Düsseldorf: US-Konsul Michael Keller lädt zum Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitstag : Freundschaftsfeier mitten im Handelskrieg

Im Landtag wurde offiziell der US-Feiertag zelebriert. Überschattet wurde das Fest von den Strafzöllen, die auch Düsseldorf treffen.

Eigentlich galten die USA aus deutscher Sicht stets als der große starke Bruder. Und wirtschaftlich als Vorbild und einer der wichtigsten Handelspartner. Entsprechend ist die Annahme einer Einladung des US-Generalkonsuls zur alljährlichen Feier des Unabhängigkeitstages selbstverständlich. Eine große Ehre. Das ist es auch heute noch. Gestern luden Landtagspräsident André Kuper und der Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika zum 242. Unabhängigkeitstag. Diesmal fand die Feier mit hunderten Gästen im Restaurant des Landtags am Rhein statt. Wie in jedem Jahr wurden feierlich die Hymnen beider verbündeter Nationen gesungen.

Und doch war es diesmal anders. Seit wenigen Wochen erheben die USA Schutzzölle auf deutsche Waren. Das trifft die Düsseldorfer Wirtschaft, denn die Handelszölle werden vor allem auf Stahlerzeugnisse erhoben. Und Düsseldorf gilt in Sachen Stahlhandel als Branchenhauptstadt. „Entstanden ist dies aus der früheren Rolle Düsseldorfs als sogenannter Schreibtisch des Ruhrgebiets“, sagt Gerhard Eschenbaum, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Außenwirtschaft bei der IHK Düsseldorf. In Düsseldorf sind das Produzenten wie Benteler, Saarstahl, Salzgitter-Mannesmann, Schmolz & Bickenbach, Vallourec und Tata Steel Hille & Müller. Aber auch reine Stahl-Handelsunternehmen wie Hoberg & Driesch, Primex, Stahlkontor Haan (im Besitz von ThyssenKrupp), Stappert (Frankreich) sowie Dutzender kleinerer Stahlhandelsunternehmen. Zwar machen die Stahlexporte nur drei Prozent insgesamt aus deutscher Sicht aus. Düsseldorf aber hat eben genau da einen Schwerpunkt.

Die Wirtschaft sorgt sich auch in anderen Bereichen. „Wir spüren von den Zöllen direkt nichts, aber wir merken, dass die Unternehmen in den Branchen vorsichtiger werden“, sagt Marcel Abel, Chef des Immobilienmaklers JLL, dessen Mutterkonzern in den USA sitzt.

Um gute Stimmung bemüht ist man bei der deutsch-amerikanischen Handelskammer AmCham in Düsseldorf. „Wenn es auf großer Ebene nicht gut läuft, müssen wir auf unserer Ebene mehr Gas geben und die Freundschaft stärken“, sagt AmCham-Düsseldorf-Chef Alexander Schröder-Frerkes. Er beobachtet, das etwa auf Oberbürgermeister-Ebene viele amerikanische Politiker nun aufgewacht seien, und die Nähe suchten. Auch macht er sich Hoffnungen, dass eine kürzlich vorgeschlagene beiderseitige Senkung der Zölle auf Autos das Klima entschärfe.

Wesentlich einfacher machte es sich Gastgeber und Landtagspräsident André Kuper (CDU). Der Umgang mit der aktuellen US-Regierung sei zwar zurzeit schwierig, aber: „Vergessen wir heute einfach, was uns trennt und feiern unsere Freundschaft“, so Kuper.

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) war sogar bemüht, die Zwistigkeiten kleinzureden, und sprach lediglich von „wenigen Punkten, bei denen wir uns nicht begegnen“. Und der scheidende US-Generalkonsul Michael Keller erwähnte den zur Zeit stattfindenden Handelskrieg mit gar keiner Silbe. Er verlässt nun Düsseldorf und wurde mit einem Ständchen verabschiedet, dessen Inhalt nicht passender sein könnte. Der Beatles-Song: You can work it out – zu deutsch „Wir können eine Lösung finden“.

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