Düsseldorf: Rockeralarm in der Altstadt

Düsseldorf : Rockeralarm in der Altstadt

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Wochenende in der Altstadt Mitglieder verschiedener Rockergruppen kontrolliert. Offenbar befürchtete sie Auseinandersetzungen nach einer Messerstecherei in der Silvesternacht.

Der Hinweis kam aus dem Ruhrgebiet. "Im Zuge von Aufklärungsmaßnahmen nach einem Vorfall in Oberhausen", sagte Polizeisprecher Markus Niesczery gestern, "hatten wir von einem geplanten Treffen der Szene in Düsseldorf erfahren und uns darauf eingerichtet."

Der Vorfall in Oberhausen hatte sich in der Silvesternacht zugetragen. Eine Auseinandersetzung in einer Kneipe endete am frühen Neujahrsmorgen mit Messerstichen, die zwei Männer schwer verletzten. Die Ermittler dort schließen nicht aus, dass der Kampf eine gezielte Aktion, möglicherweise sogar ein versuchtes Tötungsdelikt gewesen ist. Zumindest einer der Verletzten bekam am Freitag Besuch im Krankenhaus: Mehrere Mitglieder der Hell's Angels versammelten sich zu Solidaritätsbekundungen vor der Klinik. Dabei soll es zu der Verabredung für die Altstadt gekommen sein.

Um jeglicher Fortsetzung der Rockerstreitigkeiten zuvorzukommen, stellte sich die Düsseldorfer Polizei breit auf. Die Landesbereitschaft wurde angefordert, Kräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen wurden in der Altstadt zusammengezogen, auch mehrere Hundestaffeln hielten sich in unmittelbarer Nähe der Bolkerstraße bereit, auf die sich der Großeinsatz konzentrierte.

In mehreren Clubs überprüften die Beamten in der Nacht zum Samstag 40, in der zum Sonntag 54 Rocker, darunter nicht nur Hell's Angels, sondern auch Mitglieder von so genannten Supporter-Clubs, also Unterstützern der Höllenengel, sowie der aus dem Baden-württembergischen nach NRW drängenden "United Tribuns". Gegen vier der kontrollierten Männer wurden Anzeigen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz erstattet: Sie hatten unter anderem Teleskopschlagstöcke und Messer dabei. Rund um die Altstadt stoppte die Polizei auch diverse szene-typisch hochmotorisierte Fahrzeuge.

Verstöße gegen das sogenannte Kuttenverbot gab es nicht: Die Rocker verzichteten auf ihre Westen mit dem Club-Logo. In Nordrhein-Westfalen sind die Insignien unter anderem der Hell's Angels seit vergangenem Juli per Ministererlass verboten.

Während in der Nacht zum Samstag allein die enorme Polizeipräsenz dafür sorgte, dass es in der Altstadt keine Zwischenfälle gab, waren 24 Stunden später vor allem auch Ermittler in Zivil unterwegs. Auch Beamte der Spezialeinheit SEK hielten sich im Hintergrund bereit. Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen gab Polizeisprecher Niesczery gestern keine Einzelheiten zu dem zweiten Großeinsatz, an dem wie am Vorabend weit mehr als hundert Polizisten aus ganz NRW beteiligt waren. "Wir haben die Szene im Blick" heißt die offizielle Verlautbarung, und davon zumindest hat sich am Wochenende jeder Altstadtbesucher überzeugen können.

Dass derlei Einsätze sich wiederholen, gilt als wahrscheinlich. In die Rockerszene ist erneut Bewegung gekommen, nachdem sich jüngst bei den HellQs Angels die Machtverhältnisse verändert haben. Zu den internen Querelen im größten Rockerclub in NRW kommen offenbar Bestrebungen der "United Tribuns", sich verstärkt auch in Düsseldorf niederzulassen. Dabei geht es ums Geschäft, vor allem um die Türsteher-Dienste in der Altstadt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei-Großeinsatz wegen vermutetem Rockertreffen

(RP)