Düsseldorf: Rheinbahn-Abteilungsleiter veröffentlicht Krankentage der Mitarbeiter

Ärger bei der Düsseldorfer Rheinbahn : Abteilungsleiter veröffentlicht Krankenstatistik in Power-Point-Präsentation

Ein Vorgesetzter hat die Fehlzeiten seiner Mitarbeiter bei der Rheinbahn in Düsseldorf protokolliert und intern veröffentlicht. Damit wollte er offenbar gegen den hohen Krankenstand vorgehen. Viele Mitarbeiter fühlen sich bloßgestellt.

Bei der Rheinbahn sorgt der Umgang mit sensiblen Mitarbeiter-Daten für Ärger. Ein Abteilungsleiter hat nach Informationen unserer Redaktion die Krankentage seiner Mitarbeiter protokolliert – und sie in einer Power-Point-Präsentation gezeigt. Außerdem waren die Daten in einem internen Netzwerk abrufbar. Der Vorgesetzte hatte mit der Aktion auf den hohen Krankenstand reagiert – und wollte offenbar den Druck auf die Mitarbeiter erhöhen, zur Arbeit zu erscheinen.

Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher bestätigt den Vorfall, der im Unternehmen für Unruhe sorgt und nach Beschwerden auch die Mitarbeitervertreter auf den Plan gerufen hat. „Das hätte so nicht passieren dürfen“, sagt der Sprecher. Dies habe auch der Mitarbeiter inzwischen eingesehen und bedaure den Vorfall. Zu dienstrechtlichen Konsequenzen wurde nichts bekannt.

Der hohe Krankenstand gehört zu den drängendsten Problemen in dem kommunalen Nahverkehrs-Unternehmen. Nicht nur in der Verwaltung, in der sich der nun bekannt gewordene Vorfall ereignet hat, sondern vor allem auch im Fahrdienst war die erhöhte Krankenquote zuletzt ein Thema. Die Rheinbahn musste wegen Fahrermangels vermehrt Linienfahrten von Bussen und Bahnen streichen.

Ein Grund ist das gestiegene Durchschnittsalter in der Belegschaft. Dazu kommt, dass geeignete Bewerber für den Fahrdienst in der guten Arbeitsmarktsituation offenbar schwer zu finden sind.

Dadurch steigt der Druck auf die verbliebenen Mitarbeiter, die Ausfälle auszugleichen – die Rheinbahn setzte zeitweise sogar Verwaltungsmitarbeiter mit den entsprechenden Führerscheinen im Linienverkehr ein. Mitarbeiter beklagen im Gespräch mit unserer Redaktion aber auch ein schlechtes Arbeitsklima in einigen Abteilungen. Die Rheinbahn hat rund 3000 Mitarbeiter.

Die Rheinbahn steht aktuell auch wegen eines anderen Vorfalls in den Schlagzeilen: Rund 20 Jahre lang hatte die Personalabteilung einen Vordruck ohne die sogenannte Rentenklausel verwendet – und dadurch rund 100 Mitarbeitern die Möglichkeit eingeräumt, auch über den Eintritt ins Rentenalter hinaus bleiben zu dürfen. 2001 war der Fehler aufgefallen, die Verantwortlichen sind längst nicht mehr im Dienst.

Noch 37 Rheinbahner verfügen über den Vertrag mit Sonderrecht, allerdings ist aktuell nur ein Mitarbeiter im Rentenalter mit dem Spezialvertrag noch im Unternehmen tätig. Dazu kommen andere Senioren, die ohne Sonderrecht länger bleiben, etwa weil sie über Spezialwissen verfügen.

Der neue Vorstand, der in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, will auch das Thema Personal angehen. Neben dem langjährigen Arbeitsdirektor Klaus Klar, der den Vorstandsvorsitz übernimmt, sollen die beiden Neuzugänge Sylvia Lier und Michael Richarz das Unternehmen auf Kurs bringen. Ihr Ziel lautet, deutlich mehr Fahrgäste für Bus und Bahn zu gewinnen.

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