Düsseldorf: Ringen um Zukunft der Messe

Wechsel im Management steht bevor: Ringen um Zukunft der Düsseldorfer Messe

Die Düsseldorfer Messe ist ein Motor für die Landeshauptstadt. Im Rathaus wird die Frage diskutiert, wie es an der Spitze des Unternehmens weitergeht. Messe-Chef Werner Dornscheidt bleibt vielleicht ein oder zwei Jahre länger.

In der Unternehmensfamilie der Stadt gilt die Messe als die schönste Tochter. Sie bringt jährlich Zigtausende Menschen in die Stadt und macht beinahe überall auf dem Globus Werbung und Geschäft für Düsseldorf. Unternehmen in der Region setzen im Zuge der Messeveranstaltungen jährlich eine Milliardensumme um. Die Frage, wer die Messe führt, ist also von großer Wichtigkeit. Die anstehende Zäsur im Top-Management wird deswegen im Rathaus mit Priorität diskutiert. Denn zwei der vier Geschäftsführer erreichen bald die Altersgrenze: Die Stelle von Joachim Schäfer, verantwortlich für das operative Geschäft, soll im Herbst dieses Jahres nachbesetzt werden. 2019 wird Messechef Werner Dornscheidt 65 Jahre alt. Die Optionen:

Ausgangslage Die Geschäftsführung der Messe zählt vier Köpfe. Neben Dornscheidt und Schäfer sind dies Hans Werner Reinhard (Jahrgang 1970), für operatives Geschäft zuständig und wie Dornscheidt ein Eigengewächs, sowie der Finanzchef Bernhard Stempfle (Jahrgang 1965). Um die Nachfolge Schäfers zu regeln, ist ein Headhunter beauftragt worden. Oberbürgermeister Thomas Geisel hat parallel Dornscheidt gebeten, für seine eigene Position die Augen offen zu halten. Die Stadt spielt bei der Besetzung die entscheidende Rolle: Direkt und über die Tochter IDR hält sie rund drei Viertel der Messe-Anteile.

Optionen Dornscheidt ist stolz darauf, vor 42 Jahren bei der Messe angefangen zu haben. Chef ist er seit 2004, die fünf Jahre davor bekleidete er die Position bei der Messe Leipzig. Dornscheidt ist in Stadt und Branche bestens vernetzt. Er lebt das Messegeschäft, hat die Internationalisierung vorangetrieben und ist viel auf Reisen, um für die Veranstaltungen in Düsseldorf zu werben. "Dornscheidt ist ein klasse Mann", sagt Alt-Bürgermeister Günter Karen-Jungen (Grüne), der im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, "man sollte ihn so lange behalten, wie es geht."

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Tatsächlich wird im Aufsichtsratsgremium die Option diskutiert, dass Dornscheidt ein bis zwei Jahre dranhängt und Ende 2021 oder erst 2022 aufhört. "Das wäre eine gute Lösung", sagt auch Andreas Hartnigk, CDU-Fraktionsvize und ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat. Den beinahe parallelen Austausch von zwei Managern hält der Christdemokrat angesichts des umkämpften Messemarktes für keine gute Idee.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der als Chef des Aufsichtsrates und führender Kopf in der noch wichtigeren Gesellschafterversammlung die entscheidende Rolle spielt, will sich noch nicht festlegen. Er meint aber, "dass dieses Jahr bei Herrn Dornscheidt noch kein Handlungsbedarf besteht". Ob dessen Vertrag 2019 verlängert wird oder nicht, will Geisel folglich entscheiden, "wenn diese Frage ansteht".

Kandidaten Im Aufsichtsrat wird die Frage diskutiert, ob sich nicht Hans Werner Reinhard, der als Assistent bei Dornscheidt begann, bis 2020 beweisen könne. Interesse hätte er, die Chemie zwischen Dornscheidt und seinem Ziehsohn soll jedoch nicht mehr die allerbeste sein. Andererseits könnte es möglich sein, dass bei der Suche eines Nachfolgers für Schäfer ein Manager gefunden wird, der auf Sicht auch für die Messespitze infrage kommt. An diesem Punkt befindet sich das Ringen um die Zukunft der Messe. Ein "Parallelbetrieb" von Dornscheidt und seinem Nachfolger wird in der Messe kritisch gesehen. Ähnliches gab es in den 90-er Jahren bei Claus Groth und Hartmut Krebs - als ideal blieb dies nicht in Erinnerung.

(ujr)