Düsseldorf: Schultoiletten dreckig - Schüler fordern Sauberkeit

Hygiene mangelhaft: Düsseldorfer Schüler fordern saubere Toiletten

An vielen Düsseldorfer Schulen sind die Klos verdreckt - trotz der Sanierungsprogramme scheuen viele Schüler deshalb den Gang zum stillen Ort. Über mehrere Lösungen wird diskutiert, der große Wurf ist noch nicht dabei.

Manchmal stinkt es den Düsseldorfer Schülern gewaltig. Nicht weil sie sich über zu viel Hausaufgaben oder ungerechte Lehrer ärgern, sondern weil sie einem ganz natürlichen menschlichen Bedürfnis nachgehen müssen. „Viele Kinder meiden den Toilettengang, halten lieber ein, so lange es irgendwie geht, und haben dann nachmittags Bauchweh“, sagt Wolfgang Drummer von der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS).

Giustina Ruehs, Abiturientin des Leibniz-Montessori-Gymnasiums, erinnert sich, „dass ich schon in meiner Grundschule 20 Cent in eine Toilettenkasse einzahlen musste, weil Kräfte der Übermittagbetreuung dort Aufsicht führten.“ Die Sanitäranlagen seien leider „kein Vertrauensort“, an dem sich Schüler gerne aufhielten, meint die Gymnasiastin.

Fünf Jahre ist es her, da zog die Stadt nach zahlreichen Beschwerden von Eltern, Kindern und Pädagogen mit dem Programm „Sanieren macht Schule“ die Notbremse. 2,5 Millionen Euro aus dem Masterplan Schulen und dem Konjunkturppaket II flossen in die Sanierung zahlreicher Anlagen. „Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Selbst in frisch sanierten Toilettenanlagen werden Hygienemängel und Geruchsbelästigungen angezeigt, die maßgeblich auf das Verhalten der Nutzer zurückzuführen sind“, sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Über „typische Beispiele“ für den schlechten Umgang mit dem stillen Örtchen muss er nicht lange nachdenken. Mutwillig mit Toilettenpapierrollen verstopfte WC-Schüsseln, mit Fäkalien beschmierte Sitz-Brillen sowie umgekippte Papierhandtuch-Eimer seien leider keine Ausnahme. Und auf solche Auswüchse sei die standardisierte städtische Reinigung nicht ausgelegt.

Ein Patentrezept, wie man das verhindern kann, hat Inge Schleier-Groß, Leiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums in Golzheim, auch nach drei Jahrzehnten nicht. Versucht hat sie fast alles. Mal musste das Toilettenpapier im Sekretariat einzeln abgeholt werden, mal wurde per Aushang angedroht, die Toiletten nur zu bestimmten Zeiten zu öffnen und für dringende Einzelfälle einen Sonderschlüssel zu hinterlegen. Gar nichts hält sie von eigens eingestellten Aufsichtskräften. Das Thema sei hochkomplex. „Ein Förderverein, der die Kraft bezahlen müsste, darf nicht immer wieder befristete Arbeitsverträge für ein und dieselbe Tätigkeit ausstellen, er könnte zur Festanstellung seiner ersten Hilfskraft gezwungen werden – ein viel zu hohes Risiko.“

Hinzu kommt: Kein Schüler darf zur Abgabe eines „Toiletten-Euros“ verpflichtet werden. „Solche Pflichtabgaben können Eltern und Schülern nicht vorgeschrieben werden, das ist schlicht illegal“, sagt Florian Dirszus, Vize-Leiter des Schulverwaltungsamts. Das Gros der Düsseldorfer Schulen verzichte deshalb auf solche Kräfte. Auch Elternvertreter Drummer befürwortet eine pädagogische Herangehensweise. „Mit Hilfe der Pflegschaft kann man aus dem Thema saubere Toilette beispielsweise ein schulweites Projekt machen“, sagt er. „Und wir müssen uns Gedanken über die Reinigungsvorgaben machen“, meint der Vater einer Gymnasiastin. Häufig müssten große Flächen in sehr kurzer Zeit gesäubert werden. Zudem sei fraglich, ob an größeren Standorten mit Hunderten oder sogar mehr als 1000 Schülern eine Reinigung am Tag wirklich reiche. „Darüber haben wir als Pflegschaft mit dem Bereich Zentrale Dienste im Rathaus gesprochen“, sagt Drummer. Die Signale seien positiv gewesen. Hintzsche bestätigt das: „Bei hohen Zahlen und starker Nutzung können wir eine zusätzliche Zwischenreinigung in Auftrag geben.“