Interview Alexander Marten: "Düsseldorf tut sich schwer mit Start-ups"

Interview Alexander Marten : "Düsseldorf tut sich schwer mit Start-ups"

Der Rechtsanwalt führt mit der Stadt Düsseldorf Gespräche über einen Campus für Existenzgründer. Von der Wirtschaftsförderung und der Verwaltung fühlt er sich falsch verstanden. Oberbürgermeister Geisel soll einen Start-up-Verantwortlichen einsetzen.

Was fehlt in der Stadt für Start-ups?

Marten Konkret brauchen die Start-up-Unternehmer der Region und solche, die es werden wollen, eine Örtlichkeit und Unterstützungsleistungen für Start-ups, die ihren Bedürfnissen entspricht.

Aber Diwa mit dem Life-Science Center, das Gewächshaus oder die Garage Bilk sind doch Gründerzentren?

Marten Es ist alles sehr gut, was Diwa und Co. für ihre Bereiche leisten. Das meine ich ganz im Ernst. Aber diese Einrichtungen sehen die Probleme nicht, die wir als High-Tech Start-ups haben. Wir brauchen eine echte Unternehmenswiege nach Vorbildern, wie man sie im Silicon Valley kennt, etwa dem Y-Combinator. Diese Einrichtungen kümmern sich nicht nur um einen Businessplan, sondern erarbeiten mit den Start-ups die künftigen Produkte und bereiten Unternehmer auf den Markt und die Kapitalsuche vor.

Wie muss so eine "Unternehmenswiege" aussehen?

Marten Garage Bilk oder Gewächshaus bieten ja schon Co-Working-Space. Was wir brauchen, ist darüber hinaus ein echter Start-up-Campus, etwa nach dem Vorbild von "La Cantine" in Paris oder "500 Start-ups" in San Francisco. Dort sitzen jeweils über 50 Start-ups in einem Gebäude. Zusätzlich zu dem reinen Büroraum, Kaffeemaschinen, Internet und Gemeinschaftsküchen sollte dieser Start-up-Campus aber auch eine aktive Betreuung bieten. Das heißt, es müssen Trainer und Mentoren anwesend sein, es müssen Veranstaltungen organisiert werden, Pressearbeit geleistet und Kapitalgeber angesprochen werden.

An welche Mentoren denken Sie?

Marten Was Existenzgründer nicht können, ist die Steuererklärung, die Finanzbuchhaltung oder die Umsatzsteuervoranmeldung. Daran scheitern auch gute Absolventen. Deshalb sollte es im Start-up-Campus etwa einen Steuerberater geben, auf den die Jungunternehmer zurückgreifen können. Genau so wichtig wäre ein Anwalt. Denn Rechtsfragen werden zum Start oft unterschätzt. Das kann böse Folgen haben. Externen Rechtsschutz aber können sich viele, die starten, nicht leisten, oder sie schrecken davor zurück. Ferner wären Risikokapitalgeber als Anlaufstelle im Haus wichtig, um zukünftiges Wachstum mit finanzieren zu können.

Führen Sie Gespräche mit der Stadt?

Marten Ja, ich hatte mehrere Termine bei der Wirtschaftsförderung und habe mit Uwe Kerkmann, dem Leiter, gesprochen. Auch OB Thomas Geisel habe ich angesprochen.

Was erwarten Sie von der Stadt?

Marten Eigentlich nicht viel. Es wäre klasse, wenn die Stadt uns ein derzeit nicht genutztes Grundstück oder Gebäude zur Verfügung stellen würde. Dort errichten wir den Start-up-Campus mit Unterstützung von Unternehmen, Verbänden und internationalen Organisationen.

Hat die Stadt weitere Pflichten?

Marten Aus unserer Sicht nein. Denn es macht mehr Sinn, den Start-up-Campus in privatwirtschaftlicher Trägerschaft bzw. als gemeinnützige Einrichtung zu führen. Private Investoren dafür haben wir in Teilen schon gefunden, und wir sind in Gesprächen mit mehreren Family Offices von Unternehmern aus der Regien.

Wer sind die Paten des Centers?

Marten Unterstützung haben die Unternehmensberatung KPMG und Düsseldorfer Unternehmen der Mobilfunkbranche und Energiewirtschaft versprochen.

An welche Flächen denken Sie dabei?

Marten Im Düsseldorfer Süden etwa das Gelände des ehemaligen Carborundum-Werkes. Das gehört der Stadt über die IDR. Möglich wäre auch eine Nutzung der Bürogebäude des insolventen Tierfutterherstellers Muskator im Hafen. Die Gebäude gehören zwar nicht der Stadt, wohl aber Grund und Boden im Rahmen eines Erbpachtvertrages. Somit dürften die Immobilien an die Stadt zurückfallen.

Wie laufen die Gespräche mit Geisel und der Wirtschaftsförderung?

Marten Die Stadt tut sich noch schwer mit Start-ups. Wir fühlen uns nicht richtig verstanden. Oberbürgermeister Thomas Geisel hat im Wahlkampf noch angekündigt, in Sachen Start-ups so gut zu sein wie Berlin. Doch bislang ist die Entwicklung zäh und sehr langsam. Start-ups brauchen aber Schnelligkeit und unkompliziertes Vorgehen für zügige Entwicklung.

Was läuft denn schief?

Marten Oberbürgermeister Thomas Geisel müsste viel aktiver sein. Idealerweise schafft er konkrete Verantwortlichkeiten. Er muss einem Menschen in Sachen Start-up-Förderung den Hut aufsetzen, der das Thema verinnerlicht hat und die Branche kennt. Und er sollte dafür sorgen, dass die Stadt die Schirmherrschaft für einen Start-up-Campus übernimmt, sich um Kooperationspartner kümmert und ein echtes Ökosystem für Start-ups aufbaut.

Start-ups sind ganz normale Wirtschaftsteilnehmer. Warum sollte eine Stadt diese subventionieren?

Marten Das ist alles eine Gestaltungsfrage. Man könnte an die Aufnahme auf den Start-up-Campus die Verpflichtung knüpfen, die Firma für eine bestimmte Zeit in Düsseldorf zu belassen. Dann bleiben etwaige Gewinne bzw. Gewerbesteuern, Investitionen und Jobs in der Stadt. Nebenbei erhält Düsseldorf einen High-Tech-Schub. Denn auf dem Start-up-Campus sollen sich eben junge High-Tech-Firmen in große Unternehmen verwandeln, und keine Pommesbuden.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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