Düsseldorf: Schlangestehen vorm Bordell

Schmuckausstellung: Schlangestehen vorm Bordell

Die große Schmuckausstellung ist am Samstag das Eine. Vor allem aber wollen sich die Besucher des früheren Bordells an der Rethelstraße die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einmal zu sehen, wie es drin so aussieht.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Ausstellungsort sei eher zufällig entstanden, sagt er. Düsselgold organisiert seit 2007 jedes Jahr mindestens eine Ausstellung. Diese fanden in den vergangenen Jahren meistens im Goethe-Museum statt. Aufgrund der dort anstehenden Bauarbeiten musste ein anderer Ort gefunden werden, und da eines der Düsselgold-Mitglieder mit dem Besitzer der Häuser in der Rethelstraße gut bekannt ist, wurde spontan entschieden, dieses Mal in den ehemaligen Bordellräumen auszustellen. "Die Räume sind unkonventionell und spektakulär", sagt Goldschmiedin Anke Kanning. Das findet auch ihr Sohn Markus, der die Gelegenheit nutzt, sich gemeinsam mit seiner Freundin überall umzuschauen. Unkonventionell ist hier auch die Art der Schmuckpräsentation. Die Designer zeigen ihre Stücke nämlich in edlen, zum Teil mit rotem Samt ausgeschlagenen, Koffern. "Normalerweise wird der Schmuck in Vitrinen präsentiert, aber die Koffer passen hier einfach viel besser hin", erklärt Kanning: "Und so kamen wir mit unseren gepackten Koffern ins Bordell."

Dass die meisten Besucher nicht unbedingt wegen des Schmucks gekommen sind, wissen die Designer natürlich. Der größte Andrang herrscht nämlich dort, wo die zum Etablissement gehörenden Gegenstände verkauft werden. Seien es nun Lampen, Bilder, Spiegel mit Glitzerrand, Pin-up-Figuren in unterschiedlichen Größen, Champagnerkübel, neue oder auch gebrauchte Bademäntel, Frotteeschlappen - fast alles ist hier käuflich. Britta Beumers hat gerade einen Bademantel erstanden und erzählt, sie habe über Facebook von der Veranstaltung erfahren und sei neugierig geworden. "Wann hat man als Frau schon mal die Gelegenheit, ein solches Haus von innen zu sehen", sagt sie.

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Designerin Susanne Leu freut sich trotzdem, dabei zu sein. Selbst wenn sie nicht unbedingt etwas verkauft, nutzt sie die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. "So viele Besucher hatten wir noch bei keiner einzigen Ausstellung." Darüber freut sich auch Anemone Tontsch, Mitbegründerin von Düsselgold. "Natürlich sind die meisten Besucher eher an der Location interessiert, aber darüber kommt man leicht miteinander ins Gespräch, und das eine oder andere Schmuckstück lässt sich dann doch verkaufen." Zumal viel mehr Frauen als Männer gekommen sind. Woran das liegt? "Vielleicht sind Frauen einfach neugieriger", meint Tontschs Mutter Sigrid.

(RP)