Düsseldorf: Rheinbahn zahlt Kurzurlaub

Wegen Bauarbeiten : Düsseldorfer Rheinbahn zahlt Kurzurlaub

Die Rheinbahn repariert das ganze Jahr über Gleise in Düsseldorf. Die Anwohner werden wegen des mitunter ohrenbetäubenden Lärms vorausschauend in Hotels untergebracht.

Das Hotel Central in der Nähe des Hauptbahnhofes ist wahrlich nichts Besonderes, aber dafür ist es dort lustig: Der Portier erinnert mit seiner leicht toupierten Haarpracht ein wenig an den längst verstorbenen Modedesigner Rudolph Moshammer. Er erzählt beim Einchecken heitere Anekdoten, und zum Abschied wedelt er locker-lässig mit der Hand und flötet: "Winke, Winke."

Das Zimmer im Hotel am Hofgarten ist sehr sauber und puristisch. Foto: bpa

Ganz normale Touristen aus aller Welt kommen in den Genuss dieser niedlichen Begegnung sowie die ganz normalen Anwohner Düsseldorfs, denen die Rheinbahn Ausweich-Stätten anbietet, wenn es an den Gleisen mal wieder so richtig zur Sache geht und ein ruhiger Schlaf wahrscheinlich ausbleiben würde.

19 solcher Hotels hat die Rheinbahn nach Angaben einer Sprecherin im Portfolio — allesamt Kooperationspartner, die das Kombi-Ticket im Programm haben, das den Hotelgästen freie Fahrt durch die Stadt und sogar bis nach Oberhausen garantiert. Beim Hotel Central ist der Name Programm: Es liegt mitten in der Stadt, und bizarre Erlebnisse sind programmiert: Die Subkultur tummelt sich bekanntlich in der Nähe des Hauptbahnhofes, einige Irre und Abhängige passieren den Weg.

Marcel Jügel führt im Hotel am Hofarten die Geschäfte und freut sich über Rheinbahn-Gäste. Foto: bpa

Ein Sex-Shop ist in der Nähe, und ein Mitarbeiter in dem Shop bestätigt mit Blick auf Düsseldorfs Anwohner: "Gelegenheit macht Liebe. Wenn die schon mal hier sind, dann schauen die auch gerne mal rein." Das Zimmer (36 gibt es) im Central ist simpel, aber total sauber, die Matratze ist solide, sogar die Klobürste ist neu. Nicht einmal die speziellen Schiebegardinen in psychedelischem Design können das Klischee einer billigen Absteige bedienen, sie sind nämlich neu - über Geschmack lässt sich natürlich streiten.

Während das Central eingebettet ist in eine turbulente und eher unfeine Gegend, liegt das Hotel am Hofgarten — wie der Name es schon verrät — in greifbarer Nähe von dem beliebten Rückzugsort im Grünen. Es ist ruhig im offiziellen Partnerhotel der Düsseldorfer Symphoniker, und wenn es die Buchungen in dem gemütlichen 24-Zimmer-Haus zulassen, dann können sich dort — wie auch in allen anderen von der Rheinbahn angebotenen Hotels — die vom Lärm geplagten Anwohner komplett breit machen.

Psychedelischer Charme: Der Frühstücksraum im Hotel Central in der Nähe des Hauptbahnhofes. Foto: bpa

Das üppige Frühstück hat Top-Qualität, an den Wänden hängt Fotokunst, und Geschäftsführer Marcel Jügel schwört auf die persönliche Ansprache, wie er betont. Musiker wie Goto Midori und Sharon Kam und Künstler Klaus Rinke (Uhrenpark) würden in seinem Hotel ebenso zuvorkommend behandelt wie Düsseldorfs Anwohner.

Am Wochenende war sein Hotel zu gut einem Viertel von ihnen belegt. "Viele Düsseldorfer haben auch einfach Lust, ihre Stadt mal von einer anderen Seite kennenzulernen, und dieser Hotelaufenthalt ist für sie dann wie ein Kurzurlaub", sagt Jügel. In vielen anderen Hotels hielten sich die Buchungen übrigens in Grenzen. Mitunter hatte sich dieses Mal kein Einziger in die Herberge geflüchtet, was auch den Sommerferien geschuldet ist, wie die Rheinbahn-Sprecherin berichtet. Die Arbeiten selber verliefen übrigens recht ruhig, da war der Verkehr auf den Gleisen am Hauptbahnhof nachts definitiv lauter.

(bpa)