Düsseldorf: Rumänische Beamte unterstützen die Polizei im Kampf gegen Menschenhandel

Zusammenarbeit mit Rumänen: So kämpft die Düsseldorfer Polizei gegen Menschenhandel

Im Kampf gegen Menschenhandel geht die Düsseldorfer Kriminalpolizei nicht nur in die Rotlicht-Bezirke. Ausbeutung gibt es überall, sagen die Fahnder. Auch die "Vermietung" von Billig-Arbeitskräften und Zwangsbettler stehen auf der Agenda der Kripo.

Die Kripo Düsseldorf hat sich neu sortiert. Die Fachkommissariate für Rocker- und Rotlichtkriminalität, Menschenhandel und Drogendelikte sind jetzt im Bereich Organisierte Kriminalität vernetzt. Denn die Täter, sagt Kriminaldirektor Dietmar Kneib, sind es auch. Rocker betreiben beispielsweise die Etablissements, in denen die Menschenhändler ihre Opfer für sich arbeiten lassen. Dort sind nicht selten auch Drogen im Angebot, sei es für die Freier oder um die Frauen gefügig zu machen.

Erst vor wenigen Wochen hat die Polizei zwei miteinander verwandte Geschwisterpaare festgenommen, die in zwei verwahrlosten Wohnungen in Stadtmitte einen schwunghaften Drogenhandel betrieben und zwei aus Rumänien verschleppte Frauen zur Prostitution zwangen. Mit deren Lohn konnten sie zuhause in Rumänien ihre ganze Familie versorgen. "Die Freizügigkeit in der EU macht es den Tätern leicht", sagt Kneib. Natürlich seien nicht alle Zwangsprostituierten aus Rumänien. Aber viele kommen mit rumänischen Papieren. In bestimmten Regionen Moldawiens etwa wird viel rumänisch gesprochen - für Frauen von dort ist das Entdeckungsrisiko in Deutschland klein. Und auch die Frauen aus anderen Ländern Osteuropas können darauf hoffen, dass in Düsseldorf Rumänisch nicht eben die geläufigste Fremdsprache ist. Regelmäßig arbeitet die Kripo deshalb mit rumänischen Kollegen zusammen, die schnell erkennen können, ob sie es auch wirklich mit einer EU-Europäerin zu tun haben.

Das seit Sommer geltende Prostituiertenschutzgesetz hat wenig verändert, sagt Kneib. "Das ist eine gute Sache für die selbstbestimmte Deutsche, die in einer Ich-AG dem Gewerbe nachgeht." Den Frauen aus den ärmsten Regionen Osteuropas dagegen nutzt es kaum. Sie werden mit falschen Versprechungen vom guten Leben bis zur großen Liebe geködert, und wenn sie erst einmal in Deutschland sind, droht man ihnen, den - oft tief religiösen - Verwandten in der Heimat zu erzählen, dass sie Huren geworden seien.

Der Druck ist so groß, dass die Frauen sich oft in ihr Schicksal fügen, manche arbeiten scheinbar selbstständig in eigenen Wohnungen. "Nur durch Kontrollen, etwa bei Razzien, können wir erkennen, ob eine Frau freiwillig arbeitet oder dazu gezwungen wird." Und selbst dann, sagt Kneib, seien die meisten Opfer nicht sehr kooperativ. So groß sind die Angst und die Abhängigkeit von den Tätern. Mit der Beratungsstelle für Gewaltopfer und der Frauenberatungsstelle kümmert sich die Polizei aber auch um die unwilligen Opfer. "Wir betreuen sie bis hin zum Zeugenschutz. Diese Frauen sind schwer traumatisiert, die kann man nicht mit der Situation alleine lassen."

  • Kommentar : Auch die Freier sind schuldig

Obwohl den Tätern inzwischen härtere Strafen drohen als noch vor einigen Jahren, blüht ihr Geschäft. Denn, sagt der Ermittler, "die Nachfrage nach käuflichem Sex vor allem im Extrembereich ist so groß, sie kann durch das legale Angebot nicht gedeckt werden".

Zehn Verfahren gegen Menschenhändler hat die Düsseldorfer Kripo voriges Jahr vor Gericht gebracht. Das klingt für Laien nicht nach viel. Aber in jedem einzelnen stecken monatelange akribische Ermittlungen. Der Aufwand ist hoch, und oft ist es auch die psychische Belastung für die Ermittler selbst, die mit tiefen menschlichen Abgründen konfrontiert werden. Das gilt nicht nur im Bereich der Zwangsprostitution. "Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gibt es auch anderswo", sagt Kneib.

Gegen die Menschenhändler, die Arbeitskräfte wie Sklaven halten und vermieten will seine Inspektion ebenso vorgehen wie gegen die Hintermänner der Banden, die Bettler einschleusen. "Wir arbeiten eng mit der Polizei in den Ländern zusammen, aus denen diese Menschen kommen", sagt Kneib. Das funktioniert gut, und auch die Zusammenarbeit mit der Justiz sei hervorragend. Aber Menschenhandel, so der Ermittler, "wird es so lange geben, wie Lebensverhältnisse auf der Welt nicht annähernd gleich sind".

(RP)