Kindeswohl in Düsseldorf Düsseldorf schafft 24-Stunden-Hotline für Kinder in Not

Düsseldorf · Fachkräfte für den Kinderschutz werden ab dem kommenden Frühjahr rund um die Uhr erreichbar sein. Warum die Landeshauptstadt dafür zusätzliches Personal und Geld bereitstellt.

 Übergriffe auf Kinder können in Düsseldorf künftig rund um die Uhr von zwei Experten beurteilt werden.

Übergriffe auf Kinder können in Düsseldorf künftig rund um die Uhr von zwei Experten beurteilt werden.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Düsseldorf will auf Initiative von Oberbürgermeister Stephan Keller beim Kinderschutz neue Maßstäbe setzen und die Erreichbarkeit des Jugendamtes deutlich ausbauen. Vom kommenden Frühjahr an sollen Mitarbeiter der Bezirkssozialdienste (BSD) 24 Stunden lang – auch an den Wochenenden – erreichbar sein, wenn Angehörige, Nachbarn oder die Polizei Auffälligkeiten beim Umgang mit Kindern melden.  „Wir werden dafür Schichtdienste einrichten und auch zusätzliches Personal einstellen“, sagt Jugenddezernent Burkhard Hintzsche. „Wir wollen, dass künftig zu jeder Tages- und Nachtzeit zwei geschulte Fachleute ihr Urteil darüber abgeben, ob ein Kind tatsächlich aus der Familie genommen werden muss oder nicht“, sagt der Stadtdirektor.

Die Entscheidung, einen 24-Stunden-Dienst einzurichten, hat präventiven Charakter. „Nachweislich gestiegene Fallzahlen oder ein besonders aufrüttelnder Missbrauchsfall sind nicht der Anlass für diese Neuerung. Wir wollen einfach auf Nummer sicher gehen, dass jeder Fall zu jeder Zeit kompetent beurteilt wird“, sagt Hintzsche. Tatsächlich geben die Statistiken des Jugendamtes für das Pandemie-Jahr 2020 keinen Hinweis auf eine Zunahme der Gewalt gegen Kinder. So gab es 707 Inobhutnahmen, 2019 waren es noch 815, im Jahr 2016 sogar 1152. „Wir müssen aber im Kopf haben, dass mit Schulen, Kitas und Spielplätzen genau jene Orte geschlossen waren, an denen die Verstörung eines Kindes hätte auffallen können“, so Hintzsche.

Das schätzt Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, ähnlich ein. „Manches wird erst mit den Zahlen für 2021 sichtbar werden.“ Tatsache sei, dass sie und ihr Team im Schnitt zwei Anrufe pro Woche erhalten, bei denen es um gravierende Übergriffe wie Körperverletzung oder sexualisierte Gewalt gehe. „Wir nehmen das als Zunahme war“, sagt sie. Die Entscheidung der Stadtspitze empfindet sie als genau richtig. Die Corona-Pandemie habe zusätzlich verdeutlicht, wie wichtig ein Blick auf das Kindeswohl sei. „Eine 24-Stunden-Hotline ist ein Meilenstein, der für Düsseldorfer Kinder und Jugendliche wichtig ist.“

(jj)
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