Düsseldorf: Taxifahrer - die Angst fährt mit

Überfälle und Tätlichkeiten in NRW : Taxifahrer - die Angst fährt mit

In NRW kommt es fast täglich zu einem Übergriff auf einen Taxifahrer. In Düsseldorf meiden manche Fahrer an Wochenenden die Altstadt.

In NRW kommt es fast täglich zu einem Übergriff auf einen Taxifahrer. In Düsseldorf meiden manche Fahrer an Wochenenden deshalb sogar die Altstadt.

Als das Taxi am gewünschten Ziel in Schwelm anhält, steigt der alkoholisierte Fahrgast, ohne zu bezahlen, aus und geht. Der Taxifahrer folgt ihm zur Haustür und bittet ihn mehrfach, den Betrag zu bezahlen - vergeblich. Stattdessen schlägt und tritt der Fahrgast auf ihn ein. Die Polizei muss kommen.

Fälle wie dieser vor einer Woche in Schwelm sind Alltag im Taxigeschäft. Taxifahren zählt nach Angaben des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes zu den gefährlichsten Berufen. "Raubüberfälle gehören zur Tagesordnung", sagt ein Sprecher. Seit 1985 wurden bundesweit 85 Taxifahrer getötet und mehr als 10.500 bei Überfällen und Tätlichkeiten verletzt. Hinzu kommt nach Angaben des Verbandes noch eine beachtliche Dunkelziffer nicht erfasster Fälle. "Praktisch täglich wird ein Taxifahrer in NRW körperlich Opfer eines Überfalls", betont der Sprecher.

Taxifahrer werden in NRW so häufig attackiert, dass die Übergriffe auf sie - anders als etwa Messerattacken - in der Polizeilichen Kriminalstatistik aufgelistet werden. Demnach gab es im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen 388 Straftaten, bei denen Taxifahrer zu den Opfern zählten. Getötet wurde niemand. In NRW wurde zuletzt im August 2015 in Wipperfürth ein Taxifahrer erstochen. Der Fall ist aktuell noch Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.

Der Düsseldorfer Dennis Klusmeier ist Taxiunternehmer in dritter Generation. Er kennt die Schattenseiten seines Geschäfts. "Die Fahrer sind den Gewalttätern schutzlos ausgeliefert", sagt er. Maßnahmen wie die schusssichere Trennscheibe im Fahrzeuginnenraum hätten sich nicht bewährt. Im Ernstfall können die Fahrer lediglich einen Notfallknopf drücken. Die Zentrale versucht daraufhin, den Fahrer zu erreichen. Meldet dieser sich nicht oder wirkt komisch im Gespräch, dann wird sofort die Polizei verständigt, die das Taxi mittels GPS orten kann. "Natürlich hilft das dem Fahrer in der Situation nicht viel. Bis die Polizei da ist, ist der Täter weg und der Fahrer verletzt oder Schlimmeres", sagt Klusmeier.

Der Taxiunternehmer würde gerne Videokameras in seine Taxen einbauen. Aber das dürfe er nicht - aus Datenschutzgründen . Dabei sei das ein wirksames Instrument, um die Täter abzuschrecken, meint er. Er nennt als Beispiel Bremen, wo das anders als in NRW erlaubt ist. Denn Datenschutz ist Ländersache. "Dort hat sich gezeigt, dass es kaum noch Überfälle gegeben hat, seitdem die Kameras in den Taxen sind", sagt Klusmeier. So habe es in Bremen nach wöchentlichen Überfällen in den vergangenen zwei Jahren nur noch vier Überfälle gegeben.

Erol. S. (41) fährt seit sieben Jahren Taxi in der Landeshauptstadt. Die Angst, sagt er, fahre fast immer mit. "Ich kann den Leuten ja nicht in den Kopf gucken. Irgendwie rechne ich immer damit, dass mir einer von hinten eins überzieht und mich ausraubt", sagt er. Bislang sei er nur einmal massiv bedroht worden. Und das von einer Frau. Einer Drogenabhängigen, meint er. "Die hat ein Messer gezückt und gesagt, ich soll ihr Geld geben. Ich hab sie dann einfach rausgeschmissen", sagt S. Besonders schlimm sei es an den Wochenenden. Die Betrunkenen. Die Krawallmacher. Und die Männergruppen.

Wenn es geht, fährt er die Düsseldorfer Altstadt gar nicht mehr an. "Was da an den Wochenenden nachts einsteigt, ist oft mit Ärger verbunden. "Wenn mich dort nachts einer heranwinkt, ignoriere ich das. Es reicht ja schon aus, wenn sich einer im Wagen übergibt, dann ist die Schicht für mich gelaufen. Denn dann muss ich erst einmal den Wagen sauber machen."

Die "Rhein-Taxi"-Flotte steuert das Vergnügungsviertel in der Landeshauptstadt nur in Ausnahmefällen an. "Wir setzen vor allem auf Kunden, die uns anrufen. Und nicht auf die Heranwinker am Straßenrand", sagt "Rhein-Taxi"-Geschäftsführer Hans Becker. "Kunden, die uns bestellen, sind ein deutlich kleineres Risiko", sagt er. Auch seine Fahrzeuge sind mit Notfallknöpfen ausgestattet. Wird der Knopf gedrückt, hört die Zentrale mit, was im Wagen gesprochen wird.

In Hamburg hat die Polizei in der vergangenen Woche einen Mitschnitt eines Taxiüberfalls veröffentlicht, in der Hoffnung, dass jemand die Stimme des Täters erkennt. Der Mann bedrohte den Taxifahrer mit einer Waffe und sagte: "Tut mir leid, Keule, aber gibst du mir mal dein Geld und alles? Es tut mir leid, ey. Ich raub' dich aus gerade, ja. Du kannst ja gleich die Bullen anrufen, du kriegst ja das Geld von der Versicherung wieder. Gib mal bitte. Danke." Und weg war er.

(csh)