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Düsseldorf: Schickes Wohnen geht auch preiswert

Wohnen in Düsseldorf : Schicke Architektur geht auch preiswert

Günstige Wohnungen können genauso hochwertig wie Luxusquartiere sein: Das neue "Mörsenbroicher Carrée" ist ein Beweis dafür. Für die Ringelsweide in Bilk stellte jetzt Architekt Karl-Heinz Petzinka ebenfalls einen solchen Entwurf vor.

Ein neues Wohnquartier auf ehemaligem Industriegelände - das will Architekt Karl-Heinz Petzinka an der Ringelsweide in Bilk schaffen. Alte Lagerhallen sollen dort zu schicken Wohnhäusern werden mit riesigen Gärten auf ihrem Dach. Im Erdgeschoss soll es Einzelhandel geben und eines der Häuser bekommt sogar einen Biergarten. Das klingt zunächst nach einem weiteren Luxusprojekt in Düsseldorfs Wohnlandschaft, ist es aber bei weitem nicht. Denn: Eines der beiden geplanten Wohnhäuser soll vollständig preisgedämpft sein, wie Petzinka erklärt.

Der Architekt, der zum Beispiel das Stadttor entwarf und als Professor an der Kunstakademie lehrt, folgt damit einem neuen Trend: Preisgedämpfte und öffentlich geförderte Wohnungen sollen nicht mehr von frei finanziertem Wohnraum unterscheidbar sein, fordern Experten aus der Branche. "Gute Architektur muss nicht teuer sein, dafür gibt es zahlreiche Beispiele - auch hier in Düsseldorf. Die Rheinwohnungsbau-Genossenschaft hat zum Beispiel sehr schöne preisgünstige Wohnungen an der Hammer Straße gleich im Medienhafen geschaffen. Das ist doch ein tolles Umfeld", sagt Alexander Fils (CDU), der Vorsitzende des Planungsausschusses des Stadtrates. Möglich mache dies oft sparsames Bauen mit günstigen, aber dennoch hochwertigen Materialien oder der Bau von energiesparenden Häusern. "In Köln gibt es zum Beispiel ein Haus, das vollständig ohne Heizung auskommt. Das spart später den Mietern einiges an Kosten", sagt Fils. In Österreich werde bei einigen Bauprojekten teilweise so günstiges Material verbaut, dass die Kosten pro Quadratmeter bei bloß 1500 Euro lägen. "Das ist exakt die Summe, die Investoren sonst vom Land als Zuschuss für Sozialwohnungen bekommen. Es rechnet sich so also für sie auch noch, geförderte Wohnungen zu bauen."

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Ein weiteres Beispiel für ein neues Quartier mit schönen, preisgünstigen Wohnungen ist das "Mörsenbroicher Carée" der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft (DWG). "Bei Neubauten ist nicht mehr von außen zu erkennen, ob die Wohnungen darin sozial gefördert oder frei finanziert sind. Das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt DWG-Vorstand Heiko Leonhard. Triste Hochhäuser hätten ausgedient. "Sicher gibt es die in Düsseldorf in Stadtteilen wie Garath auch noch. Aber das sind Gebäude aus den 1970er Jahren. Damals wurde so gebaut." Die DWG würde deshalb nur noch architektonisch anspruchsvoll bauen, um Lebensqualität zu schaffen.

Auch Planungsdezernent Gregor Bonin sieht die Schaffung von attraktivem, preisgünstigem Wohnraum als wichtige stadtplanerische Aufgabe für die kommenden Jahre. "Sozialwohnungen sollen nicht von anderem Wohnraum separiert werden. Wir als Stadt können darauf bei Wettbewerben einwirken, indem wir Investoren die Maßgaben stellen, attraktive Wohnungen für alle zu bauen", sagt Bonin. Außerdem definiere sich Luxus nicht nach der Architektur und dem verbauten Material im Inneren einer Wohnung, sondern nach der Größe. "Eine geförderte Wohnung kann genauso schön sein wie eine teure Wohnung. Nur dass diese dann größer ist."

Für Karl-Heinz Petzinka spielt aber auch Nachhaltigkeit beim Bau von preiswerten Wohnungen eine Rolle: "Ich darf als Architekt nicht kurzfristig denken, das Gebaute soll ja Bestand haben. Vielleicht sind die Wohnungen, die ich heute als preisgedämpft baue, es in 20 Jahren nicht mehr. Und dann habe ich von Anfang an schön gebaut", sagt er.

(lai)