder Hotels. Inwieweit sich Projekte realisieren lassen, ist auch von dem Zustand des Gebäudes und seiner Struktur abhängig“, so die Sprecherin.

Der äußere Zustand des Gebäudes ist – für ein Vier-Sterne-Hotel – gewöhnungsbedürftig: Das Haus wirkt in die Jahre gekommen, auf dem Parkplatz steht ein großer Schuttcontainer. Laut Internetseite wurde zuletzt die Klimaanlage erneuert, weshalb sie im Sommer außer Betrieb war. Entsprechend durchwachsen sind die Kritiken von Gästen auf der Webseite des Mercure-Hotels. Mehrere Gäste befinden, dass es renovierungsbedürftig sei. Die Lage des Hotels ist allerdings gut: Es liegt direkt neben der markanten griechisch-orthodoxen Kirche hinter der A46. Eine Bushaltestelle ist wenige Meter entfernt.

Im Winter könnte eine neue Welle von Flüchtenden kommen, das Land will vorbereitet sein. Den Kommunen hat die Regierung versprochen, kurzfristig tausende Plätze zu schaffen – um die Städte und Gemeinden zu entlasten. Allein die Bezirksregierung Düsseldorf führt daher Verhandlungen über insgesamt vier komplette Hotels.

Neben dem Mercure in Hassels könnte auch das „Airport-Hotel“ der gleichen Kette direkt hinter der Stadtgrenze zu Ratingen eine Notunterkunft werden. Außerdem geht es um Hotels anderer großer Betreiber in Remscheid und Wuppertal. Kostenpflichtiger Inhalt Parallel zum Standort Hassels plant das Land weiter an der Schwannstraße – in Golzheim, fast am anderen Ende der Stadt – die ehemalige Zentrale von Salzgitter Mannesmann zu einer Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) umzubauen. In Golzheim plant man mit einer viel längeren Laufzeit von achteinhalb Jahren. Die Notunterkunft im Mercure könnte im besten Fall 2025 wieder überflüssig sein.

Die Stadt hat im Rahmen der kommunalen Unterbringung bereits seit Längerem 33 Zimmer für ukrainische Flüchtlinge in dem Vier-Sterne-Hotel in Hassels gebucht. Düsseldorf hat Menschen auf der Flucht in diversen Hotels untergebracht, wo sie neben „normalen“ Gästen leben. Ein Hotel, das nur als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, gibt es bislang nicht.

Das Land geht diesen Weg inzwischen öfter. Jüngst kam durch Zufall heraus, dass ein Ibis-Hotel in Dortmund umgewidmet werden soll. Der Oberbürgermeister von Dortmund wusste vorher nach eigenen Worten von nichts. In Gladbeck sollte ein Van der Valk Hotel zu einer Unterkunft werden. Die Kommunalpolitik lief Sturm – am Ende wurde das Projekt gestoppt.

Ob das Düsseldorfer Rathaus in die Pläne des Landes eingeweiht wurde, ist unklar. Auf eine entsprechende Anfrage antwortete die Verwaltung ausweichend. Die Bezirkspolitiker wurden nach RP-Informationen bislang nicht informiert. „Das ist das erste, was ich höre“, sagte unter anderem Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (CDU).

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