Einzelhandel in Düsseldorf Stadtteilzentren brauchen sich nicht zu verstecken - drei Beispiele

Düsseldorf · Die Einkaufstraßen in den Düsseldorfer Stadtteilen punkten mit Vielfalt und guter Erreichbarkeit – drei Beispiele aus Rath, Oberkassel und Pempelfort.

 Das Nordstraßenfest treibt die Menschen immer noch in Scharen auf die Einkaufsstraße in Pempelfort.

Das Nordstraßenfest treibt die Menschen immer noch in Scharen auf die Einkaufsstraße in Pempelfort.

Foto: Marc Ingel

Rund 50 Stadtteilzentren unterschiedlicher Größe und Bedeutung gibt es in Düsseldorf. Um diese zu stärken, hat der Stadtrat 2016 einen Rahmenplan Einzelhandel beschlossen, der ein verbindliches Steuerungsinstrument für die Einzelhandelsentwicklung in Düsseldorf darstellt. Mit diesem Plan soll unter anderem die flächendeckende Nahversorgung sichergestellt werden.

„Das fußläufige Angebot von Waren des täglichen Bedarfs trägt dazu bei, die Lebensqualität in den Wohnquartieren zu steigern und Verkehr zu vermeiden“, so die Stadt. Doch nicht nur für die Nahversorgung sind diese Zentren wichtig. „Sie stellen unverzichtbare kommunikative Treffpunkte dar“, sagt die Stadt. Deshalb ist auch das Erscheinungsbild, die Aufenthaltsqualität der Einkaufsstraßen dafür verantwortlich, wie gut diese genutzt werden. Das funktioniert je nach Standort ganz unterschiedlich. Drei Beispiele.

Westfalenstraße Die rund 800 Meter lange Westfalenstraße in Rath gehört zu den großen Stadtteilzentren in Düsseldorf und wird noch durch die Angebote in der angrenzenden Straße In den Diken ergänzt. In der Vergangenheit hat die Einkaufsstraße immer gute Bewertungen erhalten, wenn es um das Thema Nahversorgung ging, und das dürfte auch weiterhin der Fall sein, denn dort sind viele Branchen und Dienstleister, Supermärkte und Discounter vertreten.

 Die Westfalenstraße ist auch bei schlechtem Wetter einen Besuch wert.

Die Westfalenstraße ist auch bei schlechtem Wetter einen Besuch wert.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Sogar die Sparkasse und die Post haben dort noch Filialen, aber auch ein Uhrmacher, Juweliere und ein Schreibwarengeschäft. Ergänzt wird das vielfältige Angebot noch durch öffentliche Einrichtungen, die Stadtteilbücherei und das Zentrum plus befinden sich im Umfeld der Straße und sorgen mit für eine hohe Passantenfrequenz.

„Der Anteil an Geschäften mit Waren im unteren Preissegment, Discountern und ethnisch geprägten Lebensmittelläden“ ist allerdings hoch, wie es auch im Rahmenplan heißt. Zudem macht der nördliche Bereich den Politikern und Bürgern Sorge, da dort viel Leerstand herrscht, die Nutzungen rasch wechseln.

Die Anbindung allerdings ist wieder sehr gut. Zwei Straßenbahnlinien, mehrere Buslinien und die S-Bahn halten nahe der Westfalenstraße. So können auch Kunden aus anderen Stadtteilen gut die Einkaufsstraße erreichen.

Zudem gibt es zahlreiche Parkplätze In den Diken und kostenfreie Stellplätze im Rather Carré. Schlecht abgeschnitten hat die Straße früher, wenn es um das Thema Aufenthaltsqualität ging. Die hat sich durch den neuen Quartiersplatz allerdings verbessert. Dort befinden sich zahlreiche Sitzmöglichkeiten und ein Spielplatz, Zudem haben dort mehrere gastronomische Betriebe eröffnet, deren Außenterrassen für eine zusätzliche Belebung der Straße sorgen.

Luegallee Seit die Luegallee 1898 im Zuge des Baus der ersten Oberkasseler Brücker angelegt worden ist, gilt sie linksrheinisch in Düsseldorf als einer der wichtigsten Straßen. Mit zahlreichen inhabergeführten Geschäften, Cafés und Nahversorgern findet sich auf der gesamten Länge des Boulevards ein reichhaltiges Angebot.

