Düsseldorf: Selbstverteidigung für städtische Mitarbeiter

Nach Angriffen in Bürgerbüros: Selbstverteidigungskurse für städtische Mitarbeiter in Düsseldorf

Angesichts zunehmender Attacken etwa in Bürgerbüros will die Stadt Düsseldorf ihre Mitarbeiter besser schützen. Die Betriebssportgruppe erhielt jetzt einen Schutzanzug für Übungsstunden.

Angesichts der zunehmenden verbalen und körperlichen Attacken auf städtische Mitarbeiter will die Verwaltung deren Sicherheit stärker in den Fokus nehmen. Einerseits lernen städtische Mitarbeiter deshalb, Gespräche deeskalierend zu führend und gefährliche Situationen zu erkennen.

Andererseits sollen sie sich in einer Notsituation auch physisch schützen und wehren können. Dazu übergab Karsten Tückmantel aus dem Personaldezernat am Mittwoch der Betriebssportgemeinschaft der Stadt eine Trainingsmontur, an der Selbstverteidigung ohne die Sorge geübt werden kann, das Gegenüber ernsthaft zu verletzen. "Die Stadt hat dieses Thema fest im Blick und weiß, wie wichtig Selbstverteidigung sein kann", sagte Tückmantel.

Was ist der Hintergrund?

Gewalttätige Übergriffe auf städtische Mitarbeiter sind nach Angaben der Verwaltung keine Ausnahme. Gegeben hat es sie schon immer, zuletzt sind sie aber immer öfter vorgekommen. "In jüngster Zeit häufen sich Beleidigungen, die Androhung von Gewalt gegenüber Mitarbeiter oder das Betreten der Dienststelle in alkoholisiertem Zustand", berichtete die Stadt erst vor zwei Wochen. Anlass war ein Vorfall in der KFZ-Zulassungsstelle: Ein alkoholisierter Servicedienstleister ging eine Bedienstete lautstark verbal an, die Polizei wurde gerufen.

Auch die Bürgerbüros sind oftmals Schauplätze von Auseinandersetzungen - eben jene Dienststellen, in denen es viel Kontakt mit Bürgern gibt. Im Januar hatte ein Besucher im Bürgerbüro Eller aggressiv auf die Erklärung reagiert, dass keine Termine mehr frei seien, es kam zu einer Rangelei. Die Polizei wurde in diesem Fall nicht gerufen, der Mann erhielt Hausverbot. Personaldezernent Andreas Meyer-Falcke sieht in dieser Entwicklung ein gesamtgesellschaftliches Phänomen: dass Menschen heute schneller Gewalt gegen andere richten.

Welches Training bietet die Stadt ihren Mitarbeitern?

Die Betriebssportgemeinschaft bietet Sportarten von Badminton bis Zumba. Seit Jahren werden auch Selbstverteidigungskurse angeboten, deren Bedeutung jetzt mehr in den Blick rückt. Natürlich sei es nicht das Ziel, dass Mitarbeiter künftig gleich aggressiv reagieren, wenn ein Kunde einmal unangenehm auftrete - deshalb werde auch deeskalierende Gesprächsführung geübt, sagte der Leiter der Jiu-Jitsu-Sparte, Karl-Heinz Bergers. "Aber die Beschäftigten lernen eben auch, sich aus einer unangenehmen Situation zu befreien oder jemanden abzuwehren." Die Nachfrage ist groß, die Zahl der Selbstverteidigungskurse wird in Zukunft wohl noch steigen.

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Und wozu der Anzug?

Der rund 2000 Euro teure Anzug aus hartem Schaumstoff (der weit leichter ist, als er aussieht) soll bei den Kursen denjenigen schützen, der im Szenario den Angreifer darstellt. "Für uns ist es wichtig, so ein professionelles Arbeitsmittel zu bekommen", sagt Bergers. Viele hätten sonst Hemmungen, einen Menschen tatsächlich zu schlagen oder zu treten.

Auch die Trainer werden profitieren: Wenn eine Frau doch mal beherzt zulangte, habe der eine oder andere in der Vergangenheit eine blutige Nase davongetragen, sagt der Vorsitzende der Betriebssportgemeinschaft, Thomas Wittstock.

Was tut die Stadt sonst für die Sicherheit Mitarbeiter?

Deeskalationsschulungen sind für die Mitarbeiter der Bürgerbüros inzwischen verpflichtende Fortbildungen. Auch technische Hilfen werden ausgebaut, um das Risiko für Täter höher zu machen und die Mitarbeiter zu schützen. "Die Technik entwickelt sich immer weiter", sagt Karsten Tückmantel.

Dazu gehören Alarmsysteme, mit denen Mitarbeiter im Notfall Hilfe rufen können - mit einem Knopfdruck über den PC, nicht mehr über das Telefon. Bargeld soll möglichst nicht über den Tisch gereicht, sondern in Zählautomaten geworfen werden. Gefährliche Gegenstände werden in öffentlichen Büros nicht "griffbereit" platziert - in der Vergangenheit waren auch mal Prospektständer durch Räume geschleudert worden. Die Stadt betont, dass sie solche Attacken konsequent zur Anzeige bringt.

(RP)