Düsseldorf: SWD kündigt Künstlern an der Flurstraße

Kunst in Düsseldorf : SWD kündigt Künstlern an der Flurstraße

Die städtische Wohnungsgesellschaft SWD will aus den Ateliers an der Flurstraße in Düsseldorf-Flingern sozialen Wohnraum machen.

Neun Künstler von der Flurstraße müssen sich ein neues Domizil suchen. Kurz vor Weihnachten hat die Ateliergemeinschaft, die seit etwa 20 Jahren in einem Hinterhaus an der Flurstraße besteht, die Kündigung erhalten – ursprünglich terminiert auf Ende Februar 2020.

Einen langen Brandbrief, der unserer Redaktion vorliegt, haben die Künstler nun an den Oberbürgermeister geschrieben, „Paris hat keine Künstler mehr, Hamburg hat keine Künstler mehr. So sagte neulich jemand, der es wissen muss: Und Düsseldorf?“ Mit diesen Worten beginnen die Unterzeichner ihr Schreiben.

Vor 20 Jahren habe die städtische Wohnungsgesellschaft SWD die Wohnungen an der Flurstraße 61-67 wegen der schlechten Ausstattung nicht mehr für Wohnen nutzen können. 18 Wohneinheiten seien in 13 Atelierräume umgewandelt worden. „Wir Künstler waren dankbar, arrangierten uns mit schwierigen Heizbedingungen und rostigen Wasserleitungen“, heißt es in dem Brief. Ärgerlich sei, dass das Arrangement quasi ohne Vorwarnung beendet werde.

Die SWD stellte am Dienstag klar, dass es bei der geplanten Modernisierung bleibt. Man werde an dieser Stelle sozial geförderte Wohnungen anbieten, die Düsseldorf dringend brauche. Allerdings werde die Kündigungsfrist bis Ende Juni verlängert. „Und wir werden den Künstlern, die dort kreativ arbeiten, alternative Atelier-Flächen anbieten“, sagte SWD-Sprecher Roman von der Wiesche.

Nicht zum ersten Mal bangen Künstler um ihre Ateliers: Im vergangenen Jahr gab es eine Debatte um die Künstlersiedlung an der Franz-Jürgens-Straße in Golzheim.

Auf Initiative von CDU und Grünen hatte der Kulturausschuss im Juni 2019 die Verwaltung beauftragt, mit der SWD die Bewirtschaftung und die notwendigen Sanierungen der Wohnateliers zu besprechen und eine Gesamtkonzeption für Atelierförderung vorzulegen. „Hier liegt die Federführung beim Kulturamt“, sagt von der Wiesche.

„In der letzten Zeit scheint der Raum für Kunst und Kultur immer häufiger Opfer von Verdrängungsprozessen zu werden“, sagt Clara Gerlach, kulturpolitische Sprecherin der Grünen. Zur aktuellen Kündigung wird sie eine Anfrage in der Ratssitzung am 6. Februar stellen.