Düsseldorf: Toleranzwagen am Rosenmontag auf großer Fahrt im Zug

Rosenmontag in Düsseldorf: Toleranzwagen auf großer Fahrt

Auf dem interreligiösen Wagen fuhren unter anderem Jecke aus der jüdischen Gemeinde, der katholischen und evangelischen Kirche und dem Kreis der Düsseldorfer Muslime mit. Die Kostüme waren frei wählbar - vom Weihnachtsmann bis zum Pirat war alles dabei.

Weil der Toleranzwagen von Juden, katholischen und evangelischen Christen und Muslimen die Nummer 58 im Rosenmontagszug hat, müssen die Mitfahrer eine Weile auf ihren Start warten – und halten sich warm, indem sie die anderen Gruppen bejubeln, die nach und nach auf der Corneliusstraße vorbeizockeln. Mit Erbsensuppe und Brötchen haben sich alle gestärkt, auch reichlich Alt wird ausgeschenkt.

Als um kurz nach drei der Wagen anfährt, ist die Stimmung bestens. „Wirklich super“, sagt der Verwaltungsvorstand der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise, der den Entwurf für den interreligösen Wagen nach eigenem Bekunden nur Sekunden ansehen musste: „Dann habe ich Jacques Tilly angerufen und gesagt: Du bist ein Genie.“ Jetzt steht er im Weihnachtsmannkostüm auf jenem Wagen und feiert.

Nach 200 Metern Fahrt ist auch endlich das Kamellewerfen erlaubt. Und dabei laufen einige zu närrischer Hochform auf. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann etwa, die angesichts des nun milden Wetters viel Lob für die Planer des Zugs hat: „Eine klasse Idee, den Zug einfach später zu machen.“ Oder der Chef des Kreises der Düsseldorfer Muslime, Dalinc Dereköy, der mit Pilotenmütze und roter Nase vom Wagen winkt. Oder der Vorsitzende des Katholikenrates, Martin Philippen, der als weißgelocktes Engelchen mit beiden Händen Schokoriegel und koschere Kamelle (Geschmackstest: genauso klebrig und süß wie alle anderen) unter die Jecken bringt und immer wieder mit anpackt, wenn aus den Vorräten in der Wagenmitte neues Wurfmaterial geholt werden muss. Stadtdechant Ulrich Hennes ist übrigens auch dabei. An der Corneliusstraße hatte er den Feiernden noch vom Wagen des Narrencollegiums zugewunken, doch kurz vor der Kö wechselte er das Gefährt.

Einmal, auf halbem, Weg werden die immer heftiger Kamelle austeilenden Mitfahrer von Moderator Walter Schuhen ermahnt, nicht ganz so maßlos zu sein: „Wir wollen an der Friedrichstraße noch was haben, da stehen immer viele Familien.“ Also wird kurzzeitig etwas sparsamer geworfen (und dafür heftiger gewunken), ehe es gegen Ende der Kö Entwarnung gibt: Wir liegen wieder im Soll, es darf wieder ordentlich zugelangt werden. Helau!

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