Aktionstag gegen Rassismus Damit Rassismus an der Schule keinen Platz hat

Düsseldorf · Das lokale Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wächst. Mehr als 18 Düsseldorfer Schulen nehmen an dem Projekt teil. Am 20. März findet ein Aktionstag in Düsseldorf statt.

 Engagieren sich gegen Rassismus und Diskriminierung: Sami Benamar, Anissa Boulakhref und Heinke Bundrock (v. l.).

Engagieren sich gegen Rassismus und Diskriminierung: Sami Benamar, Anissa Boulakhref und Heinke Bundrock (v. l.).

Foto: Christopher Trinks

Es ist kein Preis und auch keine Auszeichnung, die am Eingang der Dieter-Forte-Gesamtschule hängt. Vielmehr ist die Plakette „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ eine Selbstverpflichtung, die sich die Schüler und Lehrer der Gesamtschule zusammen auferlegt haben. Eine Verpflichtung ohne bindende Konsequenzen zwar, deren Bedeutung Anissa Boulakhref und Sami Benamar aber schon seit der achten Klasse verinnerlichen. „Schule ist ein Ort, an dem ich mich sicher fühlen möchte“, sagt Anissa. „Habe ich Angst dort hinzugehen, beeinflusst das meine Bildungsentwicklung“, sagt Sami.

Viele Projekte sind seitdem von Schülervertretung und Lehrerin Heinke Bundrock zur Thematik angestoßen worden. Gedenkstättenfahrten, ein selbstproduziertes Theaterstück zum NSU-Prozess oder die Gründung einer AG gegen Homophobie trugen zur Sensibilisierung der Schüler bei. Doch noch immer kann Rassismus Platz in den Köpfen mancher Schüler finden – besonders dann, wenn diskriminierende Äußerungen in der Schulhofsprache benutzt werden. „Wir sind zwar eine bunte Schule, dennoch sehen einige das Wort Jude beispielsweise als beleidigend an. Vor allem ältere Schüler, auch wenn die es wohl eher im Spaß benutzen. Aus dem Geschichtsunterricht wissen die schon, dass so etwas nicht geht“, sagt Anissa. „Bei den jüngeren Schülern, die sich noch nicht mit dem Nationalsozialismus im Unterricht befasst haben, prägt sich das aber ein. Die hört man dann Begriffe sagen, die so nicht mehr in unsere Zeit gehören“, sagt Sami.

Da setzt das Prinzip der Selbstverpflichtung an. Vorbild sein, wenn nötig einschreiten und Zivilcourage zeigen – mehr als 70 Prozent aller Schüler und Lehrer haben sich mit ihrer Unterschrift dazu verpflichtet. Es ist die Bedingung zur Teilnahme am Projekt des Vereins „Aktion Courage“, welches die Initiative 1995 ins Leben rief. Mittlerweile ist daraus ein bundesweites Netzwerk mit zahlreichen kommunalen Koordinierungsstellen entstanden, die Schulen bei der Bewerbung unterstützen und Referenten oder finanzielle Hilfen für Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung vermitteln. Zudem treffen sich einmal jährlich die teilnehmenden Düsseldorfer Schulen, um Anregungen und Ideen auszutauschen. „So kam beim jüngsten Treffen vor zwei Wochen der Wunsch bei den Kollegen hoch, ein eigenständiges Fach Demokratie einzubringen“, sagt Bundrock. Wertevermittlung und Auseinandersetzung mit der Demokratie sollen dadurch vereinfacht in den Stundenplänen untergebracht werden können.

18 Schulen sind mittlerweile Teil dieses Netzwerkes – und geht es nach Sabine von Zedlitz-Neukirch, ist ihr Max-Weber-Berufskolleg bald die 19. Schule: „Wir haben einen relativ hohen Migrationsanteil, aus dem sich manchmal ein Problem zwischen den Schülern ergeben kann.“ Sie will die Unterschriften von 2360 Schülern und mehr als 70 Kollegen nun für die Selbstverpflichtung zur Zivilcourage gewinnen. „Weltoffenheit und unterschiedliche Lebensweisen zu akzeptieren, ist uns wichtig, da viele Schüler über uns ins Ausland gehen. Wir wollen sie deswegen noch stärker für diese Werte sensibilisieren.“ Unter anderem mit der Wanderausstellung „Mensch, du hast Recht(e)“ der Anne-Frank-Stiftung, welche ab dem 2. März für drei Wochen im Düsseldorfer Berufskolleg für die Schüler zugänglich sein wird.

Gleichwohl ist allen Beteiligten bewusst, dass Unterschriften und eine Plakette am Schuleingang das Problem nicht alleine beseitigen werden. Zumindest soll der Grundgedanke hinter dem Projekt Anstoß und auch Vorbild für die Schüler geben, erklärt Zedlitz-Neukirch. „Quasi als eine Art Mosaikstein zusätzlich zum Unterricht, der die Thematik in verschiedenen Fächern aufgreift. Nur eine Unterschrift geben reicht natürlich nicht. Die Schüler sollen den Gedanken auch leben.“

Die Düsseldorfer Courage-Schulen beteiligen sich auch an der Gestaltung des „Internationalen Tags gegen Rassismus” am 20. März, von 14 - 17 Uhr auf dem Schadowplatz.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, der Aktionstag finde am 21 März statt. Doch auch wenn der Internationale Tag gegen Rassismus am 21. März ist, finden die Aktionen in Düsseldorf laut dem Amt für Migration und Integration am Vortag statt, um den Courage-Schulen ebenfalls eine Teilnahme zu ermöglichen.

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