Düsseldorf: Sandi Morris über die Sexismus-Debatte ums Plakat für das Leichtathletik-Meeting 2018

Sportlerin zur Debatte in Düsseldorf: „Ich weiß, dass es Sexismus im Sport gibt - das hier ist aber kein Beispiel dafür“

In Düsseldorf werden Plakate für eine Sportveranstaltung überklebt - weil sich manche an der Abbildung einer Sportlerin stören. Was sagt sie selbst dazu? Wir haben Stabhochspringerin Sandi Morris gefragt.

Zwei Plakatmotive hingen bislang in Düsseldorf, um für das Leichtathletik-Meeting im Februar zu werben – nun wird eines von ihnen überklebt. Denn manchen Düsseldorfern – unter anderem einem CDU-Ratsherr – war das Plakat zu freizügig. Hier lesen Sie ein Pro und Contra zum Thema.

Das Foto zeigt die US-Stabhochspringerin Sandi Morris kurz vor dem Anlauf von hinten. Die 26-Jährige ist amtierende Hallenweltmeisterin im Stabhochsprung. Wir haben sie per Twitter-Nachricht gefragt, was sie von der Debatte hält - und dokumentieren ihre Antwort hier im Wortlaut. Die Hervorhebungen hat die Redaktion vorgenommen.

„Ich verstehe, warum manche finden, diese Fotoauswahl sei sexistisch. Aber als die Person, die abgebildet ist, möchte ich erklären, warum ich anderer Meinung bin.

Wir haben die Auswahl zwischen verschiedenen Team-Bekleidungen und ich habe diese gewählt, weil sie die bequemste ist. Zum Sexismus gehört meiner Meinung nach auch, Frauen zu sagen, dass sie ihren Körper nicht zeigen dürfen, wenn sie es möchten. Ich wurde nicht gezwungen, dieses Outfit zu tragen. Ich fühle mich darin wohl.

  • Pro und Contra : Sollte dieses Plakat aus Düsseldorf verschwinden?
  • Debatte in der Landeshauptstadt : Sexismus-Vorwurf - Plakate für Düsseldorfer Leichtathletik-Meeting sollen verschwinden

Der wahre gesellschaftliche Wandel wird dann kommen, wenn Menschen sich das Foto einer Frau anschauen können, ohne es in Gedanken zu sexualisieren. Das Foto zeigt mich nicht in provokanter Pose (etwa beim Vorbeugen, während ich meine Schuhe zubinde). Stattdessen zeigt das Bild eine starke weibliche Athletin, die sich konzentriert. Das bin ich, wie ich mich auf den Sprung vorbereite.

Beim Stabhochsprung tragen wir nur unsere Namens-Leibchen auf dem Rücken. Der Meeting-Direktor der Veranstaltung hat mich um Erlaubnis gefragt, ob er dieses Foto verwenden darf, denn er wollte ein Foto zeigen, das meinen Namen zeigt. Wenn überhaupt, fühle ich mich geehrt, dass ich ausgewählt wurde, diese Veranstaltung zu repräsentieren. Dafür wären viele großartige Sportler in Frage gekommen.

Ich möchte nicht naiv klingen. Denn ich weiß, dass es Sexismus im Sport gibt – und zwar überall. Das hier ist aber kein Beispiel dafür. Das Sexismus-Problem geht viel tiefer als die Frage nach Frauen im Sport. Es geht darum, wie die Erwartungen an unsere Kleidung in allen Bereichen ist. Auf der Straße ist es normal für Frauen, kürzere Hosen als Männer zu tragen und mehr Haut zu zeigen. Wenn ein Mann so kurze Hosen trägt wie eine Frau, nehmen manche Leute automatisch an, er sei schwul. Ich möchte, dass diese Klischees in allen Lebensbereichen fallen. Manche Frauen entscheiden sich dafür, die längere Sportbekleidung zu tragen. Offen gesagt: Manche Fans machen sich dann auch wieder über sie lustig und nennen sie ‚butch’ (dt. ‚Kerl’, Selbstbezeichnung mancher lesbischer Frauen).

Was ich toll fände, wäre eine Welt, in der eine Frau – oder ein Mann – sich bedecken oder entblößen kann, ohne dass jemand sich darüber lustig macht.

Mehr von RP ONLINE