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Düsseldorf: Richtig streiten will gelernt sein

Auf ein Wort in Düsseldorf : Richtig streiten will gelernt sein

Streiten gehört zum Alltag – privat und beruflich, im gesellschaftlichen und politischen Diskurs.

Ob die Oma nun eine „Umweltsau“ zu nennen ist, Düsseldorf Umweltspuren braucht oder ob und wo ein neues Opernhaus entsteht, darüber lässt sich genüsslich debattieren.

Jede Auseinandersetzung birgt die Chance, etwas Neues zu lernen. Das gelingt besonders gut, wenn wir den richtigen Ton treffen: Höflich statt beschimpfend, realitätsnah statt dramatisierend, klärend statt anklagend. Dann machen wir deutlich, dass wir am anderen und seinen Ansichten wirklich inte­ressiert sind, auch wenn uns seine Meinung zunächst fremd erscheint.

Wer derart konstruktiv streitet, versucht die Welt aus der Perspektive des anderen zu sehen, versucht nachzuvollziehen, welche Unzufriedenheit, welche vernachlässigten Bedürfnisse und Wünsche sich vielleicht in der Position des anderen äußern. Denn bekanntlich geht es im Streit immer auch um Gefühle und um die Angst, zurückgesetzt zu sein.

Weil die Bibel weiß, dass es sich gar nicht gut anfühlt, übersehen oder gar übergangen zu werden, rät sie: Ein Mensch sei schnell im Zuhören, langsam im Reden, langsam im Zorn (Jak 1,19). Dieser Vers ist so etwas wie ein Leitfaden für eine gute Streitkultur.

Auch wenn es im Konflikt nicht leicht fällt, empfiehlt es sich, den anderen nicht zu unterbrechen, sondern ausreden zu lassen. Denn im Streit überhört man schon mal die berechtigten Anliegen des anderen, weil man nur die eigenen Argumente gelten lässt.

Darum hat es sich bewährt, tief Luft zu holen, bis zehn zu zählen oder auch mal eine Nacht da­rüber zu schlafen. Dann kann sich auch das eigene Gemüt wieder beruhigen und dann traue ich mich vielleicht  auch zu erkennen, dass mein Gegenüber einen Aspekt zur Sprache bringt, den ich noch nicht bedacht hatte.

Wenn wir versuchen, wieder mehr zuzuhören, langsam in Reden und Zorn zu sein, wird unser Streiten nicht nur respektvoller, sondern auch produktiver. Lassen Sie uns diskutieren – klar in der Sache und besonnen im Umgang, engagiert, aber nicht zu derb und nie verachtend.
Heike Schneidereit-Mauth