Herausgeber der Rheinischen Post: Düsseldorf trauert um Gottfried Arnold

Herausgeber der Rheinischen Post : Düsseldorf trauert um Gottfried Arnold

Die Kirche St. Anna war bei der Auferstehungsfeier für den verstorbenen Herausgeber der Rheinischen Post bis zum letzten Platz besetzt.

Es war vielleicht der rührendste Moment in der Messe: Das kleine Enkelkind spricht bei den Fürbitten den Wunsch aus, der liebe Gott möge doch dafür sorgen, dass die Oma nicht mehr so traurig ist. Gottfried Arnold hätte das Kind wohl angelächelt und dann rasch geherzt, es hätte ihm gefallen, dass nicht nur die Großen, sondern auch die Kleinen zu Wort kommen. Das Bild passte, denn Gottfried Arnold hatte zwar die Verbindungen und den Überblick in der Politik, das war die Profession des Verlegers und Politikers, er stand aber sicher und fest auf dem Boden seiner Heimatstadt, diese Erdung war Teil von Identität und Selbstverständnis.

"Er schätzte nicht nur die große Bühne, sondern auch die Heimat. Niederkassel war ihm wichtig", sagte Britta Damm, Schützenchefin im Stadtteil und in der Stadt, in ihrer Ansprache. Gottfried Arnold habe gestrahlt, wenn man ihn mit "Herr Protektor" angesprochen habe, und 52 Jahre lang habe er in diesem Amt seine schützende Hand über die St. Sebastianer gehalten. "Das Schützenfest war Jour fixe für ihn, noch im August standen wir beim Jubiläumsempfang im Kreis zusammen, fassten uns an den Händen und sangen das Lied von unserem Veedel." Die Verse zitierte Damm am Ambo auf Platt, die Fahnenabordnungen der Schützen auf der anderen Seite des Altars hatte sie dabei im Blick. Sie verabschiedete sich "von einem großartigen Menschen, einem guten Partner und engen Vertrauten, einem Freund".

Die Kirche St. Anna war bei der Auferstehungsfeier für den verstorbenen Herausgeber der Rheinischen Post am Samstag bis zum letzten Platz besetzt, zahlreiche Besucher mussten stehen. Es war "seine" Kirche, wie Dechant Michael Dederichs ausführte, das Gotteshaus, das er regelmäßig besucht und unterstützt hat. Gottfried Arnold war lange im Kirchenvorstand von St. Anna, und er begleitete die Geschicke der Gemeinde seinem Wesen gemäß "kritisch und überaus wohlwollend". Er habe von sich gesagt, er habe "ein Glaubensbekenntnis abgelegt, aber nicht seinen Verstand", sagte Dederichs. Und wenn er etwas anzumerken hatte, dann geschah dies wohl "dezent humorvoll". Der Humor Arnolds war Dederichs denn auch eine Anekdote aus den letzten Lebenstagen wert. Er, der sich schonen sollte, saß am Telefon, als es klingelte. Als die Gattin herbeieilte, sagte er nur: "Ich habe keinen Anruf erwartet." Bei den Menschen in der Kirche sorgte dies für ein Schmunzeln, und so fand sich neben der Trauer plötzlich auch etwas von der gelassenen Heiterkeit wieder, die kennzeichnend für den Düsseldorfer war.

Wie sehr er vernetzt war und wie sehr Düsseldorf im besten Sinne doch ein Dorf ist, zeigte sich bei den Gesprächen nach dem Gottesdienst. FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist in der Niederkasseler Nachbarschaft der Arnolds aufgewachsen, und ihre 92-jährige Mutter wusste sich am Samstag gut daran zu erinnern, wie "der junge Arnold, der damals 28-jährige Gottfried", seine Frau Irene mit nach Hause brachte. "Das war eine Sensation auf der Straße." Messechef Werner Dornscheidt ist der Familie ebenfalls verbunden, denn schon sein Vater, der Stadtdirektor in Düsseldorf war, kannte Gottfried Arnold gut; und "schon ewig" tat dies Bürgermeister Friedrich Conzen. "Er war sehr bescheiden, das macht nicht jeder so in dieser Position." Ehrenbürger Albrecht Woeste hob die Geradlinigkeit Arnolds hervor und dessen Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

In der Kirche waren viele Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft, etwa für Land und Bund Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), für die Stadt Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) sowie Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD). Aus der Unternehmerschaft waren Christiane Underberg, Roland Oetker, Patrick Schwarz-Schütte und Heinrich Weiss (SMS Siemag) anwesend, ebenso die Firmenchefs Alain Caparros (Rewe) und Arndt Hallmann (Stadtsparkasse Düsseldorf) sowie aus der Düsseldorfer Politik CDU-Chef Thomas Jarzombek, der Landtagsabgeordnete Peter Preuß (CDU), der ehemalige Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU), Altbürgermeister Heinz Hardt (CDU) sowie die linksrheinischen CDU-Ratsherrn Rolf Tups und Giuseppe Saitta. Ebenso unter den Besuchern: Bildhauer Bert Gerresheim, Modezar Albert Eickhoff, Diakonie-Vorstand Thorsten Nolting und der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise.

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(ujr)
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