Square Dance in Düsseldorf Tanzen wie im Wilden Westen

Düsseldorf · Der Düsseldorfer Square-Dance-Verein Dancing Rebels bietet zurzeit mehrere Schnupperkurse an – eine gute Gelegenheit, den amerikanischen Volkstanz näher kennenzulernen. Das ist auch ein gutes Ausdauertraining.

 Die Square-Dance-Gruppe Dancing Rebels probt bestens gelaunt im Gemeindezentrum Knittkuhl.

Die Square-Dance-Gruppe Dancing Rebels probt bestens gelaunt im Gemeindezentrum Knittkuhl.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Mit dem Rhythmus ist es so eine Sache. Ich habe ihn in den Händen und kann beim Gitarre spielen sicher den Takt halten. Dafür ist aber der Rest meines Körpers denkbar untalentiert, wenn es darum geht, sich passend zur Musik zu bewegen. Deswegen versuche ich auf Partys und in der Disco nach Möglichkeit, jede Tanzfläche zu meiden. Auch den klassischen Standardkurs in der achten Klasse habe ich nur mit Mühe und Not absolviert und dabei regelmäßig die Zehen meiner Tanzpartnerin in Mitleidenschaft gezogen. Etwas Nervosität macht sich deswegen schon breit, als ich mich auf den Weg mache, um bei einer Schnupperstunde der Dancing Rebels das Tanzbein zu schwingen. Die Mitglieder des Klubs treffen sich regelmäßig und trainieren gemeinsam den Square Dance. Der Volkstanz wurde im 18. Jahrhundert in den USA erfunden und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Alleine in Deutschland gibt es über 500 Klubs, die regelmäßig Tanzstunden und Events anbieten.

Vor dem Gemeindezentrum Knittkuhl wartet bereits Uwe Jitschin auf mich. Dass er zu den Dancing Rebels gehört, ist unschwer an seinem Kleidungsstil zu erkennen: Er trägt blaue Jeans, ein kariertes Westernhemd und eine große, silberne Schmuckbrosche am Revers. Jitschin ist seit der Gründung des Klubs 1997 mit dabei. Für ihn steht Square Dance vor allem für zwei Dinge: Die Freude am Tanzen und Kameradschaftlichkeit. Er hat schon in Kanada, Norwegen und Schweden getanzt, denn wer einmal eine entsprechende Prüfung abgelegt hat, darf in jedem Klub auf der Welt mittanzen. Die Offenheit und Kontaktfreudigkeit beim Square Dance spürt man auch in der Schnupperstunde sofort. Bereits die ersten Tanzschritte helfen, sich besser kennenzulernen. Man geht Hände reichend aneinander vorbei, dreht sich gemeinsam im Kreis und kommt zum Abklatschen in der Mitte zusammen. Bisher können wir Neulinge noch ohne Probleme alles umsetzten. Das ändert sich jedoch schlagartig, als der wichtigste Mann beim Square Dance den Raum betritt: Der Caller. Heute übernimmt Joe Koschig diese Rolle. Parallel zur Musik gibt er gesprochene und gesungene Anweisungen, welche Figur getanzt werden soll. Er garantiert so, dass der sogenannte Square nicht zusammenbricht. Das namensgebende Viereck setzt sich aus jeweils vier Pärchen zusammen, die untereinander nicht nur ihre Positionen, sondern auch die Tanzpartner immer wieder tauschen.

Die schnellen Ansagen in Kombination mit dem eingeschränkten Platz auf der Tanzfläche sorgen schnell für einige Verwirrung unter den Anfängern. Während man noch dabei ist, eine Figur auszuführen, muss man schon auf die nächste Anweisung des Callers hören. Es ist also unumgänglich, mental immer einen Schritt voraus zu sein. Das stellt sich als äußerst kniffelig heraus, und ich bin froh, dass meine Partnerin Dominique bereits seit drei Jahren Square Dance tanzt. Geduldig führt sie mich durch das Quadrat und verhindert immer wieder, dass wir mit anderen zusammenstoßen. „Keine Sorge, am Anfang haben alle ein bisschen Probleme. Ihr habt heute auch schon sehr viele Figuren für den ersten Versuch gelernt“, sagt sie, während wir auf den nächsten Tanz warten. Nach einiger Zeit versteht man die Ansagen des Callers, und auch die Umsetzung der einzelnen Schritte fällt zunehmend leichter. Das motiviert und macht auch ziemlich Spaß. Gegen Ende hat man sogar das Gefühl, den Tanz bereits ein bisschen zu beherrschen. Anderen Anfängern geht es ähnlich: „Ich bin zwar noch etwas unsicher, aber lasse mich einfach die meiste Zeit führen. Das klappt super“, erzählt Ariane mit einem Lachen.

Zum Abschluss wirbeln die Dancing Rebels noch einmal alleine über die Tanzfläche. Bei ihren vielen Positionswechseln, Schrittfolgen und Drehungen wird einem schon beim Zuschauen schwindelig. Es ist also noch viel Luft nach oben, aber dennoch verlasse ich mit einem Grinsen im Gesicht das Gemeindezentrum in Knittkuhl. Square Dance würde ich auf jeden Fall noch einmal ausprobieren, auch wenn ich nach wie vor kein großer Tanzfan bin.

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