Analyse: Düsseldorf stagniert bei der Gewerbesteuer

Analyse : Düsseldorf stagniert bei der Gewerbesteuer

Düsseldorf ist stolz auf seinen Reichtum. Statistiken aber belegen, dass die Stadt in den vergangenen zehn Jahren bei den Einnahmen nicht gewachsen ist. Beim Wachstum ist sie deutsches Schlusslicht.

Dass Düsseldorf eine reiche Stadt ist, ist sprichwörtlich. Dazu tragen nicht nur der Ruf als Schreibtisch des Ruhrgebiets und die vielen Reichen in der Stadt bei, sondern auch die Politik. Seit Jahren wird die so genannte wirtschaftliche Schuldenfreiheit wie eine Monstranz dahergetragen. Betrachtet man die Zahlen aber genauer, dann stellt man fest, dass die Einnahmen Düsseldorfs seit Jahren stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau. Andere Großstädte Deutschlands haben deutlich bessere Wachstumsraten. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hat die NRW-Landeshauptstadt im Jahr 2004 gut 755 Millionen Euro an Gewerbesteuer eingenommen. Im zurückliegenden Jahr 2014 waren es etwa 862 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von gerade einmal 14 Prozent. Bereinigt man das um die durchschnittliche Inflationsrate, vereinfacht etwa 1,5 Prozent pro Jahr, dann sind die Einnahmen in Düsseldorf binnen zehn Jahren sogar leicht geschrumpft. Unter den sieben größten deutschen Städten ist Düsseldorf damit mit deutlichem Abstand das Schlusslicht. In Frankfurt am Main liegt das Wachstum der Gewerbesteuer im gleichen Zeitraum bei 29 Prozent, in Hamburg bei mehr als 40 Prozent. Dresden nahm 46 Prozent mehr ein, Köln verbucht ein Plus von 74 Prozent, Berlin eines von 76 Prozent. Spitzenreiter ist München mit einem Anstieg der Gewerbesteuereinnahmen von mehr als 90 Prozent. Alle Zahlen beruhen auf den Daten der jeweiligen statischen Landesämter und wurden teilweise auf unterschiedlichen Wegen erhoben. Sie sind daher nur bedingt vergleichbar. Die Tendenzaussage aber ist eindeutig: Düsseldorf verspürt Stillstand, die anderen Großstädte Wachstum. Diese Stagnation kann nur in Teilen einer Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes von einst 455 Prozent auf den heutigen Wert von 440 Prozent zurückgeführt werden.

Allerdings verharrt Düsseldorf auf hohem Niveau. Das Gewerbesteueraufkommen Düsseldorfs lag 2014 pro Kopf bei etwas mehr als 1400 Euro. Das ist im Deutschlandvergleich Rang drei hinter Frankfurt am Main (2100 Euro) und München (1600 Euro). Dahinter liegen Hamburg (1100 Euro) und Köln (1000 Euro). Schlusslichter sind die industriearmen Städte Berlin und Dresden mit jeweils 400 Euro Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner.

(tb.)
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