Düsseldorf: So will OB Thomas Geisel die städtischen Beteiligungen umbauen

Pläne für Düsseldorf : OB Geisel holt Finanz-Manager und gibt Aufsichtsratsmandate ab

Oberbürgermeister Thomas Geisel zieht die Verwaltung städtischer Beteiligungen an sich. Chef für diese Aufgabe soll Norbert Menke werden. Coup bei der Stadtsparkasse: Dort will Geisel den Aufsichtsratsvorsitz an den Wirtschaftsprofessor Justus Haucap abgeben.

Künftig sollen die einzelnen Beteiligungen der Stadt an Unternehmen unter der Leitung von Norbert Menke gesteuert werden, sagte OB Geisel bei der Pressekonferenz am Mittwochmorgen . Menke (56) war zuvor als Geschäftsführer der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft tätig. Seit knapp einem Jahr ist er ohne Job. Geisel wollte ihn bereits zum Rheinbahn-Chef machen, hatte damit aber keinen Erfolg.

Menke soll Geschäftsführer der städtischen Holding werden und zugleich eine Stabsstelle im Büro des Oberbürgermeisters leiten. Somit ist er für sämtliche Beteiligungen des Konzerns Stadt zuständig: Die Landeshauptstadt ist direkt und indirekt an 108 Gesellschaften und ihren Tochterunternehmen beteiligt, darunter die Rheinbahn, der Flughafen sowie die Stadtwerke und die Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR).

„Die Beteiligungen sollen unter einheitlicher Führung noch stärker am Wohl der Düsseldorfer aufgerichtet werden, denn sie sind die wahre Anteilseigner unserer Gesellschaften“, so Geisel.

Die Holding, welche die Finanzströme der Beteiligungen regelt, soll Menke gemeinsam mit Kämmerin Dorothée Schneider führen. Diese verliert die Abteilung für Beteiligungsverwaltung, OB Geisel zieht die Verantwortung an sich. Ungefähr zwölf Mitarbeiter sind von der Umorganisation betroffen.

Mit dieser Neuordnung gibt der OB einige Aufsichtsmandate ab. Dies war aus Reihen der Politik schon lange gefordert worden. Neben einer persönlichen Entlastung vollzieht Geisel den Schritt aber auch, weil er „die Tendenz der Politisierung der Aufsichtsräte eindämmen“ möchte. Die Arbeit in Aufsichtsräten sei nicht die Fortsetzung der politischen Tätigkeit im Stadtrat, meinte Geisel. Er befürchte eine zunehmende Politisierung, je näher Wahlen kommen. Hintergrund: Im Herbst 2020 sind Kommunalwahlen. Geisel hat somit auch mehr Zeit für den Wahlkampf.

Die Kämmerin soll von Geisel die Posten bei Flughafen, Stadtwerken und Städtischer Wohnungsbaugesellschaft übernehmen. Bei Messe und Rheinbahn führt Geisel weiter den Aufsichtsrat, bei der Rheinbahn sieht er sich nach der Krisenzeit der letzten Monate dem Vorstand besonders verpflichtet.

Für den Verwaltungsrat der Sparkasse schlägt Geisel an der Spitze den Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap (50) vor. Das ist ein Coup, Haucap ist ein bundesweit anerkannter Fachmann, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Heinrich-Heine-Universität. Mehrere Jahre war er Vorsitzender der Monopolkommission der Bundesregierung. Der Düsseldorfer (wohnhaft in Gerresheim) sieht in der Tätigkeit bei der Stadtsparkasse ein Engagement für die Öffentlichkeit. Der Stadtrat muss seiner Bestellung noch zustimmen.

Wie hoch das Gehalt von Norbert Menke sein soll, wollte Geisel nicht sagen. Die Zahl 300.000 Euro, die von Politikern genannt wurde, bestätigte der OB nicht. „Herr Menke ist ein bodenständiger Mann und kein Raffke“, sagte Geisel. Der Aufsichtsrat der Holdung werde über das Gehalt beraten und eine Empfehlung aussprechen. Die letzte Entscheidung liegt aber bei Geisel als Gesellschaftervertreter. Menke soll seinen Dienst möglichst zügig antreten, die Rede ist von Mitte Juni oder 1. Juli.

(csr/ujr)
Mehr von RP ONLINE