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Düsseldorf: Trauer um Jeanne Andresen

Düsseldorfer Journalistin starb nach schwerer Krankheit : Trauer um Jeanne Andresen

Die Düsseldorfer Journalistin Jeanne Andresen ist tot. Sie engagierte sich in der Zivilgesellschaft, war Vizevorsitzende des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte. Ein Nachruf von Leiter Bastian Fleermann.

Manchmal gibt es Menschen, die eine Bürde erben, eine historische Last auf ihren Schultern tragen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Sie tragen mitunter schwer an familiären Vergangenheiten, am Schicksal der Vorfahren. Jeanne Andresen merkte man diese Bürde auf den ersten Blick nicht an: Fröhlich grüßend ging sie auf die Menschen zu, die charakteristische Lockenpracht bebte, ihr Lächeln fing einen ein: Jeanne war im Raum.

Doch wer sich fragte, woher ihr Engagement gegen alte und neue Nazis kam, ihr ungebremster Gerechtigkeitssinn und ihre tiefe Ernsthaftigkeit, der wusste, dass auf den Schultern der zierlichen Frau etwas Gewichtiges lag. Die Journalistin, die Düsseldorferin Jeanne, geboren 1967, war Enkeltochter des Bauunternehmers Theodor Andresen – ein Bürger im besten Sinne, couragiert, menschlich. Er gehörte zu den tapferen Männern, die 1945 nicht mit ansehen wollten, wie ihre Stadt dem Durchhaltefanatismus der Nazis geopfert werden sollte.

Die eine Hälfte der Gruppe war erfolgreich: Dank ihres beherzten Einspringens wurde Düsseldorf kampflos und unblutig befreit. Die andere Hälfte der Männergruppe wurde verraten, die Männer wurden misshandelt, erschossen, wenige Stunden vor Kriegsende. Unter ihnen war der Familienvater Theodor Andresen, der einen sinnlosen Tod starb für die aufrechte Haltung, die er eingenommen hatte.

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Der Sohn Dieter und die Enkeltochter Jeanne wandelten dieses Erbe in Kraft um. Sie warnten vor Hass und mahnten. So war tatsächlich etwas Positives aus dem dunklen Apriltag von 1945 erwachsen. Vater und Tochter brachten sich ein, engagierten sich – für Demokratie und Menschenrechte. Jeanne stellte Projekte gegen das Vergessen auf die Beine. Sie sprach wie ihr Vater mit Schülern. Sie lebte Zivilcourage vor und mischte sich ein. Beide haben die Düsseldorfer Zivilgesellschaft enorm bereichert.

Jeanne wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte gewählt. Auch dort bewies sie Tatkraft, mit Ideen, mit Vorschlägen, kreativ und aufgeschlossen. Ganz wie ihr Vater. Im September 2016 starb Dieter Andresen relativ plötzlich, alle Freunde, alle Menschen, die ihn kannten, waren geschockt über diesen Verlust.

Am Donnerstagabend ist die lebensbejahende Jeanne, die Frau und Mutter, nach langer schwerer Krankheit gestorben. Die einen waren dicht bei ihr, standen ihr bei. Die anderen waren nicht dabei, aber dachten tage- und nächtelang an sie. Tapfer hat sie gekämpft. Ein Leben lang. Aber am Schluss ganz besonders.

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