 Die Luegallee punktet auch durch ihre vielen Bäume und eine gute Anbindung an den ÖPNV.

Die Luegallee punktet auch durch ihre vielen Bäume und eine gute Anbindung an den ÖPNV.

Foto: Niklas Keck

Auch Bäckereien, Feinkostgeschäfte sowie eine Buchhandlung finden sich an der mit zahlreichen Bäumen gesäumten Straße. Die meisten Geschäfte liegen dabei auf der vom Rhein aus betrachtet linken Seiten der Allee. Auf der rechten Seite haben sich neben der Post zudem mehrere Banken und Apotheken angesiedelt.

Auf halber Strecke zwischen Luegplatz und Belsenplatz ragt die St. Antonius-Kirche in die Höhe, die mitunter in den Abendstunden angestrahlt wird. Einige Meter weiter vor der Sparkasse, der Stadtbücherei und dem Bürgerbüro, wo im Frühjahr die Kirschbäume blühen, kann auf Sitzbänken verweilt werden. Die Außenplätze der Restaurants und Cafés am Barbarossaplatz sind im Sommer gut belegt.

Eng wird es manchmal auf der Straße: Die Fahrbahn teilen sich Autofahrer und Fahrradfahrer, für die es einen relativ breiten Radschutzstreifen gibt. An den Straßenrändern stehen wahlweise parkende Autos – oder Tische und Stühle der Außengastronomie. Entsprechend knapp ist – trotz der Tiefgarage am Barbarossaplatz – der Parkraum. Die Geschäfte an der Luegallee würden daher „von vielen Kundinnen und Kunden zu Fuß oder mit dem Rad aufgesucht“ werden, heißt es im Rahmenplan.

Bei der Anbindung an den ÖPNV kann die Luegallee dagegen punkten. Vom Luegplatz am Ende der Oberkasseler Brücke über den Barbarossaplatz bis zum Belsenplatz am Oberkasseler Alten Bahnhof finden sich auf der gesamten Länge der Allee gleich drei Haltestellen der Stadtbahnlinien. Auch mit dem Bus erreicht man die Luegallee gut. Die Buslinien halten allesamt am Belsenplatz, von wo es sich auf der Luegallee in Richtung Rhein gut flanieren lässt.

Nordstraße Die Nordstraße in Pempelfort hat schon bessere Zeiten erlebt, Leerstand ist hier längst kein Fremdwort mehr. Dennoch ist das sicherlich Jammern auf hohem Niveau, denn die Nordstraße funktioniert noch und wird auch gerne bewusst angesteuert, dafür garantiert schon die gute Anbindung. Gleich mehre Straßenbahnenlinien haben zwischen Dreieck und dem U-Bahnanschluss am Anfang der Nordstraße Haltestellen.

Parkplätze allerdings sind nur wenige vorhanden. Für die Nordstraße spricht: Steht ein Ladenlokal leer, findet sich relativ schnell ein Nachfolger – und meist einer mit Niveau. Groß war die Trauer, als das Les Halles St. Honoré schloss, aber mit dem veganen Sila Thai wurde die Lücke geschlossen. Auch das Eiscafé Dulce wurde vermisst, aber mit der Filiale der schwedischen Kette Espresso House adäquat ersetzt.

Bei einer aktuellen Umfrage der IHK gaben die Besucher der Nordstraße vor allem den Mix und die Angebotsvielfalt als Standortvorteil an. Und genau das macht diese Einkaufstraße aus. Sie hat von allem etwas und ist daher nie langweilig.

Und sie profitiert von ihren Nebenstraßen, der Schwerinstraße etwa, die mit kleinen, inhabergeführten Läden, Restaurants und Kneipen lockt und zudem den Weg zum vielleicht schönsten Wochenmarkt in Düsseldorf auf dem Kolpingplatz weist.

Die Nordstraße vermag auch zu überraschen, zum Beispiel mit den Hinterhofläden an der Hausnummer 80, wo dann auch noch das entzückende Café à Midi zu einem Besuch einlädt. Andere, nicht zu übersehende Gastronomien runden das Bild ab: eine zünftige Mahlzeit im Weiß-Blauen Haus, eine knusprige Haxe im Himmel & Ähd oder eine scharfe Bouillabaisse im Café Florian – es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Das ist der Grund, warum die Stadtteilzentren sich nicht zu verstecken brauchen.