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Düsseldorf: Veedel sollen Züge nicht nachholen

Karneval in Düsseldorf : Veedel sollen Züge nicht nachholen

Der Bund Deutscher Karneval droht mit Ausschluss. Einige Stadtteile wollen das aber nicht akzeptieren und trotzdem ziehen.

Der Bund Deutscher Karneval (BDK) hat alle Vereine aufgefordert, die ausgefallenen Züge nicht nachzuholen. „Wenn man als Verband da­rauf pocht, dass Fasching, Fastnacht, Karneval als Kulturgut anzuerkennen ist, wenn man zudem erklärt, dass dieses Kulturgut zeitlich als christliches Schwellenfest seit Jahrhunderten vor dem Aschermittwoch verortet ist, dann verlangt es der gesunde Menschenverstand, dass ein Abfeiern dieses Festes zu keiner anderen Jahreszeit sinnvoll ist“, heißt es in einem Schreiben des BDK.

Am Karnevalssonntag wurden sechs Veedelszüge abgesagt – in Gerresheim, Unterbach, Eller, Reisholz, Mörsenbroich und Niederkassel. Das hatte die Koordinierungsgruppe aus Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Comitee Düsseldorfer Carneval am Sonntagmorgen entschieden, weil Windstärken zwischen 8 und 9 prognostiziert wurden und „uns aufgrund der starren Vorgaben durch das Sicherheitskonzept leider gar keine andere Wahl bleibt“, sagte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann, der das Statement des BDK kennt aber noch nicht so richtig weiß, ob er es gut oder schlecht findet. „Die Situation ist nicht einfach“, so Tüllmann, „auf der anderen Seite haben wir den Rosenmontagszug 2016 auch nachgeholt.“ Wenn die Mitglieder des CC aus ihrem Urlaub wieder zurückgekehrt sind, will man sich am 9. oder 10. März zusammensetzen und über die Stellungnahme des BDK diskutieren. „Am Ende liegt die Entscheidung aber bei den Vereinen, wir können allenfalls eine Empfehlung aussprechen“, sagt Hans-Jürgen Tüllmann. Die Konsequenzen müssten die Vereine dann aber auch selbst tragen. Denn der BDK sagt, dass „das Zuwiderhandeln nur als wissentlich betriebener Selbstausschluss aus dem BDK verstanden werden“ kann.

Für diese harte Aussage und das ganze Schreiben überhaupt hat Frank Müller, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Veedels-Zoch Eller, wenig Verständnis. In Eller will man den Zug nachholen. „Wenn der große Rosenmontagszug das durfte, dann sollten wir kleinen Vereine erst recht dürfen“, findet Müller. Für ihn war schon am Karnevalssonntag klar, dass ein Nachholtermin nicht in die Fastenzeit fällt, in Eller soll ein Datum im Juni gewählt werden. „Das legen wir am 3. März bei unserer Vorstandssitzung fest“, sagt Müller. Immerhin wäre der Veedelszug der 40. gewesen, „das wollen wir gerne feiern“.

Ähnlich entschlossen ist man bei der Tonnengarde in Niederkassel. Sprecher Hans-Peter Suchand hat auch schon einen festen Termin: Es wird der 19. April. „Eine klare Haltung habe der Bund Deutscher Karneval, „die aber nicht mit den Ansichten unseres Vereins zusammenpasst“, sagt Suchand. Wie sich die Niederkasseler nun der Dachorganisation gegenüber verhalten will, „müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden. Vielleicht bekommt der Zug auch einen anderen Namen, da sind wir noch in der Abstimmung.“ Für die Tonnengarde sei es deshalb so wichtig, das Tonnenrennen und den Zug nachzuholen, weil die Events Tradition im Stadtteil hätten, „wir haben in Niederkassel schon am Sonntag festgelegt, dass wir nachfeiern“, sagt Suchand.

