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Düsseldorf: Unbekannte überkleben umstrittene Sat.1-Werbung - mit neuem Motiv

Guerilla-Aktion in Düsseldorf : Unbekannte überkleben umstrittene Big-Brother-Werbung – mit neuem Motiv

Die Werbung für die neue Staffel der Reality-TV-Serie steht als antisemitisch und geschichtsvergessen in der Kritik. In Düsseldorf haben Unbekannte nun Plakate aus Protest mit einer neuen Botschaft überklebt.

Eine unbekannte Gruppe hat in der Nacht zu Donnerstag mehrere Werbeplakate für die neue Staffel der Reality-TV-Serie „Big Brother“ in Düsseldorf überklebt. An mindestens drei Stellen in der Stadt wurden die Plakate mit neuen Motiven überklebt – die sich erst auf den zweiten Blick vom Original unterscheiden und ihre politische Botschaft offenbaren.

Die Werbung für die Sat.1-Sendung steht in der Kritik, weil viele Zuschauer Anspielungen auf die NS-Zeit und den Holocaust bemängeln. So lautet der Werbe-Slogan „Wie viel ein Mensch wert ist, bestimmst Du“, die Zuschauer sollen mit gelben Sternen die Kandidaten bewerten. Zuschauer fühlten sich an die gelben Sterne erinnert, die Juden in der NS-Zeit tragen mussten. Auf Kritik stieß auch der Song zu der Staffel mit dem Titel „Follow the Leader“ („Folge dem Führer“).

Die Guerilla-Motive in Düsseldorf greifen das Original-Design der Plakate auf, verändern aber die Botschaft. „Jeder Mensch ist etwas wert. Und du willst entscheiden, wie viel?“, heißt der Slogan nun. Die gelben Sterne sind durch Davidsterne ersetzt, einem Symbol des Judentums. Auf zwei der drei Motiven sind im Hintergrund unscharfe Schwarz-Weiß-Bilder zu erkennen, die an Fotos aus der NS-Zeit erinnern. Auf einem Plakat ist Stacheldraht zu sehen. In der linken unteren Ecke steht „Nie wieder“.

In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, begründet die Gruppe die Aktion. Ausgerechnet kurz nach dem Holocaust-Gedenktag und zur Zeit, in der in Thüringen die AfD für einen Eklat im Landtag sorgt, werde Deutschland von Sat.1 „mit einer unerträglichen Werbekampagne für das Trash-TV-Format 'Big Brother' überrollt.“

Es sei anzunehmen, dass für diese Werbe-Kampagne wenigstens zehn bis 20 Menschen in Agentur und Sender verantwortlich seien, „die damit absichtlich oder zumindest wissentlich dumpfeste Ressentiments bedienen“. Dass dieser „geschichtsvergessene Zusammenhang“ im Vorfeld von den Machern nicht erkannt worden sei, glaube kein Mensch. „Vielmehr zeigt es auf, wo die Gesellschaft bereits abgekommen ist, wenn TV-Macher diese Kampagne auch noch rechtfertigen und jeglichem Rassismus von sich weisen.“

Sat.1 hatte die Kampagne verteidigt und Bezüge zur NS-Zeit zurückgewiesen. Es sei mittlerweile „normal“ geworden, in Online-Portalen Produkte oder auch Personen zu bewerten, auch mit gelben Sternen, sagte eine Sendersprecherin dem Evangelischen Pressedienst.

Vorwürfe des Antisemitismus bezeichnete der Sender in einer Erklärung als „absurd“. „Für und bei SAT.1 hat jegliches antisemitisches Gedankengut keinen Platz“, hieß es. „Big Brother“ sei schon immer „ein Sozialexperiment“.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorf - Sat.1-Plakate für TV-Sendung überklebt