Düsseldorf: Studierende der HSD machen Vorschläge für 75.000 neue Wohnungen

Projekt an der Hochschule : Studierende machen Vorschläge für 75.000 neue Wohnungen in Düsseldorf

Eine Wasserstadt in Lohausen, nachverdichtete Genossenschaftsviertel oder ein „extreme make-over“ für Oberkassel: Angehende Architektinnen der HSD haben mutige Ideen zur Lösung der Wohnungskrise entwickelt. Ob die umgesetzt werden?

Oberkassel braucht ein „extreme make-over“, eine extreme Umgestaltung. Das schlagen jedenfalls Laura Bertelt und Nina Schumacher vor. Die Studentinnen des Civic Designs an der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf (HSD) haben sich die Frage gestellt: Wo könnten die 75.000 Wohnungen herkommen, die Düsseldorf mutmaßlich im Jahr 2050 brauchen wird – zusätzlich zu all denen, die es jetzt bereits gibt? „In Oberkassel könnte man diese Wohnungen prima realisieren“, sagt Oliver Thill, Bertelts und Schumachers Professor. Das klingt zunächst illusorisch. „Aber die Studentinnen haben beobachtet, dass Oberkassel durchschnitten wird von breiten Straßen, auf denen die Menschen von der Autobahn ins Zentrum fahren“, sagt Thill. Gemeint ist die B7, die zur Rheinknie- und Theodor-Heuss-Brücke führt. Der Vorschlag: die Straßenbreite reduzieren, Platz gewinnen, diesen begrünen und Wohnungen drumherum bauen. „Es sagt doch keiner, dass irgendwer mit 80 Sachen von der A52 ins Zentrum braten muss“, sagt Thill.

Die Vorschläge, die im Projekt „75.000 neue Wohnungen für Düsseldorf“ entstanden sind, polarisieren. Das ist Absicht. „Politischen Sprengstoff“, verspricht Thill. Das Konzept des Studiengangs Civic Design, der erst seit dem vergangenen Wintersemester angeboten wird: Architekten sollen wieder bei der Stadtentwicklung mitreden. Politik und Verwaltung sollen ermutigt werden, große Visionen zu entwickeln. Denn aus Thills Sicht versündigen sich die Kommunen – Düsseldorf eingeschlossen – am Wohnungsbau: „Deutsche Städte hinken der Entwicklung hinterher“, sagt er. Die Wohnungskrise habe sich jahrelang angekündigt. Doch die Städte hätten die Entwicklung verschlafen. Nun werde die Gestaltung dem Markt überlassen. 

Im Projekt ging es darum, eine sinnvolle Vision für 2050 zu entwickeln – mit einer riesigen Zahl neuer Wohnungen, plus einem Mehrwert für die Bevölkerung. „Die Studierenden sollten überlegen: Welche Qualitäten lassen sich mit dem Bau realisieren?“, so Thill.

Lena Katharina Bach und Franziska Niepenberg machten sich auf die Suche nach Platz für neue Wohnungen. Sie wurden fündig – und zwar auf den Grundstücken der Wohnungsbaugenossenschaften. „Die Siedlungen stammen meist aus den 50er oder 60er Jahren und sind recht offen bebaut“, erklärt Thill. Das Zauberwort: Nachverdichtung. So werden beispielsweise auf Dachflächen oder zwischen den Mehrfamilienhäusern neue Gebäude errichtet. „Darin steckt ein enormes Potential“, sagt Thill. „Wir sind gewohnt, immer außerhalb der Stadt zu bauen, um unsere Probleme zu lösen. Aus ökologischer Sicht muss man aber nachverdichten.“ Am Lehrstuhl sei man überrascht gewesen, dass 75.000 Wohnungen sich so realisieren ließen. Allerdings müssten auch einige Grünflächen dran glauben.

Das wäre auch beim dritten Vorschlag so: einer Wasserstadt am Rheinufer. Allerdings würden sicherlich attraktive Quartiere entstehen, „ein kleines Amsterdam“, sagt Thill. Monika Dittrich und Kamila Lebert befassten sich in ihrem Projekt intensiv mit der Frage, wie so ein Projekt mit Landschafts- und Naturschutz sowie Wassermanagement vereinbar wäre.

Entscheidend sei, so Oliver Thill, dass die Studierenden nicht stumpf Lösungen präsentierten, sondern zum Nachdenken anregen wollten. „Städte können solche Projekte einfordern“, sagt er. „Man muss doch nicht jedem Entwickler dankbar sein, der einem irgendwo was hinbaut.“ Wie es aussieht, ist die Stadtspitze bereits auf die Projekte aufmerksam geworden – wie auch Politik und Bürger. Am Mittwoch werden die Entwürfe der Öffentlichkeit präsentiert.

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