Düsseldorf: Tausende demonstrieren in NRW für Seenotrettung

Proteste in 18 Städten : Tausende demonstrieren in NRW für Seenotrettung

Rund 7000 Menschen haben nach Angaben der Organisation Seebrücke am Samstag in 18 Städten in NRW für die Rechte von Schiffbrüchigen und Geflüchteten demonstriert. Zudem riefen sie den Notstand der Menschlichkeit aus.

Größere Kundgebungen gab es unter anderem in Düsseldorf, Köln, Bonn, Münster und Bielefeld. Europaweit seien bei rund hundert Demonstrationen insgesamt etwa 30.000 Menschen auf die Straße gegangen, erklärte die internationale Bewegung „Seebrücke“. Der Schwerpunkt lag in Deutschland, in einigen Städten waren bis in den späten Abend Aktionen geplant.

In Köln nahmen etwa 500 Menschen an einer Protestaktion vor dem italienischen Generalkonsulat teil. Dort hieß es: „Baut Brücken statt Mauern“ und „Solidarität mit Menschen auf der Flucht, die Schiffbruch erleiden“. In der Landeshauptstadt Düsseldorf gedachten ebenfalls rund 500 Teilnehmer mit einer Schweigeminute der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge. Ein Sprecher forderte die „sofortige Freigabe aller Seenot-Rettungsschiffe“. Auf Transparenten hieß es: „Fluchtursachen beseitigen statt Menschen in den Tod schicken“ und „Die Menschlichkeit muss siegen“. Zudem wurde die Einstellung aller Ermittlungsverfahren gegen Seenot-Retter gefordert.

In Bonn kamen 700 Menschen zusammen. Von einer Rheinbrücke wurden Blumen ins Wasser geworfen, um der Toten im Mittelmeer zu gedenken. In Bielefeld forderten etwa 700 Menschen, es sei „Zeit zu zeigen, dass Bielefeld ein sicherer Hafen ist“. In Detmold verlangten rund 400 Demonstranten: „Stoppt das Sterben im Mittelmeer“. Kundgebungen, Mahnwachen und Aktionen unter dem Motto „Notstand der Menschlichkeit“ gab es auch in Aachen, Bochum, Dinslaken, Düren, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Leichlingen, Lennestadt, Oberhausen und Wuppertal. Nach Polizeiangaben blieb es überall friedlich.

Vor rund 800 Demonstranten in Münster sagte eine „Seebrücke“-Sprecherin, sie wolle nicht in einer EU leben, die Menschen an ihren Außengrenzen sterben lasse und internationales Recht ignoriere. In Dortmund nannte es der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ulf Schlüter, vor rund 250 Menschen eine Schande, was derzeit im Mittelmeer geschehe. „Sea-Watch“-Kapitänin Carola Rackete habe alles richtig gemacht, indem sie Menschenleben gerettet habe.

Der Flüchtlingsrat NRW erklärte, die Odyssee der „Sea-Watch 3“, die nirgendwo einlaufen durfte, um vor dem Ertrinken gerettete Menschen an Land zu bringen, sei nur ein aktuelles Beispiel für „eine skandalöse Politik des Wegschauens seitens der europäischen Staaten“. Nötig seien sichere Fluchtwege. Nach Angaben der Initiative „Seebrücke“ ertrinkt jeder sechste Bootsflüchtling, der über das Mittelmeer nach Europa kommen will.

Die „Seebrücke“ ist eine breite soziale Bewegung, die sich nach eigenen Angaben mit mehr als hundert Lokalgruppen bundesweit für sichere Fluchtwege und die kommunale Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen einsetzt. Mehr als 60 Städte und Gemeinden erklärten sich bislang zu „Sicheren Häfen“.

(mro/dpa)
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