Düsseldorf: Seniorenrat fordert freien Museumseintritt für Ältere

Vorstoß in Düsseldorf : Seniorenrat will freien Eintritt in Museen

Der Vorstoß, Senioren freien oder ermäßigten Eintritt in Düsseldorfer Museen zu gewähren, kommt nicht überall gut an. Die CDU verweist auf die bereits bestehenden Vergünstigungen.

Es gibt Tage, da ist es gähnend leer in den Düsseldorfer Museen, „und das liegt sicher nicht an der Qualität der Ausstellungen – die ist weltweit unbestritten“, sagt Georg Jungbluth. Damit diese „Leerzeiten“ mit Besuchern gefüllt werden, setzt sich der Vorsitzende des Seniorenrats jetzt dafür ein, dass Menschen ab 60 mindestens deutlich ermäßigt, am liebsten kostenfrei die städtischen Kulturangebote nutzen können.

„Viele Senioren bekommen karge Renten, können sich keine Art­:card für 80 Euro leisten“, meint Jungbluth, der sich sicher ist, dass die Zahl der Besucher in den Kultureinrichtungen steigt, wenn der Eintritt frei wäre. „Tatsache ist, dass der Besucherandrang in den Museen, die einmal im Monat freien Eintritt gewähren, enorm ist“, so Jungbluth. Unterstützung bekommt er zum Beispiel von Susanne Anna. Die Direktorin des Stadtmuseums findet, „dass das Stadtmuseum allen Bürgern freien Eintritt gewähren sollte“.

Das Argument, der Stadt würden mit dem Vorstoß des Seniorenrates Einnahmen entgehen, versucht Jungbluth zu entkräften: „Das müsste tragbar sein.“ Profitieren würden mehr als 145.000 Senioren, „die jährlichen Einnahmen aus Eintritten betrugen in den vergangenen Jahren ohne Aquazoo nur etwa 250.000 Euro“, sagt Jungbluth. Bei einem Anteil der Seniorenbesuche von 20 bis 30 Prozent würde der Einnahmeausfall bei maximal 25.000 bis 30.000 Euro liegen, rechnet er vor.

Weil aber nicht nur Senioren Rabatte, Vergünstigungen oder gar freien Eintritt fordern, hält Bürgermeister und Vorsitzender des Kulturausschusses Friedrich G. Conzen (CDU) wenig von der Idee. „Wer will denn überhaupt noch für Kultur bezahlen?“, fragt er. Die Jugend brauche das nicht, dazu gebe es in Einrichtungen lange Donnerstage, und die letzte Stunde am Tag ist in vielen Museen Happy Hour, also freier Eintritt. „Viele Senioren haben die Zeit, die bereits bestehenden vergünstigten Angebote zu nutzen“, findet Conzen, „und nicht alle Senioren haben wenig Geld.“ Dazu kommen die Kosten, die Museen für Sonderausstellungen einkalkulieren müssen: „Das Heinrich-Heine-Institut hat 18.000 Euro im Jahr dafür“, sagt der CDU-Bürgermeister, davon müsse die Einrichtung auch Transporte und Versicherungen bezahlen.

Ein bisschen offener für den Vorschlag ist Clara Gerlach von den Grünen, die so ein Angebot aber nicht pauschal für Rentner einführen würde, sondern lieber für alle Altersgruppen Angebote schaffen möchte, die sich den Eintritt nicht leisten können. „Alleinerziehende etwa“, sagt die Grünen-Politikerin. Bisher habe der Kulturausschuss den Fokus auf Azubis und Studenten gelegt, „in dieser Gruppe haben fast alle wenig Geld“, sagt Gerlach, die zudem bezweifelt, dass freier Eintritt zwangsläufig mehr Leute in die Museen bringt. „Wir brauchen innovative Konzepte, damit die Leute auch wirklich kommen“, sagt Gerlach.

Die SPD-Kulturfraktion hat in die diesjährigen Haushaltsberatungen die Umsetzung eines eintrittsfreien Sonntags in die städtischen Museen eingebracht. „Und zwar für alle, jung und alt“, sagt Cornelia Mohrs. Die Verwaltung prüft zur Zeit die Umsetzung eines solchen Tages. „Sollte er eingeführt werden, würden davon natürlich auch Senioren profitieren“, meint Valentina  Meissner, Sprecherin der Stadt.

Einer, der sich unbedingt um das Thema kümmern will, ist FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Neuenhaus. Sobald die Kooperation mit dem Asta der Uni Düsseldorf für ein Kultursemesterticket steht, „sind die Senioren dran“, verspricht er. Vor allem will er sich dafür einsetzen, dass der eintrittsfreie Tag auf den Sonntag gelegt wird. „Da fühlen sich die Senioren am einsamsten“, sagt Neuenhaus, und die Kritik, dass es ebenso viele Senioren mit guten Renten gibt, kann er nicht verstehen, „gerade alleinstehende Frauen geraten schnell in die Altersarmut“, so der FDP-Chef.

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