Für die Saubande in Gerresheim ist klar: „Wir fühlen uns an diese Weisung nicht gebunden. Wir sind Mitglied im CC, aber nicht im Bund Deutscher Karneval“, sagt der Vorsitzende Stefan Pitzer und schiebt hinterher: „Man sieht, Karneval ist nicht immer nur Spaß.“ In Gerresheim gebe es jedoch so viel Ehrenamtliche, die sich um die Organisation des Zuges kümmern, Kindergruppen und Sportvereine, die mitmachen, „die alle wären unendlich traurig, wenn wir jetzt die Neuansetzung wieder abblasen würden. Außerdem ist der Rückhalt im Stadtteil enorm. Wir befürchten keine Konsequenzen für uns“, sagt Pitzer. Der Nachholtermin für den Veedelszug steht auch schon fest. „Eine Genehmigung fehlt noch, aber das sollte nur eine Formalität sein“, schreibt Anke Schmich auf der Facebookseite der Saubande. Am Sonntag, 26. April, soll der Veedelszug einen zweiten Anlauf nehmen. Sie dankt darüber hinaus den schon jetzt vielen Menschen, die gespendet haben, damit es zu einer Neuauflage kommt. Eine spontane Hutsammlung ließ die Organisatoren bereits vergangene Woche staunen. „Auch noch am Rosenmontag rollte eine wohltuende Welle der Solidarität über uns hinweg“, berichtet Silke Pitzer – sei es im Hinblick auf das eigens eingerichtete Spendenkonto oder bezogen auf die Angebote zur unmittelbaren Unterstützung des Zuges: Die Werstener Music Company und die Fahnenschwenker der Düsseldorfer Stadtgarde zum Beispiel hätten spontan ihre kostenlose Teilnahme angeboten, wenn der Zoch wiederholt wird.

Es gibt aber auch Karnevalsvereine, die ein bisschen zurückhaltender auf das Statement des BDK reagieren: Bei den Reisholzer Quatschköpp verspürt man gerade keine Eile, eine Entscheidung, ob und wann der Veedelszug womöglich nachgeholt wird, zu fällen. Erst am 10. März setzt sich der Elferrat zusammen, sagt Quatschköpp-Sprecher Dirk Angerhausen. Dort wolle man dann ergebnisoffen, allerdings auch unter dem Eindruck der Ausschluss-Drohung des BDK diskutieren. Weil Melanie Meurer, der Quatschkopp der gerade zu Ende gegangenen Session, am Morgen der Absage bittere Tränen vergossen hat, hatte ihr der Verein spontan eine zweite Amtszeit angeboten. Dann könnte ihr Mottowagen in der nächsten Session am Karnevalssonntag durch Hassels und Reisholz rollen. Aber auch ein Nachholtermin im Frühjahr ist noch nicht vom Tisch.

Auch in Unterbach ist noch nicht klar, ob der Zug nachgeholt wird. Am Donnerstag, 5. März, will sich der Vorstand zusammensetzen und diskutieren. Das Schreiben deckt sich aber mit Stefan Schrewes persönlicher Meinung, die er trotz der großen Enttäuschung auch schon am Sonntag hatte: „Karneval ist ein Gefühl, das man nicht aufs ganze Jahr verteilen kann. Wir feiern Silvester ja auch nicht an Ostern.“ Sollten seine Vereinskollegen das anders sehen, will Schrewe sich nicht verschließen, „ich bin Karnevalist und Demokrat“.

Von einer Neuauflage des Veedelszugs durch Mörsenbroich distanzierte sich Siegfried Meuter vom Bürgerverein Mörsenbroich schon kurz nach der Absage am vergangenen Sonntag. Weil ein solcher Nachholtermin frühestens nach Ostern möglich wäre, „und das ist zeitlich so weit weg von Karneval“, findet Meuter, der viel Zuspruch für seine improvisierte Feier am Sonntag bekommen hat. „Dass rund 1000 Menschen zum Jungen Schauspielhaus gekommen sind, wo der Zug ja eigentlich starten sollte, hat mich sehr überrascht“, sagt Meuter. Er hatte kurzerhand die After-Zoch-Party in das Foyer verlegt, wo dann ausgelassen gefeiert wurde. Allerdings passten dort nur 300 Menschen rein. „Das hat wehgetan, die anderen ziehen lassen zu müssen.“ Denn dadurch blieb der Verein auf 250 Würstchen und 50 Liter Suppe sitzen. „Da wir ja auch nicht viele Getränke verkaufen konnten, haben wir nun eine dicke finanzielle Lücke. Wir rechnen mit einem Minus von bis 7000 Euro.“ Der Bürgerverein überlegt, im Frühjahr ein Bürgerfest zu organisieren, bei dem vielleicht auch einige Wagen eine kleine Runde drehen. „Das Wurfmaterial ist noch lange haltbar und wurde von uns eingelagert“, sagt Meuter. Und alle, die verkleidet kommen wollen, sollen das tun. Immerhin hätten Kitas und Schulen im Stadtteil wochenlang fleißig gebastelt.

Ihre Meinung Würden Sie gerne in Ihrem Veedel Karneval nachfeiern? Oder können Sie die Haltung des Bunds Deutscher Karneval nachvollziehen? Schreiben Sie uns mit dem Betreff „Karneval“ an duesseldorf@rheinische-post.de.