Düsseldorf: Stimmung am Rheinufer kippt

Auto-Rowdys und Trinkgelage: Die Stimmung am Düsseldorfer Rheinufer kippt

Das Düsseldorfer Rheinufer ist Feiermeile Nummer eins. Anwohner beklagen störende Auswüchse und leiden zudem unter Auto-Rowdys. Auch die Sicherheit bei Großveranstaltungen bereitet den Bürgern Sorgen.

Gefühlt ist im Sommer an jedem Wochenende auf der Rheinuferpromenade etwas los. Tatsächlich ist dies nicht der Fall, wie die Jahresübersicht zeigt. "Eine Tatsache ist jedoch, dass sich die Altstadt mittlerweile bis zum Apollo ausdehnt", sagt Wilfried Hausjung (Name geändert), der gleich hinter der Promenade wohnt. "Wenn hier ein großes Fest ansteht, überlegen nicht nur wir, sondern auch Nachbarn, ob man zu Hause bleibt."

Hinzu komme, dass unterschiedliche Gruppen die Promenade zur Feiermeile machen. Mehr oder weniger laute Privatpartys finden statt, und zur unschönen Regelmäßigkeit sind illegale Autorennen geworden. Kontrollen gibt es nicht, die Polizei rückt nach Hausjungs Aussage deswegen auch nicht aus. "Wenn wir dort anrufen, heißt es meist, man habe gerade kein Fahrzeug frei." Seine Beobachtungen hat er jetzt in einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel zusammengefasst.

Hausjung und seine Nachbarin Carla Brillen (Name geändert) wollen anonym bleiben, weil sie auf die Auto-Rowdys zugegangen sind. Die kommen nicht nur in den Nächten auf Samstag und Sonntag "über die Brücke geknallt und starten dann am Horionplatz ihre Rennen", sondern auch am helllichten Tag. Beliebte Übung ist dann am Rheinufer, das Auto auf der Stelle durch Gasgeben und Bremsen zu drehen - Gummiabrieb und schwarze Kreise auf dem Asphalt inklusive. Brillen hat ein solches Spektakel gegen 17.30 Uhr gefilmt, es ist zu sehen, wie Radler an dem Auto vorbeifahren - eine gefährliche Situation.

Für die Menschen, die rund ums Rheinufer leben, sind mangelhafte Kontrollen bei Festen ein Problem. Das Viertel wird zugeparkt, vor allem bei Feuerwerken. An der Kontrollstelle am Übergang Haroldstraße/Horionplatz stünden inkompetente Kräfte, die zu viele Autos passieren ließen. Auch Terroristen könnten auf diesem Weg leicht zum Rheinufer gelangen. "Wenn das passiert, kann niemand sagen, er habe dies nicht wissen können", sagt Hausjung. Die Situation habe sich in den vergangenen drei Jahren immer weiter zugespitzt. Die Anwohner hoffen auf Hilfe durch die Stadtspitze. FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die selbst im Viertel wohnt, stellt "eine Verballermannisierung des Rheinufers" fest. Viele Besucher verhielten sich ordentlich, manche aber überträten Grenzen und verhielten sich teils strafbar. "Wir müssen diese Entwicklung aufhalten", sagt sie.

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Die Zunahme ausufernder Trinkgelage und ihre negativen Auswirkungen auf die Altstadt sieht auch Geisel "mit Sorge". Dass sich das Phänomen inzwischen bis zum Apollo erstreckt, sei aber auch für ihn neu. Ein Lösungsansatz könne sein, den Alkoholverkauf an den Kiosken weiter einzuschränken. "Das Thema mag aus rechtlichen Gründen schwierig sein, vom Tisch ist es aber nicht", sagt der Rathauschef und appelliert an die Landesregierung, die Grundlagen für solche Eingriffe zu verbessern. Das Thema einer kaum kontrollierten Zufahrt über den Horionplatz will die Stadt in ihre Überlegungen zur dauerhaften Absicherung besonders gefährdeter Bereiche einbeziehen. "Die Gespräche dazu laufen", sagt Ordnungsdezernent Christian Zaum. Für das Thema "Autorowdys" sei allerdings die Polizei zuständig. Der ist das Problem bekannt. Die Urheber habe man bislang nicht ausfindig machen können.

CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt mahnt in Richtung Geisel, "auch wegen dieser Entwicklungen den Ordnungsdienst nicht im Rahmen von Sparkonzepten zu reduzieren, sondern auszubauen." Zudem hält er eine Überprüfung des Event-Managements für sinnvoll. "Wir müssen aufpassen, dass nicht immer mehr dazu kommt."

Genauso argumentiert Monika Lehmhaus (FDP). Die Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaftsförderung kündigt an, das Thema kommende Woche in dem Gremium zu diskutieren. Unterstützung erhält sie von SPD-Ordnungspolitiker Martin Volkenrath: "Es ist auch schön, mal über den Burgplatz zu schlendern, ohne einen Krabbencocktail in die Hand gedrückt zu bekommen."

(RP)