Düsseldorf: Saks off 5th im Carschhaus blieb vielen fremd

Einzelhandel : Eigentlich war es immer das Carschhaus

Die geplante Schließung von Saks Off 5th ist nach wie vor nicht offiziell bestätigt, Verdi spricht aber von Kündigungen für alle 30 Düsseldorfer Mitarbeiter. Dass die Düsseldorfer mit dem Outlet-Konzept fremdeln, ist nicht neu.

Dass es nicht brillant lief für das Kaufhaus Saks Off 5th, darüber redete man schon lange in der Stadt und in der Branche. Selten sei im Laden richtig was los, Kassenschlangen gebe es kaum einmal. Und in diesen Tagen hört man die Düsseldorfer auch nicht über das wahrscheinliche Schicksal des Edel-Outlets sprechen, sondern in erster Linie über die 30 Mitarbeiter in der hiesigen Filiale, denen nach Verdi-Angaben bereits betriebsbedingt gekündigt wurde. Die Kaufhof-Tochter indes bestätigt bisher trotz mehrfacher Anfragen weder offiziell die Schließung aller deutschen Filialen, über die unter anderem die „Textilwirtschaft“ berichtete, noch die Kündigungen der Düsseldorfer Angestellten – es kommt schlicht keine Antwort. Allerdings hat der neue Eigentümer von Karstadt und Kaufhof, René Benko, kürzlich bereits Pläne für ein Kaufhaus des Westens in dem Gebäude vorgestellt.

Die Düsseldorfer waren seit der Eröffnung im Juni 2017 ohnehin skeptisch gewesen. Viele haben mit dem Konzept gefremdelt und mit seinem unaussprechlichen englischen Namen, der sich vom Luxus-Kaufhaus Saks Fifth Avenue an der entsprechenden New Yorker Adresse ableitet. Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), damals Eigentümerin von Kaufhof, hatte für das zum Unternehmen gehörende Carschhaus eine neue Nutzungsmöglichkeit gesucht, weil man das Angebot von dem des nahen Kaufhof an der Kö differenzieren wollte.

So machte man es zur ersten von später acht (außer Düsseldorf noch Stuttgart, Frankfurt, Wiesbaden, Bonn, Heidelberg, Köln und Hannover) Filialen des Outlet-Konzeptes. Die Idee: Luxus- und Markenartikel zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten, Restposten etwa, aber auch speziell für das Unternehmen hergestellte Sonderposten. „Es bietet die Vorteile eines Outlets, aber eben nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern mitten auf der Haupteinkaufstraße“, hatte HBC-Chef Jerry Storch im Sommer 2016 selbstbewusst mitgeteilt und vom historischen Carschhaus-Gebäude (eröffnet 1915!) geschwärmt. Zur Eröffnung ein knappes Jahr später gab es ein großes Event, prominente Gäste flanierten durch das Haus.

Ob das Konzept funktionieren würde, fragten sich Handelsexperten schon damals. Einerseits gelten zwar genau jene Marken und Konzepte als besondere Anziehungspunkte einer Innenstadt, die nicht auch jede andere mittelgroße Einkaufsstraße zu bieten hat. Weil dafür eben auch Shopping-Touristen aus Essen, Duisburg oder Oberhausen anreisen. Andererseits wurde bezweifelt, dass sich ausgerechnet in dem traditionsreichen Edelkaufhaus Carschhaus ein Outlet-Konzept etablieren ließe – wenngleich ein höherpreisiges. In das Umfeld der Kö und ihrer Designer schien es nicht recht zu passen. Dazu kam die Nähe Düsseldorfs zum niederländischen Outlet-Paradies Roermond, das bei begeisterten Schnäppchenjägern als die Anlaufstelle schlechthin gilt.

Inwiefern solche Bedenken sich bewahrheiteten, verlautete vom Unternehmen selbst nicht. Doch die auffällig niedrige Frequenz wurde in der Stadt durchaus zu einem Gesprächsthema. Schon seit einer Weile ist auch die oberste Etage des Hauses geschlossen, die Rolltreppe dorthin gesperrt und die Verkaufsfläche insgesamt damit verkleinert. Auf die komplette Schließung – in den Berichten ist von einem Zeitpunkt im Sommer die Rede – deutet bislang allerdings nichts hin; die Regale der verbliebenen Etagen sind normal gefüllt.

Bedauern über das wahrscheinliche Aus der Kette war am Donnerstag in den Online-Kommentaren auf der Facebook-Seite von RP-Online jedenfalls kaum zu finden. „Tragisch für die Mitarbeiter, aber kein wirklicher Verlust“, schrieb ein Kommentator: „Das Ding war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“ Ein anderer meinte: „Für die Mitarbeiter nicht gut. Aber das alte Carschhaus war besser.“ Über die Kündigungen der Mitarbeiter ist man auch bei Verdi sauer: „Wir finden es unverständlich, dass keine anderen Stellen für sie gefunden werden konnten“, sagt eine Sprecherin.

In der Schuh-Abteilung des Kaufhauses werden die Paare in den Kartons ausgestellt. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Das Thema dürfte weiter emotional bleiben, wenn sich die weiteren Pläne für das Haus konkretisieren. Immerhin hat eine erste Architekten-Studie zum möglichen Umbau einigen Protest in der Stadt ausgelöst, weil sie den Heinrich-Heine-Platz vor dem Gebäude ohne den Musik-Pavillon zeigt. Sogar eine Online-Petition wurde dazu aufgelegt. Denn wenn es um das Carschhaus (das bei den Düsseldorfern nach wie vor so heißt) und sein Umfeld geht, versteht man hier keinen Spaß.

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