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Düsseldorf: Staatsanwalt beantragt Haftbefehl für Holocaust-Leugnerin

Tweet nach Anne-Will-Sendung : Staatsanwalt beantragt Haftbefehl für Holocaust-Leugnerin

Eine 51-jährige Unternehmerin erschien nicht zu ihrem Prozess in Düsseldorf. Nach einer Sendung von Anne Will hatte sie auf Twitter Zweifel geäußert, ob Auschwitz wirklich eine Vernichtungslager war.

(wuk) Sie suchte die Öffentlichkeit, um ihre krude Ansicht zu verbreiten – doch als sie dafür wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust angeklagt wurde, hat eine Autorin und Unternehmerin (51) den öffentlichen Prozess beim Amtsgericht gemieden. Der Staatsanwalt will sie aber unbedingt auf der Anklagebank sehen, hat daher einen Haftbefehl gegen sie beantragt. Ob es dazu jedoch kommt und wann ein neuer Prozesstermin festgesetzt wird, will die Richterin noch prüfen.

Ungeheuerlich waren die Ansichten, die jene Autorin im Januar unter Bezug auf eine aktuelle TV-Sendung der Moderatorin Anne Wille über den Internet-Dienst Twitter verbreitet haben soll. In der Sendung hatte eine Holocaust-Überlebende über  ihre Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz im Jahr 1943 berichtet. Direkt als Reaktion darauf war unter dem Namen der Angeklagten öffentlich in Frage gestellt worden, wo die Studio-Zeugin denn gesehen habe, „dass es Holocaust und die Millionen toten Juden gegeben hat? Waren nur Erzählungen, die sie spät bekommen hat“, so der Twitter-Eintrag. Die Verfasserin zweifelte auch an, dass Auschwitz ein Zwangsarbeitslager, eigentlich ein Vernichtungslager gewesen ist, und fand, die Studio-Zeugin sei vorher wohl „getrimmt worden, um „über Nazi und Hitler zu schimpfen“. Im Schlusssatz hieß es sogar: „Keine Bestätigung für KZ Auschwitz und SS war menschlich“. Dafür wegen Volksverhetzung angeklagt, ließ sich die 51-Jährige beim Prozesstermin aber nicht blicken. Vor zwei Monaten hatte sie keine so große Scheu vor öffentlicher Meinungsmache, hatte in einem Pro-AfD-Kommentar behauptet, die „Regierung und Grünen“ würden „betrügen und das deutsche Volk benachteiligen und ignorieren“. Insgesamt befand der Staatsanwalt daher, dass diese Angeklagte nicht in Abwesenheit schriftlich per Strafbefehl verurteilt werden sollte, sondern zur Not auch zwangsweise auf die Anklagebank gebracht werden müsse. Ob die Richterin diesem Antrag folgt und wann das sein könnte, ist aber noch ungewiss.