Düsseldorf: Unbefristeter Streik an Uniklinik

Nach Urabstimmung : Streik an der Düsseldorfer Uniklinik hat begonnen

Ein neuer Streik an der Uniklinik Düsseldorf hat am Dienstagmorgen begonnen und ist erst einmal bis zur letzten Spätschicht am Freitag ausgerufen. Patienten müssen mit längeren Wartezeiten rechnen.

Notfälle sollen nach Angaben eines Kliniksprechers während des Streiks trotzdem versorgt werden. Am Wochenende werde nicht gestreikt.

Verdi fordert, dass Beschäftigte an der Uniklinik entlastet werden: Personalmangel führe dazu, dass die Mitarbeiter permanent überlastet seien. „Aktuell werden 600 zusätzliche Vollzeitkräfte gebraucht, davon rund die Hälfte in der Pflege“, sagt Martin Körbel-Landwehr, der Personalratsvorsitzende der Uniklinik Düsseldorf. „In vielen Bereichen arbeiten wir auch im Normalbetrieb, ohne Streik, nur in einer Minimalbesetzung. Um ein Beispiel zu nennen: Im Spätdienst haben wir höchstens zwei Pflegekräfte für 30 bis 36 Patienten.“ Überstunden, keine Pausen und krankheitsbedingte Ausfälle werden etwa als Folgen genannt.

Doch ist es kein Streik, der nur Pflegekräfte betrifft. Überlastet sind auch andere Berufsgruppen an der Uniklinik – Elektro- und Medizintechniker, Auszubildende in der Physiotherapie und Medizinisch technische Radiologieassistenten.

Niko Köbbe, Gewerkschaftssekretär Bezirk Düssel,Rhein,Wupper. Foto: dpa/Federico Gambarini

Mit dem Streik soll nun ein Entlastungstarifvertrag durchgesetzt werden. Schon in den vergangenen Wochen wurde die Uniklinik insgesamt an elf Tagen bestreikt. Dabei wurden zwei Drittel der Operationen verschoben. Patienten mit längerfristigen, planbaren Operationen wurden auf eine Warteliste gesetzt.

Auch nach dem aktuellen Streikausruf habe es noch kein Signal einer Verhandlungsbereitschaft gegeben, sagt Niko Köbbe, Gewerkschaftssekretär des Bezirks Düssel, Rhein und Wupper.

Als „absolut unangemessen und vollkommen sinnlos“, hatte Ekkehard Zimmer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD), die neue Streikankündigung am Freitag genannt. Im Verlauf der vergangenen Woche wurde die Patientenzahl von mehr als 1000 auf 900 reduziert – einige wurden nicht mehr aufgenommen, und einzelne seien auch schon in andere Kliniken verlegt wurden. „Es wird weiter spürbare Einschränkungen geben“, sagt Kliniksprecher Stefan Dreising.

Das Universitätsklinikum Düsseldorf sieht sich als falschen Adressaten und kann nicht verstehen, wieso Verdi sich nicht an die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TDL) wendet. „Entlastung ist kein Bestandteil der bestehenden Tarifverträge“, sagt Gewerkschaftssekretär Köbbe und verweist auf den Paragraphen 13 der Rechtsverordnung des Landes NRW für Unikliniken. Der besagt, dass der Kaufmännische Direktor für die Beschäftigten des Universitätsklinikums die arbeits- und tarifrechtlichen Entscheidungen trifft. „Damit ist der Vorstand der für uns richtige Ansprechpartner“, so Köbbe.

Da Personalfragen auch mit Nachwuchsfragen und diese mit Arbeitsbedingungen einhergehen, wurden auch die Azubis zum Streiken aufgerufen. Einige würden die Ausbildung abbrechen, da sie nicht zufriedenstellend sei, erzählt etwa Manuela Homberg, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Sie fühlen sich in ihren Tätigkeiten nicht ausreichend genug angeleitet. Auch das sei durch Personalmangel und wenig Zeit zu erklären. Die Bedingungen in der Düsseldorfer Uniklinik seien kein Einzelfall: „Wir stellen bundesweit Probleme fest, in Düsseldorf ist die Lage besonders angespannt“, so Köbbe.

Bereits seit Montag und noch bis einschließlich Mittwoch streiken auch Mitarbeiter der Uniklinik Essen. Schon vergangene Woche waren wegen Warnstreiks in beiden Kliniken unter anderem viele Operationen abgesagt worden.

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