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Düsseldorf: Unternehmen sehen schwarz für die kommenden Monate

Trübe Aussichten für Unternehmen : Düsseldorfs Wirtschaft sieht schwarz

Trotz einer noch stabilen Lage sind die Erwartungen der Unternehmen in der Landeshauptstadt extrem schlecht. Niemals zuvor sind zum Beispiel steigende Energiepreise und Lieferengpässe als so großes Risiko betrachtet worden. Welche Folgen das haben dürfte.

Die Wirtschaft blickt äußerst kritischen Zeiten entgegen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer hervor, an der sich knapp 900 Unternehmen in Düsseldorf und Umgebung beteiligt haben. Nur noch zwölf Prozent von ihnen rechnen für die kommenden Monate mit besseren Geschäften, 35 Prozent mit schlechteren. Der aus diesen Werten ermittelte Erwartungssaldo rutscht in einen tiefen Minusbereich. „Nur in den schweren Rezessionen der vergangenen 30 Jahre war dieser Wert ähnlich niedrig oder sogar noch kritischer“, kommentiert die Kammer ihren Bericht zur Konjunktur.

Was die Situation noch ungewöhnlicher macht: Die aktuelle Lage wird von den meisten Unternehmen – zumindest noch – als zufriedenstellend beschrieben (etwa aufgrund voller Auftragsbücher in der Industrie), während die Erwartungen im Vergleich zum Beginn des Jahres extrem eingebrochen sind. „So ein Bild zeigte sich selbst nicht zu Beginn der Finanzkrise 2009“, sagt IHK-Experte Gregor Werkle. Bislang hätten sich Krisen die Kurven zu Lage und Erwartung relativ parallel bewegt.

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Die Hoffnung bleibt zwar, dass es letztlich nicht so kommt, wie befürchtet. Doch allzu groß ist sie bei Werkle nicht. Die in der Konjunkturumfrage ermittelten Aussichten würden zumeist später auch so eintreffen. Vor allem externe, unerwartete Faktoren wie 2020 die Coronapandemie könnten Einfluss nehmen. Jetzt wäre das etwa bei einem überraschenden Friedensschluss der Fall.

Es sind laut Werkle letztlich „harte Fakten“ auf deren Grundlage die Unternehmen ihre Prognose abgeben. „Sie spüren die hohen Energiepreise oder Lieferengpässe am eigenen Leib.“ Dass sich hier eine emotionalen Überreaktion unter dem Eindruck des Kriegs in der Bewertung ausdrückt, ist also eher unwahrscheinlich. Darüber hinaus haben die „weitverbreitete Rezessionsangst“ der Unternehmen laut Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK in Düsseldorf, schon heute konkrete Folgen: nämlich eine deutlich niedrigere Investitionsbereitschaft.

Vor allem die Preise für Energie an erster Stelle und für Rohstoffe an zweiter Stelle nehmen die Unternehmen als größte Geschäftsrisiken wahr. Noch nie zuvor haben prozentual so viele Betriebe diese Faktoren als so bedrohlich wahrgenommen (73,5 Prozent bei der Energie, 67,5 bei den Rohstoffen).  „In der Industrie liegen die Werte mittlerweile bei über 85 Prozent“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. „Das ist ein gespenstischer Wert.“

Das bekommen auch die Kunden der Unternehmen in Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistung zu spüren. Über alle Branchen hinweg haben bereits 41 Prozent der befragten Unternehmen ihre Preise erhöht, 33 Prozent planen das noch. Dass sie nicht mit Kostensteigerungen zu tun hätten, sagen nur drei Prozent.

Wenn 15 Prozent der Betriebe angeben, dass sie keine Preissteigerungen planen würden, dann liegt das etwa an langfristigen Verträgen oder der Wettbewerbssituation. Das kann laut Steinmetz existenzbedrohend für Unternehmen werden. Vor allem Speditionen hätten zurzeit das Problem, noch wirtschaftlich zu arbeiten, da sie den Preisdruck nur schwer weitergeben könnten.

Die Ursachen für steigende Preise und Engpässe bei Rohstoffen sind sowohl in den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sowie in der Zero-Covid-Politik der chinesischen Regierung zu suchen. Die geringere Bereitschaft zu Investitionen schlägt sich nun auch bei der Bauwirtschaft nieder, die lange extrem boomte.

Schon jetzt laufen die Geschäfte nach Angaben der Unternehmen nicht mehr so gut, zudem blickt sie so pessimistisch in die Zukunft wie seit 2009 nicht mehr. Berghausen sagt, dass Verzögerungen und Baustopps wahrscheinlicher würden, da Baustoffmangel und steigende Preise die Wirtschaftlichkeit von Projekten in Frage stellten. „Auftraggeber werden sich umgekehrt sehr genau überlegen, inwieweit sie so stark gestiegene Preise akzeptieren oder Projekte lieber auf Eis legen beziehungsweise ganz absagen.“

Keine Erholung ist für den Einzelhandel in Sicht. Obwohl viele Einschränkungen des Geschäfts in Folge der Pandemie der Vergangenheit angehören, ist die Verbraucherstimmung im Zuge der starken Inflation sehr schlecht.  Laut IHK hoffen nur noch acht Prozent der Einzelhändler auf bessere Umsätze in diesem Jahr, im Spätsommer waren es noch 38 Prozent.