Düsseldorf: Rheinbad-Bademeister beklagt regelmäßige Beleidigungen

Diskussion in der Düsseldorfer Arena : Bademeister aus dem Rheinbad beklagt regelmäßige Beleidigungen

Ein Schwimmmeister aus dem Rheinbad berichtete bei einer Bürgerveranstaltung über seinen belastenden Alltag. Landesminister Joachim Stamp hatte wegen der Räumungen des Bades zu einem "Wertedialog" nach Düsseldorf geladen.

Die Mitarbeiter der Düsseldorfer Bädergesellschaft sind immer wieder verbalen Angriffen ausgesetzt. Wladimir Chetverik, Schwimmmeister im Rheinbad, berichtet, dass er oft drastisch beleidigt wird. Jugendliche drohten, seine Mutter zu vergewaltigen oder ihn zu töten. Im vergangenen Jahr sei er im Freibad Benrath sogar körperlich angegriffen worden. „Damit muss man umgehen können“, meint Chetverik. Auch der Umgang mit aggressiven Gruppen sei ein Problem für die Mitarbeiter. Die Situation sei sehr belastend. „Viele nehmen das mit nach Hause.“

Chetverik kam zu Wort bei einer Bürgerveranstaltung, zu der Joachim Stamp (FDP), Landesminister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, und Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) für Donnerstagabend eingeladen hatten. Das Ministerium richtet derzeit in verschiedenen Städten einen „Wertedialog“ aus, wegen der Vorkommnisse im Rheinbad war die Veranstaltung in Düsseldorf angesetzt worden. Sie fand in einem Saal der Merkur Spiel-Arena statt, die direkt neben dem Rheinbad liegt. Rund 60 bis 70 Besucher nahmen teil, darunter viele Funktionäre von Parteien und Vereinen. Viele Stühle blieben leer.

Schwimmmeister Chetverik berichtete, die Mitarbeiter müssten oft Konflikte mit jugendlichen Besuchern führen, weil sie für die Durchsetzung der Baderegeln verantwortlich seien. „Wir sind die Spaßverderber“, sagte er. Oft müsse die Polizei am Ende helfen. Das Hausverbot für Störer helfe nicht weiter. Die Jugendlichen würden trotzdem wiederkommen. „Sie klettern über den Zaun oder werden am Eingang nicht erkannt.“ Es gebe keine echte Kontrollmöglichkeit.

Bademeister Wladimir Chetverik berichtete von seinem Alltag.  . Foto: Arne Lieb

Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gab sich im Rückblick auf die drei Räumungen selbstkritisch. Es sei falsch gewesen, dass er in der ersten Aufregung nach der dritten Räumung von „Jugendbanden“ gesprochen habe. Geisel kritisierte aber, die Bädergesellschaft habe eine „defätistische“, also mutlose, Haltung in Fragen der Sicherheit. Die neuen Maßnahmen, zu denen der Einsatz von Security-Kräften gehört, würden einen sicheren Badebetrieb ermöglichen. „Wenn die Instrumente, die wir jetzt haben, konsequent angewendet werden, funktionieren sie.“ Der stellvertretende Bezirksbürgermeister für die nördlichen Stadtteile, der Grünen-Politiker Jürgen Gocht, kritisierte aus dem Publikum das schlechte Krisenmanagement, das Düsseldorfs Ansehen geschadet habe. „Düsseldorf ist durch die Presse gezogen worden wegen Vorfällen, die nicht vergleichbar sind mit dem, was in anderen Städten passiert ist.“

Die Vorfälle im Rheinbad waren nur ein Thema des Abends, an dem es generell um Werte im gesellschaftlichen Miteinander gehen sollte. Einigkeit bestand zwischen Zuschauern und dem Podium, dass eine offene Gesellschaft klare Regeln und ein respektvolles Miteinander brauche – und dass es daran oft mangele. Güler verwies auf andere erschreckende Beispiele für fehlenden Respekt, etwa die Meldung über die Autofahrerin, die kürzlich in Düsseldorf nicht akzeptieren wollte, dass sie im Stau nach einem schweren Unfall warten musste. Ein bestimmendes Thema war zudem der beleidigende, oft bedrohende Ton von Debatten im Internet. Minister Stamp sieht eine „Verrohung von neuer Qualität“. Beleidigende E-Mails etwa habe er als Politiker immer erhalten, früher aber waren sie anonym. „Inzwischen schreiben viele Absender ihren Klarnamen.“ Der Düsseldorfer Sozialarbeiter Samy Charchira beklagt einen fatalen Reflex, jeden Vorfall zum Anlass zu nehmen, allgemeine Debatten über gescheiterte Integration zu führen. Man müsse rechten Gruppen widersprechen, wenn sie das versuchen. Er verwies darauf, dass die Herkunft der störenden Jugendlichen im Rheinbad nicht einmal geklärt ist. Dirk Sauerborn, Polizist und Vorsitzender des Vereins „Lobby für Demokratie“, kritisierte einen „Sofortismus“ in unserer Gesellschaft. Man müsse trotz schneller Medien und allgemeiner Ungeduld sich die Zeit nehmen, Miteinander gelassen zu sprechen.

Es gab auch optimistische Beiträge: Khalifa Zariouh, Gründer des Runden Tisches für die Ellerstraße in Düsseldorf, erzählte, durch viele Gespräche sei es gelungen, dass die Leute wieder mehr Vertrauen haben, in die Straße im Maghrebviertel in Oberbilk zu kommen. Kinderärztin Susan Halimeh erhielt viel Applaus für einen versöhnlichen Satz. Gerade im Kontakt mit Migranten bestehe oft Unsicherheit auf beiden Seiten. „Ich glaube aber, der Großteil der Menschen ist einfach gut.“

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